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Stellenabbau: Protest und Kooperation bei Schaeffler

Betriebsräte informierten per Flugblatt über den aktuellen Stand - 15.10.2019 12:19 Uhr

Grigore Beutura, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Schaeffler Herzogenaurach, zeigt das verteilte Flugblatt. © Matthias Kronau


In dem Flugblatt informierte die Gewerkschaft über die gemeinsamen Anstrengungen mit den Arbeitgebern, die angekündigten Streichungen von 1300 Stellen deutschlandweit sozial verträglich zu gestalten. Die IG Metall kündigt aber Widerstand an für den Fall, dass ein Jobabbau der reinen Profitmaximierung dient.

Bei Schaeffler Herzogenaurach mit seinen rund 10000 Mitarbeitern wurden die Flugblätter gegen Mittag vor der großen Kantine verteilt, sowie von den Vertrauensleuten in den einzelnen Bereichen.

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Dass die Unternehmensspitze ihr Okay für die Verteilung auf dem Firmengelände gab, „ist auch ein Zeichen für die gute Zusammenarbeit zwischen Arbeitsgeber und Betriebsrat“, betonte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende in Herzogenaurach, Grigore Beutura. Gemeinsam mit dem Vorstand wolle man nach Lösungen suchen. „Oberstes Ziel ist es, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeiden“, so Beutura.


Für sie war die Nacht früh zu Ende: Der Betriebsratsvorsitzende Roland Holler und seine Vertrauensleute Katrin Zeitler und Chryso Riga (von links) verteilen Dienstagfrüh um 5 Uhr Flugblätter am Tor bei Schaeffler in Höchstadt. © Betriebsrat Schaeffler Höchstadt


Dazu gebe es das am 2. Oktober veröffentliche „Freiwilligenprogramm“. Bis Ende März 2020 soll eruiert werden, welche Aufhebungs- und Altersteilzeitverträge auf freiwilliger Basis möglich sind. Beim Stellenabbau solle das Prinzip der doppelten Freiwilligkeit gelten – betroffene Beschäftigte und das Unternehmen müssen einverstanden sein. „Niemand braucht in Panik zu verfallen“, betont Beutura, der davon überzeugt davon ist, dass nicht Managementfehler zu der Situation geführt haben, sondern die schwierige Umbruchsituation für die Zulieferer in der Mobilitätsbranche. „Es gibt Bereiche bei Schaeffler, denen geht es derzeit nicht so gut, aber auch Bereiche, die Personal brauchen.“ Interne Umschulungen sollten angestrebt werden, wo sinnvoll.

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Für den Höchstadter Betriebsratsvorsitzenden Roland Holler war die Nacht kurz. Mit sechs Mitstreitern verteilte er um 5 Uhr morgens rund 750 Flugblätter. Auch zum Schichtwechsel am frühen Nachmittag waren Betriebsräte und Vertrauensleute noch einmal im Einsatz.
„Die Stimmung ist nicht gerade gut“, sagt Holler. Viele der 1700 Mitarbeiter am Standort seien verunsichert — vor allem, weil das Unternehmen noch keine konkreten Zahlen genannt hat, wie sehr die einzelnen Werke betroffen sind. „Das muss jetzt zeitnah geschehen“, meint Holler. Seit fast 40 Jahren arbeitet er für Schaeffler, knapp 39 Jahre davon vertritt er die Interessen der Arbeitnehmer. „Wir haben schon eine Menge Programme mitgemacht“, sagt er. „Höchstadt deckt die Sparte Automotive, Industrie, Forschung und Entwicklung ab - wenn etwas passiert sind wir also fast immer dabei.“
Das Flugblatt war nicht nur Protest, sondern vor allem Information der Mitarbeiter. Insbesondere fordert die IG Metall die Unternehmensführung auf, die Abbau-Pläne zu konkretisieren sowie Alternativen zu prüfen. „Auftragslage, Ertrag und Beschäftigung entwickeln sich bei Schaeffler in der Sparte Industrie aktuell positiv.
Angespannt ist die Situation in der Sparte Automotive“, betonte der bayerische IG-Metall-Bezirksleiter Johann Horn. Und in dem Flugblatt schreibt Horn: <NO1>Betriebsräte und IG Metall tragen viele Maßnahmen mit, um die Transformation in neue Produkte und neue Prozesse konstruktiv zu begleiten.“ Und weiter:„Wir wollen konjunkturelle und strukturelle Veränderungen mitgestalten.“ Es gebe eine Grenzlinie. „Wir leisten aber auch heftig Widerstand, wenn unter dem Deckmantel der Transformation bloße Profitmaximierung und EBIT-Steigerung hervortreten.“

mk/cf/dpa

+++ Der Artikel wurde um 15:47 Uhr aktualisiert +++

Claudia Freilinger Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach/Höchstadt E-Mail

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