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Kultusminister über FFF-Streiks: "Sehe keine Notwendigkeit"

Umweltthemen sollen im Unterricht stärker in den Fokus gerückt werden - 19.09.2019 15:27 Uhr

Zum dritten Weltklimastreik sind nicht nur Schüler aufgerufen, sondern auch alle Erwachsenen, die sich für mehr Umwelt- und Klimaschutz einsetzen möchten. © Stefan Hippel


Für ihren dritten globalen Streik haben sich die "Fridays for Future"(FFF)-Aktivisten nicht irgendeinen Tag ausgesucht: Der 20. September ist ein Freitag, an diesem Termin tagt das Klimakabinett in Berlin, ein wichtiges UN-Gipfeltreffen in New York wird vorbereitet – und es ist Weltkindertag. Deshalb ist unter dem Motto #AlleFürsKlima jeder dazu aufgerufen, sich an den Demonstrationen zu beteiligen, die in über 500 deutschen Städten stattfinden. Weltweit nehmen Menschen aus mehr als 100 Ländern teil.


Fridays for Future-Organisator: "Werde in nächster Zeit sicher nicht fliegen"


Nun kollidieren die meisten Demos wieder mit der Schulpflicht, an der das bayerische Kultusministerium nach wie vor festhält – mit der Anweisung an die Schulleiter, "entsprechend und dem Einzelfall angemessen zu reagieren", heißt es in einer Stellungnahme. Es gebe laut Gesetz kein Recht auf einen Schülerstreik. Eine Befreiung zum Zweck der Teilnahme an den "Fridays-for- Future"-Demonstrationen sei nicht möglich, auch nicht als Schulgang.

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Fridays for Future: Schüler demonstrieren am Jakobsplatz

Es geht um eine bessere Fahrradpolitik, für die sich die Demonstranten der "Friday for Future"-Bewegung auf dem Nürnberger Jakobsplatz einsetzen. Rund 150 Schüler waren am Freitag, 5. Juli, vor Ort, um sich öffentlich für einen Wandel der Klimapolitik einzusetzen.


Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) erhöhte sogar den Druck auf Schulschwänzer. Das Ziel vieler Schüler, durch die Demo während der Schulzeit mediale Aufmerksamkeit zu bekommen, sei schon länger erreicht, sagt er. "Insofern sehe ich überhaupt keine Notwendigkeit, während der Unterrichtszeit für ,Fridays for Future‘ zu demonstrieren." Auch der Bayerische Realschullehrerverband begrüßte diese Aussage.

Kein Konzept

Und wie gehen die Schulen inzwischen mit den Streiks um? "Wir haben uns keine Gedanken für ein Konzept gemacht", berichtet Bernd Landgraf vom Gymnasium Stein. "Wir wissen gar nicht, wie sich die Streiks dieses Schuljahr entwickeln. Zudem stehen wir im Gespräch mit der SMV." Beim ersten Streik sollten die Schüler Aufsätze schreiben, beim zweiten wurden Verweise verteilt. "Aber da waren kaum Schüler weg." Außerdem sei das Gymnasium dabei, sich als Umweltschule zertifizieren zu lassen.

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Zwölf Dinge, die der Klimawandel in Bayern verändert

Der Klimawandel macht auch vor Bayern nicht Halt. Bis zum Jahr 2100 soll es bis zu 4,5 Grad wärmer werden. Das hat gravierende Auswirkungen auf das Leben im Freistaat.


Dass viele Schulen Umweltarbeitskreise gegründet haben, berichtet auch Studentin Louisa Schocke, welche die Erlanger Demos mitorganisiert. "Die meisten Lehrer stehen den Aktionen positiver gegenüber. Teilweise wird das Thema Umweltschutz stärker im Unterricht behandelt."

Bernhard Schiffer, Direktor des Willibald-Gluck-Gymnasiums Neumarkt, freut sich, dass der Streik in seiner Stadt erst um halb vier beginnt. Vorher ließ er aber Schüler im Klassenverband mit Lehrern und Einverständnis der Eltern auch als Exkursion für politische Bildung nach Nürnberg fahren. 

Unterschiede in den Bundesländern

Zumal er als Bürger, nicht als Schulleiter, sagt: "Wie schön, dass es nun eine Jugend gibt, die sich politisch und im Sinne eines gedeihenden Gemeinwesens engagiert."

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Klimastreik während der Arbeit: So denken Arbeitnehmer

Für Freitag, den 20. September, ruft "Fridays For Future" zum globalen Klimastreik auf. Auch Arbeitnehmer sind dazu aufgerufen, für mehr Klimaschutz auf die Straße zu gehen. Streiken während der Arbeitszeit? Was Bürger davon halten und ob der Arbeitgeber das erlaubt, haben wir in unserer Umfrage in der Nürnberger Innenstadt gefragt.


Ein Blick in andere Bundesländer zeigt, dass das Thema Schulpflicht nicht überall so streng gehandhabt wird wie in Bayern und Baden Württemberg. In Schleswig-Holstein würde laut Studentin Schocke der Streik als gelebte politische Bildung anerkannt, und in Hamburg spreche die Schulbehörde zwar von Sanktionen, real würden diese aber nicht verhängt.

Selbst Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD) fordert einen zurückhaltenden Umgang mit Strafen. Sie finde es toll, wie junge Menschen sich beim Klimaschutz engagierten.

Quiz zu Fridays for Future: Wie gut kennen Sie die Umwelt-Bewegung?

© HANNA FRANZEN/AFP

Die Fridays-for-Future-Bewegung ist in aller Munde. Aber wofür kämpft sie? Wer ist Initiator? Das und viel mehr möchten wir in unserem Quiz von Ihnen wissen!

© Susan Walsh, dpa

© Gian Ehrenzeller/KEYSTONE/dpa

Frage 1/10:

Woher kommt Fridays-for-Future-Gründerin Greta Thunberg?

Zum Einstieg eine zugegeben einfache Frage - Greta Thunberg wurde am 3. Januar 2003 im schwedischen Stockholm geboren.

© Ralf Maro, epd

© Christian Ditsch, epd

Frage 2/10:

Wann fand der erste weltweit organisierte Klimastreik statt?

Ein wenig hat es zwar gedauert, bis die Fridays-for-Future-Bewegung auch international große Wellen schlug - am 15. März 2019 war es dann aber soweit. Fast 1,8 Millionen Menschen nahmen weltweit an den Demonstrationen teil.

© Kirsty Wigglesworth

© NICHOLAS KAMM, AFP

Frage 3/10:

Wie lange dauerte Thunbergs Atlantik-Überquerung mit dem Segelschiff?

Thunberg verzichtet auf Flugreisen, weil auf diesen besonders viele klimaschädliche Treibhausgase ausgestoßen werden. Deshalb entschied sie sich dazu, den Weg über den Atlantik per Hochsee-Segeljacht auf sich zu nehmen. Die Überfahrt dauerte zwei Wochen.

© Christoph Schmidt/dpa

© dpa

Frage 4/10:

FFF wurde gegründet, um das Ziel aus dem Pariser Übereinkommen sicherzustellen. Wie lautet ein Ziel?

Ursprünglich hatten sich die Länder auf zwei Grad geeinigt, es später aber auf Drängen einiger Staaten sogar verschärft.

© ANDREW CABALLERO-REYNOLDS, AFP

© Susan Walsh, dpa

Frage 5/10:

Wann verweigerte Greta Thunberg den Unterrichtsbesuch zum ersten Mal, um zu streiken?

Obwohl die Bewegung durch ihre Freitags-Streiks bekannt geworden war, fand Thunbergs erster Streik tatsächlich an einem Montag statt. Der Grund dafür ist simpel: Es war der erste Schultag nach den Ferien.

© Stefan Hippel, NN

© Christian Mangvia www.imago-images.de, imago images / Christian Mang

Frage 6/10:

Fridays for Future versteht sich als "Graswurzelbewegung". Was bedeutet das?

Der Begriff kommt aus dem angloamerikanischen Sprachraum ("grassroots movement").

© via www.imago-images.de, imago images / Joko

© Daniel Naupold, dpa

Frage 7/10:

Gestreikt wird immer Freitags. Aber wieviele Freitage hat das Jahr 2019 überhaupt?

Das Jahr 2019 hat 52 Freitage. Fun fact: 2019 gab es jeden Wochentag nur 52-mal, außer den Dienstag - den gab es 53-mal. 53 Freitage hatte zuletzt übrigens das Jahr 2016.

© NICHOLAS KAMM, AFP

© Kay Nietfeld, dpa

Frage 8/10:

Welcher deutsche Politiker bezeichnete Klimapolitik als "Sache für Profis"?

"Von Kindern und Jugendlichen kann man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen.", so Lindner, der dafür mächtig Kritik erntete.

© dpa

© Die PARTEI

Frage 9/10:

Die PARTEI warb auf einem Wahlplakat mit "Fridays for Futur 2". Welcher Satz wäre dann korrekt?

Futur 2 ist die vollendete Zukunft, dementsprechend wäre "Die Welt wird untergegangen sein" korrekt.

© Giuseppe Cicciavia www.imago-images.de, imago images / Pacific Press Agency

© Uncredited/Vatican Media/AP/dpa

Frage 10/10:

Was stand auf dem Zettel, den Greta Thunberg bei ihrer Audienz beim Papst hochhielt?

© HANNA FRANZEN/AFP

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Dann hier entlang!

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