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Dienstag, 11.08.2020

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"Niederndorfer Südumfahrung eine Planung von gestern"

Die Grünen haben ihren Antrag auf Stopp des Projekts untermauert - 08.07.2020 06:18 Uhr

Bezogen Stellung gegen die Südumfahrungspläne: Von links: Horst Eisenack (BN), Georgios Halkias, Peter Maier, Mark Deavin, Siegbert Steidl (Die Grünen), Veit Götz (Fridays for Future), Retta Müller-Schimmel, Peter Simon (Die Grünen), Carolin Rattmann (Bürgerinitiative Herzo Süd bewahren).

© Foto: Rainer Groh


Um ihren Antrag  – unter anderem mit diesen Zahlen – näher zu erklären und zu stützen, hat die Stadtratsfraktion zusammen mit Vertretern des Bund Naturschutz, der Interessengemeinschaft der Grundbesitzer und Landwirte (IGEL), von Fridays for Future und der Initiative "Herzogenaurach Süd bewahren" zum Ortstermin in die Nähe des Galgenhofs geladen – an die Stelle, wo die geplante Trasse von der Anhöhe in einem 16 Meter tiefen Geländeeinschnitt zur Galgenhofer Straße hinunterführt und mit ihr einen 45 Meter weiten Kreisverkehr bilden soll.

Eine Planung von gestern und komplett unnötig. So Mark Deavin für seine Fraktion. Der Stadtrat hatte auch die eingangs zitierten Zahlen genannt. Und er zitierte in seiner Ansprache auch den heutigen Bürgermeister German Hacker. Dieser habe als Sprecher der SPD-Fraktion im April 2007 gesagt, der Bau einer solchen Umgehungsstraße sei ihrer Folgen für die Umwelt wegen fatal und sollte nicht verfolgt werden. Stattdessen gelte es, den Radverkehr und den ÖPNV zu stärken, insbesondere die Verbindungen nach Fürth.

Dies, sagte Deavin, war damals eigentlich genau der Grünen-Antrag von heute. Hinzu komme das Umdenken, das sich als Folge der Corona-Krise abzeichne: Home Office werde sicherlich breiter ausgebaut werden, was viele Autofahrten zum Arbeitsplatz unnötig mache. Das Radfahren erlebe schon jetzt einen wahren Boom – Deavin äußerte hier ein Lob für den Plan des Rad-Schnellwegs nach Erlangen: Teuer sei er, aber nötiger als die Straße.

Außerdem sei ja die StUB geplant, im Zusammenhang damit an ein Park-and-Ride-System von der Autobahn aus gedacht, in weiterer Zukunft deutete Deavin auch eine Eisenbahn im Aurachtal an, was seinen Fraktionskollegen Peter Simon klarstellen ließ, die Herzogenauracher Grünen sähen eindeutig die StUB als das Schienenverkehrsmittel erster Wahl.

Christian von Reitzenstein, Vertreter der Initiative "Herzogenaurach Süd bewahren", hatte Deavins Stichwort aufgegriffen und gesagt, die Wiederbelebung der Aurachtalbahn koste nur ein Zehntel der StUB.

Es gebe inzwischen jedenfalls viele kleine Gründe, warum die Straße eine überholte Planung sei und die Stadt sich stattdessen Gedanken über die Gestaltung der Mobilität von morgen machen müsse. Auch mit Hilfe eines Verkehrsplaners, den Retta Müller-Schimmel mit einem Konzept zur Entlastung Niederndorf beauftragt sehen möchte.

Auch ganz neue Ideen sollte man im Blick behalten – eine Seilbahn zum Beispiel. Peter Maier sei mit diesem Vorschlag im Stadtrat belächelt worden, inzwischen aber denken Städte wie Berlin und München über ein derartiges Verkehrsmittel nach.

Leidenschaftlich plädierte Horst Eisenack vom Bund Naturschutz gegen die Südumgehung. Ganz zu schweigen von dem riesigen Frevel an der Natur, den sie bringe, sei sie gar keine Umfahrung. Vielmehr bringe sie Autoverkehr direkt ins Zentrum Herzogenaurachs. Ein Zubringer, für den Landschaft geopfert und alle landwirtschaftlichen Wege gekappt würden.

Grundbesitzer-Sprecher Robert Erhardt hat in seiner Erklärung an die kleinere Lösung der Ortsumfahrung von Neuses erinnert. Diese habe der Freistaat schon im dringlichen Bedarf gehabt und sie hätte den neuralgischen Punkt in Niederndorf, die "Vacher Kreuzung", genauso entlastet wie die Südumfahrung – auf Staatskosten.

RAINER GROH

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