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Hilzhofen: Geplantes Wellness-Hotel sorgt im Dorf für Unbehagen

Ambitionierte Erweiterungspläne des Landgasthofes Meier wecken Ängste — Bürgermeister Wolf sieht hingegen positive Effekte - 21.11.2018 06:00 Uhr

Der Blick von Osten auf Hilzhofen. In diese Richtung möchte Landgasthof Meier (weißes Haus in der Mitte) ein Badehaus mit Hotel und Häuschen errichten. © Foto: AndréDe Geare


"Unser kleines Dorf wird erdrückt", befürchtet Markus Neubauer. Seine Aussage untermauert Zoran Zidar mit Zahlen: "Rund 80 Einwohner hat der Ort, und jetzt sollen mehr als 90 neue Betten für Gäste dazukommen."

Bürger aus Hilzhofen und Dietkirchen haben ein Schreiben an Bürgermeister und Gemeinderat verfasst, in dem sie ihre Bedenken gegen das Bauvorhaben am östlichen Dorfrand vorbringen. Eine Zunahme an Lärm und Verkehr, die eh schon angespannte Parkplatzsituation, der wassersensible Bereich: Der Ort der Entschleunigung für zahlungskräftige Gäste könnte schleunig zum Ort des Verdrusses für die Einheimischen werden.

Mehr als 70 Bewohner von Hilzhofen und der Nachbarorte Dietkirchen und Habertshofen haben den Brief unterzeichnet. Zwar war dies keine förmliche Unterschriftenliste, aber die könne ja noch kommen, sagt Zidar: "Knapp mehr als 50 Prozent der Hilzhofener haben sich damals gegen den Bau ausgesprochen."

Adolf Wolf vermutet, die Zahl der Projektgegner sei weit geringer. Der Pilsacher Bürgermeister weist daraufhin, dass die Bedenken der Anwohner in den geänderten Planentwurf miteingeflossen seien. Unter anderem mit einem Lärmgutachten.

Viel Verkehr auf engen Straßen

Das Architekturbüro Berschneider hat die überarbeiteten Pläne erst in der vergangenen Woche dem Gemeinderat präsentiert (wir berichteten). Dessen Mitglieder verabschiedeten schließlich einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan Sondergebiet "Hotelerweiterung Hilzhofen". Es gab keine Gegenstimme.

"Vorhabenbezogen heißt ja, dass genau festgelegt wird, wo der Bauherr was bauen darf", sagt Wolf. Die Pläne würden zweimal öffentlich ausgelegt. Da könne jeder seine Einwände einbringen. Nicht nur Träger öffentlicher Belange, sondern auch Privatleute.

Als "Golfdorado" vermarktet der Landkreis Neumarkt die drei benachbarten Golfplätze in Lauterhofen, Hilzhofen und am Habsberg. Doch ist dort auch nicht alles Gold, was glänzt. Die gut betuchte Gästeschaft aus dem Raum Nürnberg oder Regensburg bringt zwar Geld in die ländliche Region. Aber auch ihre meist hochmotorisierten Autos, in denen sie dann den Landgasthof Meier ansteuert.

Im Sommer kommen Gäste in Scharen nach Hilzhofen. Sie parken auf ausgewiesenen Parkplätzen auf öffentlichem Grund. © Foto: Zidar


Beim Thema Tourimusverkehr kommen die Hilzhofener erst richtig in Fahrt: "Tempo 30 oder ,rechts vor links‘ interessiert da keinen." Das Verkehrsaufkommen habe jetzt schon Ausmaße erreicht, die "wir nicht mehr akzeptieren können", sagt Conny Zidar. Und die Autos bräuchten dann auch Parkplätze: Im Sommer sei das halbe Dorf zugestellt, die Landwirte mit ihren Maschinen und der Schulbus würden dadurch behindert.

Der Schneefall am Dienstagmorgen dürfte bei den Kritikern der geplanten Hotelerweiterung keine Vorfreude auf den nahenden Winter ausgelöst haben. Denn werden am Landgasthof die Loipen gespurt, dann strömen die Langläufer ins Dorf. Langelaufen kommen sie dorthin freilich nicht, sondern im Auto.

Die Wintersportler sind immerhin noch leise. Was man von den Hochzeitsgesellschaften an den Sommerwochenenden leider nicht sagen könne, erzählen die Zidars, die oberhalb des trendigen Gasthofs am Waldrand wohnen. Gerade in Sachen Lärmbelästigung sieht Bürgermeister Adolf Wolf aber einen positiven Effekt, wenn hier der Wellness-Tourismus den Vorzug vor den Hochzeiten erhielte: "Der Bauherr ist doch selber daran interessiert, dass dann Ruhe herrscht." Außerdem seien auch viele neue Parkplätze außerhalb des Dorfes in den Planungen vorgesehen.

Eines möchte Markus Neubauer noch klarstellen: Der unternehmerische Erfolg sei Michael Meier unbenommen, auch seine Ausbaupläne seien bis zu einem gewissen Grad fürs Dorf verträglich. Jedoch nicht ein Bauprojekt in der Größe von mehreren Hektar. Von der Flächenversiegelung ganz zu schweigen. Ein Mitstreiter aus Habertshofen ist da schon strikter: "Wir wollen keinen Tourismus, wir wollen hier draußen unsere Ruh’."

NICOLAS DAMM

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