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Sonntag, 26.05.2019

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Lonnerstadt: Naturfreunde ziehen einen Schlussstrich

Nach 70 Jahren geht es nicht mehr weiter: Für Vorstandsämter fanden sich keine Nachfolger - 12.03.2019 12:00 Uhr

Für Wanderer sind das Hüttchen und die Sitzgruppe nördlich von Lonnerstadt beliebte Ziele zum Verweilen. Der Bau war die letzte große Aktion der Naturfreunde. © Foto: Panzer


"Ich persönlich bin sehr traurig. Aber so isses, muss man sagen", fasste Udo Wilm, der den Antrag auf Auflösung des Vereins gestellt hatte, die Stimmung nüchtern zusammen. Knapp 40 Leute hatten sich im Gasthaus "Zur Sonne" zusammengefunden zur Jahreshauptversammlung, die sich schon im Vorfeld als die möglicherweise letzte angekündigt hatte.

Der wichtigste Punkt der Tagesordnung kam erst ganz zum Schluss: Neuwahlen der Vereinsführung oder Auflösung standen alternativ zur Auswahl.

Udo Wilm war es vorbehalten, die entscheidende Frage nach Bewerbern für den Vorstand zu stellen. "Es gibt keinen, der sich für dieses Amt zur Verfügung stellt", resümierte er nach einem Blick in die Runde. Erich Gittelbauer, der den Naturfreunden seit 2002 vorsteht, hatte bereits in der Hauptversammlung 2018 erklärt, dass heuer für ihn Schluss sein werde, falls sich kein Neuanfang abzeichnen werde.

Personalwunder blieb aus

Ähnlich hielt es Schriftführer Walter Marek, der 33 Jahre führende Positionen im Verein innegehabt hatte. Dass es kommen würde, wie es am Samstag kam, überraschte am Ende niemanden mehr. Lange hatte man sich nach neuem Personal nicht nur in der Führung umgeschaut. Vergebens. Das erhoffte Wunder in letzter Minute blieb aus.

Gittelbauer musste gar nicht weit ausholen, um die Gründe für das Aus zu analysieren: Er tat es schlicht mit der Altersstruktur. 21 der 50 Vereinsmitglieder haben ihren 80. Geburtstag bereits gefeiert, auch die Generation zwischen 71 und 80 ist mit neun Damen und Herren noch stark vertreten.

Mitstreiter, die 30 Jahre oder noch weniger auf dem Buckel haben, sind dagegen nicht verzeichnet. Das heimische Wohnzimmer, Fernsehen, Computer und soziale Medien seien für allzu viele Zeitgenossen wohl die attraktivere Freizeitgestaltung, resümierte Erich Gittelbauer. "Das einzige, was in Lonnerstadt gut läuft, ist der Sportverein", konstatierte der letzte Vorsitzende neidlos.

Viele Aktivitäten

70 Jahre haben die Naturfreunde Nistkästen aufgestellt, gesäubert und gepflegt. Die rund 50 Behausungen für die heimische Vogelwelt haben sie ebenso gestiftet wie die vielen Sitzgarnituren, auf denen man die Gegend rund um Lonnerstadt genießen oder sich im Ort ausruhen kann. Ortseingangsschilder wurden gestaltet, der Brunnen am Marktplatz Jahr für Jahr österlich geschmückt, das "Brünnla" restauriert, Baumschnitte vorgenommen und Gras gemäht.

Zu früheren Zeiten unterhielten seine Leute einen Pflanzgarten, aus dem sich Vereine und die Gemeinde mit Bäumen und Sträuchern bedienen konnten. "Die letzte große Aktion", so Gittelbauer, sei der Pavillon beim Schützenhaus gewesen, der zur 1100-Jahrfeier des einstigen Hopfenbauerndorfes aufgestellt worden sei. Das war 2011. Zuletzt machte das ehrenamtlich errichtete Häuschen mit Sitzgruppe aus unerfreulichem Anlass von sich reden: Mehrmals haben sich dort Vandalen ausgetobt, unter anderem gingen Scheiben zu Bruch.

Dank an alle Helfer

Selbstverständlich kam die Geselligkeit in all den Jahren nicht zu kurz: Es wurde getanzt, Wein genossen, gewandert sowieso, und viele Leute traten bei den Fahrradtouren in die Pedale. "Es war eine schöne Zeit. Wir haben viel erleben dürfen", bilanzierte Erich Gittelbauer und bedankte sich bei allen, die mitgeholfen und mitgemacht haben.

Eine Fest zum Abschluss

Ganz sang- und klanglos soll das Kapitel Naturfreunde Lonnerstadt e. V. nicht geschlossen werden: In der Kasse ist noch ein niedriger vierstelliger Betrag übrig. Mit dem will man eine gebührende Abschiedsveranstaltung bestreiten. An ein Spanferkelessen hat Erich Gittelbauer dabei gedacht. Die Restsumme wollen die Naturfreunde dem Lonnerstadter Kindergarten vermachen. Und noch etwas gibt es zu tun: Gittelbauer und seine Mitstreiter haben noch zehn Sitzbänke, die in diesem Frühjahr aufgestellt werden wollen.

Ganz vorbei soll es aber auch nach der Löschung aus dem Vereinsregister nicht sein: "Wir haben uns im Vorstand Gedanken darüber gemacht, einen Stammtisch aufzumachen", verkündete der letzte Vorsitzende der Lonnerstadter Naturfreunde. 

KARL-HEINZ PANZER

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