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Dietfurter beendet Karriere in der Nationalmannschaft

Hochdekorierter Stockschütze Christoph Öttl erklärt sich zum Abschied - 08.07.2020 09:02 Uhr

Christoph Öttl bei seinem letzten internationalen Auftritt im März 2020 bei der Heim-WM in Regen. © Deutscher Eisstock-Verband


Herr Öttl, nach der von Corona getrübten Heim-Weltmeisterschaft in Regen wollten Sie ihren angekündigten Abschied noch einmal überdenken. Unter einem neuen Auswahl-Trainer (Roland Fischl löst Bernhard Stelzig ab; d.Red.) ist die Versuchung wohl verpufft?

Tatsächlich bin ich im Frühjahr kurz ins Wanken geraten, fühlte mich dann aber in der sportfreien Zeit immer mehr in meinem Rücktrittsentschluss bestätigt. Über so viele Jahre habe ich mir zwischen Winter und Sommer-Runde eben durch die Turniere mit der Nationalmannschaft wenig Pausen gegönnt, war mit vollem Ehrgeiz auf den maximalen Erfolg ausgerichtet. Deutschland hat immer den Anspruch, zu gewinnen. Da stehst du selbst in unserer überschaubaren Szene natürlich besonders unter Beobachtung und Druck. Die neuen privaten Möglichkeiten sind dagegen eine erstaunliche Erfahrung, ich konnte ein paar Dinge am Haus erledigen und habe das Mountainbiken neu entdeckt. Meine Entscheidung war komplett unabhängig von der Trainer-Frage, da gab es auch keinen Kontakt. Nur vom Hörensagen heißt es, dass der Kollege mehr auf jüngeres Personal setzen könnte.

Der Nachwuchs ist es auch, um den Sie sich im Heimatverein verstärkt kümmern werden?

Die Aufgabe hängt nicht an einer Person, trotzdem möchte ich wie bisher einen Beitrag leisten. Sportlich werde ich viel dafür geben, nochmal bei einer deutschen Einzel-Meisterschaft am Podium zu schnuppern. Darüberhinaus kann ich mir vorstellen, mit etwas Abstand einen Übungsleiter-Schein in Angriff zu nehmen und freue mich ansonsten, als einfacher Fan zur nächsten EM oder WM zu fahren.

Im Grundschulalter zunächst ebenfalls ein begeisterter Fußballer, übertrug sich die Begeisterung des Vaters für das Stockschießen beim SC Zell nachhaltig auch auf Christoph Öttl. Hauptberuflich angestellt bei der Sparkasse Neumarkt-Parsberg, avancierte der Dietfurter mit 20 internationalen Medaillen zu einem der erfolgreichsten Akteure seiner Sportart. © Foto: Riess


Inzwischen darf von der Aufnahme ins olympische Programm geträumt werden. Wird der Altmeister da neidsch?

So eine Veranstaltung mitzuerleben, gönne ich den künftigen Jungtalenten. Ich selbst bin mit meiner Karriere nicht weniger glücklich, da dieses Ziel nie realistisch zu erreichen war. Bis vor zwei Jahren war die Idee so weit Weg wie die Erde vom Mars. Man sollte allerdings bei aller Euphorie nicht vergessen, dass sich die Rahmenbedingungen bei unseren Wettbewerben in den vergangenen Jahren toll entwickelt haben. Das Stockschießen kann noch weiter wachsen. Ob die alleinige Konzentration (unter anderem entsprechender Fördergelder; d.Red.) auf den Leistungssport die beste Option ist sollte auf jeden Fall hinterfragt werden.

Welche Erlebnisse im Nationaltrikot bleiben am stärksten in Erinnerung?

Ein emotionaler Meilenstein, der das innere Feuer in mir erst richtig entzündet hat, war die EM 2010 in Klagenfurt. Es hatte zuvor drei Jahre gedauert, um eine Einladung zum Lehrgang mit den versammelten Koryphäen zu bekommen und aus der U23 den Sprung zu den Herren zu schaffen. Sportlich überstrahlt die WM 2018 in Amstetten mit dem dritten Platz im Einzel und dem Titel mit der Mannschaft alles. Die Bilder und Videos schaust du dir von Zeit zu Zeit immer wieder gerne an.

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