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„Die Henger haben die Nase voll“

Es gibt wieder Klagen über Gestank aus dem Werk der Firma Dennert Poraver in Postbauer-Heng - 19.07.2019 11:13 Uhr

Das Poraver-Werk in Postbauer-Heng sorgt immer wieder für Klagen über Gestank aus der Nachbarschaft. Die Firma will technisch nachrüsten. © Günter Distler


„Die Henger haben die Nase voll und das nicht nur sprichwörtlich“, schimpft Kurt Augustin, der in der Rosenstraße in Postbauer-Heng wohnt und damit nicht weit entfernt von der Firma Dennert Poraver. Seit vielen Jahren beklagen die Anwohner des am östlichen Ortsrand angesiedelten Industriebetriebs, der Altglas zu Blähglasgranulat verarbeitet, über eine ständige Geruchsbelästigung. Vor allem bei heißen Sommertemperaturen und Ostwind schwappe der „Kunststoffmief“, wie es Augustin nennt, herüber zu den Häusern.

„Ja, es stinkt immer wieder“, bestätigt Gabriele Bayer, Kreisvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen und Markträtin in Postbauer-Heng, die sich seit langem mit dem Thema Poraver beschäftigt und immer wieder auf technische Nachbesserungen gedrängt hat. „Am Anfang war die Firma überhaupt nicht kooperativ, aber ich habe nicht locker gelassen und immer wieder angerufen, dann wurde es besser.“

Inzwischen sei Poraver auf die Menschen in Postbauer-Heng zugegangen, habe informiert und Millionen investiert, um Staub und Gestank durch den Produktionsprozess einzudämmen und die zahlreichen Auflagen einzuhalten. Zum Beispiel Rütteltische, die am Glasbruch anhaftende Verschlussteile aus Plastik und andere Verunreinigungen vom Glasbruch trennen. Auf ihren Druck hin sei auch eine neue Filteranlage gegen den Staub aus der Glasmühle eingebaut worden. Wichtig sei auch, dass die Temperatur in den Brennöfen über 800 Grad liegt, weil sonst giftige Furane und Dioxine entstehen könnten, so Bayer. Sie fordert zudem eine Einhausung der Glasbruchhalden. „Wenn der Radlader da reinfährt, dann stinkt das natürlich.“

Michael Gottschalk, Pressesprecher im Landratsamt, verweist auf eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung von 2014, mit der sich die Firma Dennert Poraver verpflichtet habe, ihre Anlagen so nachzurüsten, dass sämtliche Grenzwerte eingehalten werden. Probleme gebe es bei der Granulattrocknung, hier hätten sich bei der letzten Messung im Jahr 2017 leichte Überschreitungen der Stickoxid-Werte ergeben. Seitdem seien verschiedene Methoden geprüft worden, dies zu verbessern. Bis November soll laut Gottschalk ein neuer Brenner eingebaut werden, mit dem die Grenzwerte eingehalten werden sollen. Bereits in den nächsten 14 Tagen werde eine neue Entstickungsanlage in Betrieb gehen. „Bis Ende des Jahres sollte sich die Situation also deutlich verbessern“, glaubt Gottschalk. „Ganz geruchsneutral wird es wohl nicht werden, ein leichter Kunststoffgeruch wird wohl immer bleiben. Die Firma Poraver ist jedenfalls sehr kooperativ, das ist technisch alles nicht so einfach“, sagt Gottschalk.

Andreas S. Krafft, Geschäftsführer Technik, Produktion, Forschung und Entwicklung bei Dennert Poraver, verweist ebenfalls auf die angekündigten Maßnahmen mit dem neuen Brenner und der Entstickungsanlage. Der Erfolg werde anschließend kontrolliert. Auch ein Filter zur Entstaubung werde bereits eingesetzt. Von der Glashalde gehe kein Geruch aus, eine Einhausung sei daher nicht nötig. Die Firma habe in den letzten Jahren zwei Millionen Euro zur Verringerung der Emissionen und in den Lärmschutz investiert. „Die Klagen der Anwohner machen uns betroffen, wir nehmen das sehr ernst. Wir gehen davon aus, dass sich die Situation deutlich verbessert, aber man wird uns als Unternehmen am Standort immer wahrnehmen“, sagt Krafft, der auch schon Kritiker eingeladen hat, ins Werk zu kommen und „mitzuriechen“. 

„Die Firma macht mehr, als sie müsste“, ergänzt Horst Kratzer, Bürgermeister von Postbauer-Heng, der als Anwohner der Bayernstraße auch ein Lied von dem Gestank singen kann: „Bei Ostwind rieche ich das auch. Schön ist das nicht.“ Das Thema beschäftige ihn schon während seiner gesamten Amtszeit. Wichtig ist Kratzer, dass die Emissionen nicht gesundheitsschädlich sind. Eine für alle zufriedenstellende Lösung werde es wohl nicht geben.

  

Christine Anneser

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