Donnerstag, 24.10.2019

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"Klassik und Poesie" reloaded

Stracks Lebenserkenntnisse im musikalischen Rahmen - 10.06.2019 14:54 Uhr

Mit Lesungen des Schauspielers Wilfried Kraus gestaltete das Bläserensemble Paul Schemm den Konzertabend "Poesie und Klassik" zum Abschluss der Festlichkeiten zu Günter Stracks 90. Geburtstag. © Harald Munzinger


Diesem lieh sein Schauspielerkollege und Freund Wilfried Kraus die Stimme für Stracks lebhafte Erzählungen aus seinem Buch "Ein Stück vom Glück" mit der Botschaft, "das Leben positiv zu gestalten". Nicht in Trauer über seinen Tod schon vor über 20 Jahren sollte an den großartigen Menschen, Schauspieler und Bürger Münchsteinachs gedacht werden, sondern in der Freude, ihn bekannt zu haben, stimmte Dr. Erich Zimmermann auf Konzert und Lesung ein. Den zahlreichen Gästen sollte dabei Günter Strack so nahe sein, als säße selbst mitten unter ihnen oder am "Lesepult" und würde sich über die von Paul Schemm mit seinem großartigen Ensemble feinfühlig auf seine Lebensgeschichten abgestimmten Bläserklänge freuen. Etwa wenn zum Kapitel "Für jeden kommt einmal ein Zug vorbei" S. Schneiders "Entrée" intoniert wird.

In seinem Buch mit ebenso philosophischen wie heiteren Betrachtungen spannt Strack den Bogen vom siebenjährigen Jungen bei der Infektion mit dem Theaterfieber bis zum Vertrauen auf den "großen Uhrmacher" mit dem Lebenspendel in Händen im letzten Kapitel. Dass ihm nichts in den Schoß gefallen sei, er aber viel Glück und stets den festen Willen gehabt habe steckt im "Ich will das schaffen". Das Leben als Spiel zu sehen, aus allem das Beste zu machen und die Hoffnung nie aufzugeben, sollte seine – schließlich äußerst erfolgreiche – Devise sein. Wie auch jene von Ehefrau Lore, die – wie sollte es auch anders sein – seine Liebe auf den ersten Blick mit dem Heiratsantrag am zweiten Tag entfachte.

Der "Hochzeitsmarsch" aus Bartholdys "Sommernachtstraum" sollte fulminant die beste Entscheidung unterstreichen, wie es Günter Strack im Buch bekennt, seinem "Lor‘sche" den steten Beistand und Rat im richtigen Moment verdankte. Sie habe ihn immer stark gemacht. Auch als es darum gegangen sei, das Engagement von Hitchcock anzunehmen, mit dem die Karriereleiter steil aufgestellt werden sollte. Dennoch seien Disziplin und Fleiß unerlässlich für den Erfolg des Schauspielers, der sein Handwerk auf der Bühne erlernen sollte, so Strack, der schon viele Kollegen so schnell verschwinden sah, wie sie aufgestiegen waren.

Als Pfarrer Brücken geschlagen

Der Schauspielerei misst er ungeheure Verantwortung bei, da der Zuschauer vielfach nicht Spiel und Leben unterscheiden könne. Viele Menschen neigten dazu, Rollen zu spielen, nur habe nicht jeder die Chance, dies zum Beruf zu machen. Als seine liebste Fernseh-Serienrolle nennt er jene eines Pfarrers, in der "mit Leib und Seele Brücken schlagen" konnte und gar von Papst Johannes Paul II. den apostolischen Segen erfuhr. "You raise me up" wählte dazu Paul Schemm ein Arrangement, der das Kapitel "Handwerk und Disziplin" im zweiten modernen Teil des Konzertes mit "Rise and shine" unterlegte. "Dance with me" fügte sich perfekt zu dem Ehefrau Lore gewidmeten Kapitel, in dem Münchsteinach seine Liebeserklärung als ein Nest erfährt, in dem ein fahrendes Volk an einem festen Ort zuhause sein und die schönsten Wochen des Lebens verbringen kann. Mit dem berührenden "Yesterday" und Stracke Lieblingschoral "Der Mond ist aufgegangen" beschließt das Bläserensemble im professionellen Arrangement das Konzert mit Stracks Vermächtnis "positiv zu denken und zu handeln".

Kerstin Stöcker (vorne 3. v. r.) stellte den Verein "Toy Run" vor, der mit dem Spendenerlös "Träume kranker Kinder" erfüllt. © Harald Munzinger


Wie sollte dies besser umgesetzt werden, als mit der Bitte an die Gäste, ein Konzert auf höchstem Niveau der anspruchsvollen Bläserkunst unter Paul Schemms präziser Führung ohne große Gestik und einen Abend mit vielen gedanklichen Anregungen in festlicher Atmosphäre mit einer Spende zu "honorieren", die "hilft, Träume kranker Kinder zu erfüllen". Kerstin Stöcker (Uehlfeld) vertrat den Verein "Toy Run", der nach dem Motto "Spenden heißt Lebensqualität schenken" die Patienten der Kinder- und Jugendklinik Erlangen und deren Familien unterstützt. Dies geschieht unter anderen mit der Ausstattung der Patienten- und Spielzimmer oder mit der Anschaffung von Spiel- und Kreativmaterialien. Ferner werden Herzenswünsche von schwer erkrankten Kindern und Jugendlichen erfüllt und Familien unterstützt, die durch die Erkrankung ihres Kindes in finanzielle Notlagen geraten. Neu ist ein Projekt "mit Sport und Ernährung gegen Krebs" (Info www.toyrun.de).

Harald J. Munzinger

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