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Lust auf „schönstes Amt“ machen

Bürgermeisterinnen wollen Frauenquote in Rathäusern erhöhen - 21.02.2019 16:41 Uhr

Bürgermeisterin Dr. Birgit Kreß (r.) lud ihre Kolleginnen zur Besichtigung der wichtigsten Markt Erlbacher Projekte ein. © Harald Munzinger


Diese empfing Gastgeberin Dr. Birgit Kreß auch als kommissarische Erste Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft „Frauen führen Kommunen“ im Saal des „Bürgerhauses Zum Löwen“ Die Bürgermeisterin zeigte zunächst in einem kurzen Vortrag die aktuellen Markt Erlbacher Projekte auf, die später auch bei einer Rundfahrt bewundernd in Augenschein genommen wurden. Ferner stand neben dem Austausch über fachliche Themen und Aktuellem aus den Kommunalverwaltungen ein professionelles Training von Rhetorik und Schlagfertigkeit auf dem Programm. Schließlich gilt es „ein demokratisches Defizit“ von lediglich neun Prozent Frauenanteil unter den Ersten Bürgermeistern in Bayern zu mindern, eine Männerdomäne in der Kommunalpolitik aufzubrechen.

Man wolle damit nicht gegen die Kollegen arbeiten, wurde in der Runde der Bürgermeisterinnen betont, der sich auch Cornelia Hesse vom Bayerischen Gemeindetag angeschlossen hatte, der die Interessen der 2031 kreisangehörigen Städte, Märkte und Gemeinden vertritt, und es gerne sähe, „dass künftig mehr Frauen als bisher, ein Bürgermeisteramt anstreben“ und sie in diesem auch besonders unterstützt. Deshalb war vor drei Jahren auch auf seine Initiative hin die Arbeitsgemeinschaft „Frauen führen Kommunen“ aus der Taufe gehoben worden. Zwar habe sich, so Hesses Feststellung, in den letzten 20 Jahren der Frauenanteil unter den Ersten Bürgermeistern von 2,2 auf knapp neun Prozent erhöht, doch gilt dieser bei 52 Prozent Frauen in der Bevölkerung als nach wie vor unbefriedigend.

„Frauenherzen schlagen anders!“

So war es keine Frage in der Markt Erlbacher Runde, dass mehr Frauen an der Spitze der Kommunen der Gesellschaft gut täten, da sie neue Perspektiven in die Kommunalpolitik brächten, sie anders denken, „Frauenherzen anders schlagen“ würden. Die Kandidatenlisten paritätisch zu besetzen, wie es zur Landtagswahl in Brandenburg erfolgen soll, wird nicht als probates Mittel für einen „Frauenboom“ in der Politik angesehen, da es schwer sei, „überhaupt Kandidatinnen zu finden“.

Es gebe „viele Ursachen, warum Frauen in wichtigen Bereichen des öffentlichen Lebens nach wie vor 'unsichtbar' sind“. Während Männer immer noch weiblicher Führungsstärke misstrauten, alte Rollenmuster- nicht nur in der Politik - nach wie vor in vielen Köpfen seien, scheuten Frauen häufig vor der enorm hohen Arbeitsbelastung und Verantwortung zurück. Zudem stünde bei ihnen zunächst die Familie im Vordergrund, falle die Entscheidung für ein politisches Amt vielfach später, als bei den Männern, die sich früh in Parteigremien die Sporen und dann auch den Spitzenplatz auf den Listen verdienten. Dass sich da Frauen auf freien Listen leichter täten, stellte Bürgermeisterin Christiane Meyer aus Ebermannstadt fest.

Mangelnde Wertschätzung beklagt

Zwar seien - im Gegensatz zu den nordischen Ländern mit bis zu 50 Prozent - die Frauenquoten in Österreich und der Schweiz auch nicht wesentlich besser, doch könne man in Bayern vor der Anerkennung nur träumen, die dort Bürgermeisterinnen genießen würden. Dies stellte die Runde bei internationalen Treffen fest, wo es sich ein Landeshauptmann nicht nehmen ließe, den Frauen die Ehre zu erweisen, während die Staatsregierung bei einer größeren Tagung die angekündigte Ministerin kurzfristig abgezogen habe. Als Missachtung und mangelnde Wertschätzung wurde dies kritisiert.

Entmutigen sollte dies aber keine der Bürgermeisterinnen in der über alle Parteigrenzen hinweg harmonierenden Runde. Vielmehr wurde das Positive „eines der schönsten Ämter“ mit seinen Gestaltungsmöglichkeiten betont, in dem man etwas für die Gemeinschaft tun und Weichen in die Zukunft stellen könne. Dass Frauen dafür besonders geeignet seien, wurde selbstbewusst auf deren in den Familien bewährten Moderatorenrolle oder im Alltag vielfach bewiesenen Flexibilität verwiesen und auch mit dem ehrenamtlichen Engagement im „vorpolitischen Raum“ etwa in Schule, Kirche oder sozialen Diensten und der Eigenschaft des gründlichen Überlegens und kritischen Hinterfragens belegt. Argumente, mit denen man nun auch verstärkt unter den Frauen „Lust auf die Bürgermeisterin“ gemacht werden soll, zumindest auf einen Einstieg im Stadt- oder Gemeinderat.

Neben den zwei jährlichen Treffen, „um sich auszutauschen und Projekte anzustoßen“ organisiert die Arbeitsgemeinschaft auch Landestagungen – wie die nächste am 11. und 12. März in Starnberg – oder Gesundheitswochen, in denen es neben dem eigenen auch um das Wohl in den Verwaltungen geht.

Harald J. Munzinger

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