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Samstag, 25.05.2019

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ICE-Anschlag bei Allersberg: Weitere Tatverdächtige in Haft

Der österreichische Innenminister Herbert Kickl spricht von "Terrorzelle" - 28.03.2019 11:45 Uhr

Mehrmals suchten Polizisten nach dem versuchten Anschlag den Streckenabschnitt bei Allersberg ab. © Foto: Daniel Karmann, dpa


Im Oktober vergangenen Jahres hatte ein Unbekannter bei Allersberg ein Drahtseil über die Gleise gespannt. Der Zug befand sich gerade auf dem Weg von Nürnberg nach München. Der Triebwagenführer hörte zwar ein verdächtiges Geräusch, da sonst aber alles einwandfrei funktionierte, setzte er die Fahrt ohne Halt fort. Im Münchner Hauptbahnhof stellte der Mann dann fest, dass der Zug beschädigt worden war, verletzt wurde niemand.  

Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) hatten daraufhin den Gleisabschnitt in Allersberg abgesucht und fanden Holz- und Eisenteile sowie Reste eines Stahlseils. Zudem hatte das LKA schon damals von einem Drohschreiben und einem Grafitti am Fundort berichtet - beides war in arabischer Sprache geschrieben worden. Den genauen Inhalt dieser Botschaften wollten die Beamten aus ermittlungstaktischen Gründen damals allerdings nicht preisgeben, man sprach von "abstrakten Drohungen". Mehrmals suchten Polizisten die Strecke ab. Ende Dezember hatte es in Berlin-Karlshorst dann einen ähnlichen Angriff auf eine ICE-Strecke gegeben.

Ermittler nach Wien gereist

Am Mittwochvormittag teilte das LKA mit, dass die Schriftstücke an den beiden Orten "augenscheinlich große Übereinstimmungen" aufwiesen und beide einen Bezug zur Terrormiliz "Islamischer Staat" hatten. In Karlshorst wurde demnach eine Flagge der Terrororganisation aufgefunden. Die Ermittlungen führten die Beamten schließlich nach Wien, wo nun ein 42 Jahre alter Iraker festgenommen wurde. Laut LKA besteht gegen den Mann konkreter Tatverdacht, er gilt als IS-Sympathisant. Der Mann wird momentan vernommen. Ermittler aus Berlin und Bayern sind zur Unterstützung der österreichischen Beamten nach Wien gereist.

Der 42-Jährige wurde bereits am Montag von Spezialeinheiten in der Nähe seiner Wiener Wohnung festgenommen. Gegen ihn liegen diverse Haftbefehle vor - unter anderem wegen des Verdachts der terroristischen Straftaten, des versuchten Mordes und der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Vom Amtsgericht München liegen demnach außerdem Haftbefehle wegen des Verdachts des versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlichem Eingriff in den Bahnverkehr und versuchter Störung öffentlicher Betriebe vor. 

Erste Angaben zu Motiv gemacht 

Am Mittwoch wurde der 42-Jährige von deutschen und österreichischen Ermittlern in Wien weiter vernommen. Er habe erste Angaben zu seinem Motiv gemacht, sagte Staatsanwältin Nina Bussek. Welche Gründe für die Tat möglicherweise ausschlaggebend gewesen seien, wurde aber nicht mitgeteilt. "Wir sind in umfangreichen Ermittlungen." Als nächstes werde die Staatsanwaltschaft die Untersuchungshaft beantragen, sagte sie.

Der 42-jährige irakische Flüchtling ist nach Angaben der Kronen Zeitung Vater von fünf Kindern und ein Ex-Militär. 

Nach Angaben seines Anwalts habe der Tatverdächtige allein gehandelt. Er behaupte, kein Mitglied einer Terrorzelle zu sein, sagte der Anwalt der Wiener Zeitung Die Presse. Sein Klient habe ihm gesagt, er habe "keine Komplizen gehabt", meinte der Anwalt zur Zeitung. Sein Mandant habe überdies angegeben, ein "politisches Statement" an deutsche Politiker geschrieben zu haben. Allerdings habe ihm der Iraker weder die Adressaten noch den Inhalt der Botschaft erklären können. Laut Presse ist der Iraker 2012 nach Österreich gekommen.

Eine Sprecherin der Sicherheitsfirma, bei der der 42-Jährige eine Zeit lang gearbeitet habe, meinte gegenüber der Presse, dass der Angestellte keinen Zugang zu relevanten Daten gehabt habe. Nach einigen Monaten habe er gekündigt, weil er angeblich etwas besseres gefunden habe.

Zwei weitere Tatverdächtige festgenommen

Im Zusammenhang mit der Verhaftung eines terrorverdächtigen Irakers in Wien sind nach Angaben des österreichischen Innenministers Herbert Kickl (FPÖ) zwei weitere Verdächtige festgenommen worden. "Gerade erst gestern wurden in Prag, in Tschechien, zwei weitere mutmaßliche Terroristen, mit denen dieser Iraker eine gemeinsame Zelle gebildet hat, festgenommen", sagte Kickl am Donnerstag in einer Rede vor dem Parlament. Der 42-jährige Iraker wird verdächtigt, zwei Anschläge auf Bahnstrecken in Bayern und Berlin verübt zu haben. Er will nach bisherigen Aussagen allein gehandelt haben.

Dieser Artikel wurde am Donnerstag um 11.45 Uhr aktualisiert. 


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