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Dienstag, 21.05.2019

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Oberreichenbach: Seeland-Gebäude an Privatinvestor

Langenzenner Unternehmer Florian Kesselring überbietet die Gemeinde Oberreichenbach bei Zwangsversteigerung am Amtsgericht Fürth - 10.01.2019 21:57 Uhr

Das seit Jahren fast leerstehende Seeland-Gebäude bleibt der Gemeinde Oberreichenbach erhalten. Ein Privatinvestor hat den mehrteiligen Bau ersteigert und will ihn nach Sanierung und optischer „Aufhübschung“ primär als Lager nutzen. © Matthias Kronau


Seit 2013 stand die ehemalige Weberei, die Anfang der 1950er Jahre gebaut wurde und seit der Insolvenz der Textilfirma Seeland 1981 in verschiedenster Weise genutzt wurde, weitgehend leer. Wie mehrfach berichtet, wollte die Gemeinde Oberreichenbach nun zeitnah eine tragfähige Zukunftslösung herbeiführen, die Wunschplanung sah den Abriss des historischen Industriekomplexes und anschließende Wohnbebauung vor.

Daraus wird nun nichts. Denn der neue Eigentümer Florian Kesselring, der in Langenzenn (Landkreis Fürth) eine Leuchtmittel-Firma betreibt, will das mehrteilige Gebäude in seiner jetzigen Form erhalten und sanieren, um es dann hauptsächlich für Lagerzwecke zu nutzen. Muss er doch sehr zeitnah eine große Lagerhalle räumen und war deshalb händeringend auf der Suche nach einem Platz für das überwiegend aus Glühbirnen bestehende Lagergut. "Mir fällt ein Stein vom Herzen", sagte Kesselring nach der gewonnenen Zwangsversteigerung sichtlich erleichtert.

Für Oberreichenbachs Bürgermeister Klaus Hacker, der zur Auktion am Fürther Amtsgericht von VG-Geschäftsleiterin Nicole Urbanski sowie den Gemeinderäten Bernd Liebezeit (CSU) und Johannes Kress (Freie Wähler) begleitet wurde, war der Ausgang der Zwangsversteigerung dagegen eine große Überraschung. Hatte in der Gemeinde doch niemand den Langenzenner Unternehmer als weiteren Bieter "auf dem Schirm" gehabt.

Der Langenzenner Unternehmer Florian Kesselring hat das Seeland-Gebäude ersteigert und will es nach Sanierung vor allem als Lager nutzen. © Hans von Draminski


Im Vorfeld hatte es schon zwei weitere Versuche gegeben, das Gebäude per Zwangsversteigerung an den Mann zu bringen. Bei der zweiten Auktion im vergangenen Sommer war die Gemeinde Oberreichenbach einzige Bieterin gewesen, das abgegebene Gebot von einer Dreiviertelmillion Euro war aber aus Sicht der Gläubigerbank zu niedrig, weshalb diese den Zuschlag verweigerte.

Bei der dritten Auflage der Zwangsversteigerung fiel diese Rücktrittsklausel weg, der Hammer fiel für Florian Kesselring bei einem Gebotsbetrag von 986 000 Euro. Für die Gemeinde war bei 985 000 Euro "die Schmerzgrenze erreicht", so Bürgermeister Hacker, der das Ergebnis gleichwohl sehr gelassen betrachtet: "Wir haben alles versucht", sagte Hacker nach der Auktion und meinte damit, dass der Gemeinderat vorab eine Obergrenze festgesetzt hatte, bis zu der Hacker bieten durfte. Florian Kesselring, der nach dem offiziellen Teil das Gespräch mit den Oberreichenbacher Gemeindevertretern suchte, machte klar, dass er "bis zu 1 Million Euro" geboten hätte.

Sanierung kostet weniger

Die Sanierung dürfte den Langenzenner deutlich weniger als ein Abbruch kosten. Für einen solchen hatten Klaus Hacker und seine Räte mit rund 1,8 bis 2 Millionen Euro gerechnet. Hintergrund: Das Seeland-Gebäude ist äußerst solide erbaut – mit stahlarmierten Wänden und stabilen, tragfähigen Decken. "Genau das suchte ich für unser Lager", erklärte Kesselring den Oberreichenbachern. Die Schwachstellen seien ihm ebenfalls bekannt, fügte Kesselring hinzu und ließ durchblicken, dass er sich das Gebäude schon einmal im Detail angeschaut hat.

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Das Problem mit dem Brandschutz, wegen dem sogar schon einmal das Landratsamt auf den Plan trat, betreffe zum einen nicht das gesamte Gebäude, zum anderen sei es ebenso mit überschaubarem Aufwand in den Griff zu kriegen wie die undichten Dächer.

Der Sorge, die Lagerhaltung im Seeland-Gebäude könne verstärkten Lkw-Verkehr nach sich ziehen, zog Kesselring ebenfalls gleich den Stachel: Nach derzeitiger Planung soll nur einmal täglich Ware geliefert oder abgeholt werden, die Belastung der umliegenden Wohngebiete behält Kesselring, der in Oberreichenbach seine bis dato dezentrale Lagerhaltung zusammenziehen möchte, also durchaus im Auge.

Die Firma Pololo, die Kinderschuhe aus ökologisch unbedenklichen Materialien produziert, möchte Florian Kesselring als Mieter behalten und möglichst bald weitere Mietparteien in das Seeland-Gebäude holen. Sich und seine Pläne soll Kesselring nun zeitnah im Oberreichenbacher Gemeinderat persönlich vorstellen. 

HANS VON DRAMINSKIUND MATTHIAS KRONAU

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