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Mittwoch, 23.10.2019

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Nach Rücktritt von Pfaffmann: ASB Bayern stellt sich neu auf

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Betrugs in besonders schwerem Fall - 09.10.2019 16:39 Uhr

Pfaffmann legt in Abrechnungsaffäre alle Ämter beim ASB Bayern nieder. © dpa/Tobias Hase


"Ich übernehme für diese Lage die politische Verantwortung und gebe sämtliche Funktionen im ASB Bayern mit sofortiger Wirkung zurück", schrieb der frühere SPD-Landtagsabgeordnete in Bezug auf die Unregelmäßigkeiten bei Abrechnungen und weitere Vorwürfe in einer Stellungnahme.

Tags zuvor war der schriftliche Zwischenbericht der Nürnberger Wirtschaftsprüfer von Rödl & Partner bekanntgeworden, der auf zahlreiche Mängel in der ASB-Landesgeschäftsstelle in Erlangen hinwies. Der Bericht geht davon aus, dass der bayerische Landesverband im Rettungsdienst über Jahre hinweg ungerechtfertigte Kosten in einem mittleren einstelligen Millionenbereich abgerechnet hatte.

Thomas Klüpfel im Zentrum der Anschuldigungen

Die Vorwürfe waren im April durch Recherchen der NN bekanntgeworden und haben sich inzwischen verdichtet. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth ermittelt wegen Betrugs in einem besonders schweren Fall. Im Zentrum der Anschuldigungen steht auch der frühere ASB-Landesgeschäftsführer Thomas Klüpfel.

Horst Arnold leitet den Landesvorstand bis März 2020. © Foto: Tobias Hase/dpa


Pfaffmann hatte in der Vergangenheit sehr dünnhäutig auf interne Mahnungen und Appelle reagiert, in der Krise rund um das mutmaßlich illegale Finanzgebaren des Wohlfahrtsverbandes Abstimmung und Informationsfluss innerhalb der Organisation zu verbessern. Es werde ja so getan, als seien beim ASB Bayern "Volldeppen" am Werk, die durch "Dummheit" die Beerdigung ihres Landesverbandes eingeleitet hätten – so äußerte sich der Landesvorsitzende vor einigen Monaten intern, als immer neue Details in der Abrechnungsaffäre ans Licht kamen. Bereits 2018 waren Pfaffmann und leitende ASB-Mitarbeiter durch E-Mails auf manipulierte Abrechnungen hingewiesen worden. Geschehen war nichts.

Vorstand wird nicht mehr kandidieren

Zunächst führt der Landesvorstand um den bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden Horst Arnold die Geschäfte fort. Unterstützt wird der Fürther Abgeordnete und Chef der SPD-Landtagsfraktion dabei von seiner oberfränkischen Parteifreundin Christa Steiger, die bis 2013 für die Sozialdemokraten im Landtag saß und neben ihrer Funktion im Landesvorstand Vorsitzende des ASB-Kreisverbandes Kronach ist.

Arnold und Steiger sowie ihre drei noch im Landesvorstand verbliebenen Kollegen, die beiden Schatzmeister Roland Löb und Herbert Münch sowie Landesjugendleiter Jens Schindler, werden jedoch nur noch bis zu den Neuwahlen im März 2020 an der Spitze des ASB Bayern stehen. "Keiner und keine der bisherigen Vorstandsmitglieder wird erneut kandidieren", heißt es in einer Stellungnahme der ASB-Landesgeschäftssstelle.

Nicht über Unregelmäßigkeiten informiert?

Horst Arnold erklärt hierzu, dass er einem Neuanfang nicht im Wege stehen möchte, "auch wenn die gravierenden Vorgänge vor meiner Amtszeit stattfanden". Ein Neuanfang sei eben ein Neuanfang. Der Fürther Parlamentarier, der im Sommer 2018 in den Landesvorstand gewählt worden war, beteuert in diesem Zusammenhang, lange Zeit nicht über die finanziellen Unregelmäßigkeiten informiert worden zu sein. Er sei damals auf eine "gemähte Wiese" gelockt worden, um später festzustellen, dass diese Wiese "hochtoxisch belastet" sei, sagte Arnold gegenüber den NN.

Auch Christa Steiger ist überzeugt, dass es einen personellen Neuanfang beim ASB Bayern geben muss. Bis zu den Neuwahlen im Frühjahr wolle man die Landesgeschäftsführung so gut wie möglich bei der Aufarbeitung der Affäre unterstützen, kündigt die stellvertretende Landesvorsitzende an. "Vergnügungssteuerpflichtig ist das alles nicht, aber der ASB muss jetzt handlungsfähig bleiben."

ANDRÉ AMMER

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