18°

Dienstag, 04.08.2020

|

zum Thema

Kurzarbeit: Diese Städte schicken Mitarbeiter nach Hause

Vor allem touristische Städte wie Rothenburg und Dinkelsbühl reduzieren Ausgaben - 29.04.2020 05:53 Uhr

Rothenburg ob der Tauber leidet noch mehr als andere Kommunen unter der Coronakrise. Die Stadt ist enorm vom Tourismus abhängig - und der ist nun komplett eingebrochen. © Colourbox.de


Wo sich sonst Tausende Touristen durch die mittelalterlichen Gassen quetschen, vorbei an Plönlein, Rathaus, Käthe Wohlfahrts Weihnachtswahnsinn und Burggarten, herrscht nun gähnende Leere. Fast wie ausgestorben liegt Rothenburg ob der Tauber da, und auch um die Vitalität des städtischen Haushalts ist es nicht viel besser bestellt.

"Wir hatten heuer eigentlich mit höheren Einnahmen als im Vorjahr geplant. Im Haushalt stehen 8,3 Millionen Euro Gewerbesteuern. Jetzt rechnen wir mit 4,8 Millionen – und das ist wohl noch nicht das Ende der Fahnenstange", meint Stadtkämmerer Franz Fisch.

Rothenburg: Auch die Parkgebühren fehlen

Der Tourismus in der Tauberstadt liegt komplett brach. Hotels und Gaststätten haben geschlossen, der Einzelhandel in der Altstadt ist jetzt zwar wieder zulässig, ohne Touristen aber relativ sinnlos. Der Stadt fehlen nicht nur die Gewerbesteuern, sondern auch die Fremdenverkehrsbeiträge und die Parkgebühren. Zwei Millionen Euro kommen so in normalen Jahren in die Stadtkasse.

Bilderstrecke zum Thema

Die Fehler beim Tragen einer Schutzmaske - und wie es richtig geht

Wir alle müssen uns an sie gewöhnen: Masken werden uns im Alltag intensiver begleiten. Doch es gibt Fallstricke bei der Handhabung - wir haben Tipps für die richtige Anwendung.


"Spätestens in der zweiten Jahreshälfte müssen wir einen Nachtragshaushalt reden. Die Kreditaufnahme zum Beispiel werden wir von 250.000 auf zwei bis drei Millionen Euro anheben müssen", verdeutlicht Fisch.Um zumindest ein paar Ausgaben zu sparen, setzt die Stadt seit Montag auf Kurzarbeit. Etwa 25 Mitarbeiter aus der Tourist-Info, der Musikschule und der Seniorenbegegnungsstätte bleiben nun daheim. Der Rathausturm kann ohnehin nicht mehr bestiegen werden, die Kasse bleibt deshalb ebenfalls unbesetzt.

"Das sind die Bereiche, wo momentan einfach kein Bedarf mehr da ist. Deshalb sind wir sehr froh, dass wir nun das Instrument der Kurzarbeit haben", sagt Personalamtsleiter Rainer Herrmann.

Aufstockung auf 95 Prozent

Vor der Coronakrise war Kurzarbeit im kommunalen öffentlichen Dienst gar nicht möglich. Doch kürzlich haben sich die Tarifpartner auf den TV Covid geeinigt, der bis Ende des Jahres Kurzarbeit auch in Kommunen erlaubt. Einzelne Bereiche wie insbesondere die hoheitliche Verwaltung sind davon aber ausgenommen. Die Kommunen verpflichten sich dazu, das Kurzarbeitergeld auf 95 Prozent (bei höheren Gehältern auf 90 Prozent) aufzustocken.

"Wir haben uns schon am Tag nach der Kommunalwahl damit beschäftigt. Dadurch konnten wir das Instrument jetzt sehr früh einsetzen", sagt Dinkelsbühls Oberbürgermeister Christoph Hammer (CSU). Etwa 80 der 250 städtischen Beschäftigten sind seit Montag in Kurzarbeit. Mitarbeiter von Frei- und Hallenbad, Sauna, Verkehrsamt, Tourist-Info, städtischer Musikschule und Landestheater sind nun komplett daheim. Ebenso Hausmeister, Reinigungskräfte und Mittagsbetreuung der beiden Grundschulen und der Mittelschule.

"Es gibt viele Bereiche in einer Stadt, die einem Wirtschaftsbetrieb sehr ähnlich sind – und da muss man auch betriebswirtschaftlich denken", betont Hammer. "Ich will nächstes Jahr nicht darüber diskutieren müssen, ob wir uns die Musikschule oder das Landestheater noch leisten können", meint Dinkelsbühls Oberbürgermeister. Deswegen müsse man jetzt die Ausgaben herunterfahren.

"Es geht nicht um Einzelfallgerechtigkeit"

Für Unmut kann die Kurzarbeit aber nun bei den Angestellten sorgen, in deren Bereichen nun viel Arbeit anfällt, die aber nur fünf Prozent mehr Gehalt bekommen als die Daheimgebliebenen. "Da muss man aber schon ein gewisses Verständnis haben, dass es hier nicht um die große Einzelfallgerechtigkeit bei den Mitarbeitern untereinander geht", sagt Hammer.

Bilderstrecke zum Thema

Sommer 2021: Auf diese Events können wir uns jetzt schon freuen

Von sportlich bis kulturell: In diesem Jahr hagelt es Absagen für alle Großveranstaltungen bis zum 31. August. Doch das ist kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. 2021 gibt es dafür viele Veranstaltungshighlights, auf die es sich zu warten lohnt.


Während die meisten Kommunen mit der Kurzarbeit noch zögern, sind die Städte, für die der Tourismus eine große Rolle spielt, hier die Vorreiter. Schließlich trifft sie die Krise besonders hart. Neben Rothenburg und Dinkelsbühl ist das etwa auch Gunzenhausen.

"Wenn alles klappt, starten wir Anfang nächster Woche mit der Kurzarbeit", sagt Bürgermeister Karl-Heinz Fitz (CSU). Etwa 25 Mitarbeiter sind dann daheim, die meisten davon vom Zweckverband Altmühlsee. Doch nicht nur bei der Schiffsbesatzung der MS Altmühlsee ist Kurzarbeit angesagt, sondern auch in der Stadthalle und im Tourismusamt. "Ich bin froh, dass es dieses Instrument nun gibt. Man muss es aber verantwortungsbewusst einsetzen", betont Fitz.

In Weißenburg ist man momentan noch etwas zurückhaltender. "Wir wollen die weitere Entwicklung abwarten. Das Museum zum Beispiel kann ja vielleicht bald wieder öffnen", sagt Oberbürgermeister Jürgen Schröppel (SPD). Auch in Pottenstein wartet man noch etwas ab und prüft, leidet aber sehr unter den gewaltig eingebrochenen Einnahmen. "Dazu kommt ja auch noch der Mehraufwand, zum Beispiel für die Anschaffung von Schutzausrüstung für die Feuerwehr", verdeutlicht Bürgermeister Stefan Frühbeißer.

Kurzarbeit in Kitas?

In Erlangen gibt es derzeit noch keine konkreten Kurzarbeitspläne, in Fürth soll noch diese Woche eine Entscheidung fallen. Etwas weiter in der Diskussion ist man mittlerweile in Nürnberg. Ein Beschluss steht zwar noch aus, aber Stadtkämmerer und Personalreferent Harald Riedel geht davon aus, dass Kurzarbeit bald zum Einsatz kommt. "Der finanzielle Druck ist riesig", bekennt er. Insbesondere in den Bereichen Kultur, Bäder und Tourist-Info wird wohl bald Kurzarbeit angesagt sein.

Bilderstrecke zum Thema

Die Helden der Coronakrise: Dies sind die Gehälter in den systemrelevanten Berufen

In Zeiten von Corona richtet sich der Blick der Öffentlichkeit auf viele Berufsfelder und -zweige, die gerad jetzt als besonders systemrelevant eingestuft werden und die Versorgung mit medizinischer Hilfe oder auch den Zugang zu Lebensmitteln in diesen Zeiten weiterhin garantieren. Oft unter Einsatz der eigenen Gesundheit. Doch wie hoch ist der Mittlere Jahresverdienst die Beschäftigten in Gesundheitswesen, dem Lebensmittelhandel oder auch in der Pharmazie eigentlich?


Und auch bei den Kitas wird dies bereits geprüft. Inwieweit Kurzarbeit dort möglich ist, ist aber noch unklar. Schließlich wurde die Notbetreuung ausgeweitet, durch die derzeitigen Kleingruppen wird trotz weniger Kindern relativ viel Personal benötigt.

Keine Kurzarbeit bei VAG und N-Ergie

Bei der VAG gibt es dagegen keine Kurzarbeit. Schließlich werden mittlerweile wieder 95 Prozent des Angebotes gefahren. Und auch Projekte wie neue U- und Straßenbahnen sowie bessere Fahrgastinfos sollen weiterlaufen.

Und auch die N-Ergie verzichtet auf Kurzarbeit. Energie- und Wasserversorgung müssen ja ohnehin sichergestellt werden. Mitarbeiter aus dem geschlossenen Kundenzentrum beantworten Anfragen nun telefonisch oder per E-Mail.

Der Bayerische Städtetag fordert derweil, die Kommunen nicht mit der Finanznot allein zu lassen. Mit dem Kurzarbeitergeld allein würden sie nicht durch die Krise kommen. Die Kommunen brauchen einen Rettungsschirm, der noch in diesem Jahr greift, damit sie handlungsfähig bleiben. Kommunen sind als Auftraggeber von Investitionen wichtige Impulsgeber für die Wirtschaft. Sie müssen zahlungsfähig bleiben, damit wichtige Investitionen und Projekte nicht auf Eis gelegt werden", betont Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) als Vorsitzender des Bayerischen Städtetags.


Über aktuelle Entwicklungen in der Corona-Krise Sie haben selbst den Verdacht, an dem Virus erkrankt zu sein? Hier haben wir häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

Die Anzahl der Corona-Infizierten in der Region finden Sie hier täglich aktualisiert. Die weltweiten Fallzahlen können Sie an dieser Stelle abrufen.


Wir informieren Sie mit unserem täglichen Corona-Newsletter über die aktuelle Lage in der Coronakrise, geben Ihnen Hinweise zum richtigen Verhalten und Tipps zum alltäglichen Leben. Hier kostenlos bestellen. Immer um 17 Uhr frisch in Ihrem Mailpostfach.

Sie bevorzugen Nachrichten zur Krise im Zeitungsformat? Erhalten Sie mit unserem E-Paper-Aktionsangebot immer die wichtigsten Corona-News direkt nach Hause: Ein Monat lesen für nur 99 Cent! Hier gelangen Sie direkt zum Angebot.


Sie wollen in der Corona-Krise helfen: Dann sind Sie in unserer Facebookgruppe "Nordbayern hilft" genau richtig!

10

10 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Nürnberg, Fürth, Erlangen