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Funino: Die Revolution im Kinderfußball?

Was mit einem Feld-Experiment in Neunkirchen begann, mündet in einer Änderung der Wettkampfform durch den Verband für ganz Bayern. - 16.05.2019 12:30 Uhr

Drei gegen Drei auf vier Mini-Tore: Das ist Funino. © Ralf Rödel


Der deutsche Fußball, so eine verdichtete Analyse des Sportwissenschaftler Matthias Lochmanns, könnte und müsste zur Sicherung der internationalen Konkurrenzfähigkeit mehr überdurchschnittliche Kicker hervorbringen. Gelingen soll das durch bessere Rahmenbedingungen bei den Jüngsten – durch Funino.

Was sich ändert:

Ab 1. Juli sollen bayernweit Kinder in der G-Jugend (U6/U7) und F-Jugend (U8/U9) nur noch Drei gegen Drei auf vier Mini-Tore spielen, ohne Torwart (genannt: Fußball³). Damit nicht ständig die Besten auf dem Platz stehen und die Schwächeren draußen sitzen, wird nach einem Rotationsprinzip reihum eingewechselt. Statt Ligen soll es regelmäßige Turniere geben.

Im jüngeren Jahrgang der E-Junioren (U10) sollen es fünf Spieler je Mannschaft sein, der Torwart wird nach jeder Partie gewechselt, um alle Spieler gleichmäßig zu schulen (genannt: Fußball⁵). Erst ab der U11 ist künftig ein fester Torhüter vorgesehen. Das Spielfeld ist 20 bis 25 mal 25 bis 30 Meter groß.

Was steckt dahinter?

176 500 Jungkicker spielen in Bayern von der F- bis zur A-Jugend Fußball. Während es in der E-Jugend noch 38 000 sind, bleiben in der A-Jugend aber nur noch 19 600 übrig. "Viele verlieren den Spaß, weil sie schon von klein auf wenig eingesetzt werden", sagt BFV-Jugendleiter Florian Weißmann. "Im Drei-gegen-drei bist du permanent eingebunden. Also wirst du auch ein besserer Fußballer."

Was kommt auf die Vereine zu? Die Nachricht des BFV hat vor allem die kleinen Vereine aufgeschreckt. Nicht wenige fühlen sich überrumpelt, ja sogar übergangen. Um Funino zu spielen, müssen die Vereine Mini-Tore kaufen, 119 Euro kosten zwei Stück. Dazu kommen neue Bälle (Größe 3 für F- und G-, Größe 4 für die E-Jugend).

BFV-Jugendleiter Weißmann hält dagegen: "Es sind Investitionen in die Zukunft, die sein müssen." Gleichzeitig fordert er die Vereine auf, die Höhe ihrer Mitgliedsbeiträge zu überdenken: "Wenn ich nur einen Jahresbeitrag von 60 Euro zahlen muss, kann ich auch kein perfektes Training erwarten." Andere Anbieter, Musik- oder Tanzschulen etwa, verlangen diese 60 Euro auch – pro Monat.

Was passiert im Fußballkreis Neumarkt/ Jura?

Kreisjugendleiter Andreas Kienlein sieht der Umstellung auf Funino oder "Fußball³" gelassen entgegen. Im Kreis Neumarkt/Jura befasse man sich schon seit drei Jahren mit dem Thema, jedes Jahr habe bei den Vereinen das Interesse abgefragt. "2018 haben fast 80 Prozent für eine Umstellung gestimmt", berichtet Kienlein.

Also habe man beschlossen, im September mit den G-Junioren zu starten. Die E- und F-Jugend könnten in den Jahren darauf folgen, doch da sei noch nichts spruchreif. Und wenn, dann solle es eine Wahloption zwischen neuem und altem Spielsystem geben. Wie viele Teams ab September einsteigen, ist noch nicht klar, "der Meldebogen ist noch nicht offen", sagt Kienlein.

Was sagen die Neumarkter Vereine?

Sebastian Wild, Vorsitzender der JFG Neumarkt Stadt und Land, ist heilfroh, dass ihn das Thema "Funino" nicht betrifft. Denn bei der Jugendfördergemeinschaft, auch bei der in Postbauer-Heng, wird erst ab der D-Jugend gemeinsam gekickt. Vor allem dem organisatorischen Mehraufwand steht er kritisch gegenüber: "Kleinere Mannschaften bedeuten mehr Mannschaften, die wiederum mehr Trainer und Betreuer brauchen."

Wild ist überzeugt, dass die Vereine tief in die Tasche greifen müssen: Neue Bälle, neue Tore, neue Spielfelder, dazu gäbe es noch die ergänzende Technik aus LED-Lichtern, die die Simulation verschiedener Spielsituationen erleichtert. All das koste, doch viel ärgerlicher sei: "Der BFV hat keinen gefragt, sondern einfach entschieden."

Aus Sicht eines Torhüters (TSV Wolfstein Herren) und Trainers (U15 JFG) gefällt ihm, dass bei Funino die Positionen rotieren. "So bekommt jeder eine Ahnung. Wer ein guter Torhüter ist und auch einer werden möchte, kristallisiert sich dann mit der Zeit heraus."

Beim ASV Neumarkt beschäftigen den Jugendleiter gerade ganz andere Dinge: Die Planungen für die neue Saison laufen auf Hochtouren, "die Trainerposten sind alle besetzt!", freut sich Thomas Lehmeier. Von Funino habe er schon gehört, ja sogar schon an einem Turnier vor zwei Jahren in Ezelsdorf teilgenommen. "Das hat Spaß gemacht, eine nette Sache", erinnert er sich. Nach der Jugendleitersitzung werde er sich damit beschäftigen, Tore bestellen, Regeln studieren und Teams bilden.

Einen großen Schritt weiter ist man beim BSC Woffenbach: Die Tore sind bestellt, zwei Felder stehen bereit. Einen großen Vorteil von Funino sieht Jugendleiter Markus Koberstein vor allem im Turniermodus: "Alle Kinder sind in Bewegung, haben Spaß, und nach zwei Stunden sind alle fertig."

Der BSC möchte mit der G-Jugend am liebsten sofort loslegen. Doch eine entscheidende Zutat fehlt: "Wir bräuchten Mitstreiter ab September", sagt Koberstein. "Wir sind aufgeschlossen und freuen uns, wenn andere Vereine mitziehen."

Fest rechnen können sie ab September mit dem TSV Pyrbaum. Dort wird bereits seit drei Jahren Funino praktiziert, mit "durchweg positiven Erfahrungen", wie Jugendleiter Stefan Fiederer berichtet. Er bezeichnet den Schritt seines Vereins als "absolut richtig", unter anderem, weil es "für die Kleinsten mehr Erfolgserlebnisse gibt".

Die Turniere werden aktuell noch von den Trainern organisiert, die Gegner kommen beispielsweise aus Allersberg oder Oberferrieden. Aus dem Landkreis Neumarkt ist Pyrbaum der einzige Vertreter. Das wird sich ab September ändern.

PHILIP HAUCK

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