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Donnerstag, 20.06.2019

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Kleine Fettbatzen auch in Herzogenauracher Kanälen

Gigantische Verstopfungen wie in Großbritannien hält der Leiter der Kläranlage aber für unmöglich - 11.01.2019 13:00 Uhr

Insgesamt ist er 57 Meter lang und 68 Meter breit: Dieses undatierte Foto, herausgegeben vom Wasserversorgungsunternehmen South West Water zeigt einen Teil eines riesigen Fettbergs, der einen Abwasserkanal von Sidmouth in der südenglischen Grafschaft Devon verstopft. Foto: South West Water/Press Association/dpa


Ein 64 Meter langer Berg aus hart gewordenem Kochfett, Speiseresten, Windeln, Wischlappen und anderem Unrat klemmt in einem britischen Abwasserkanal – kann so etwas auch bei uns passieren?

Oliver Kulhanek: Das halte ich für ziemlich unmöglich. Dafür wird viel zu regelmäßig kontrolliert und gespült. Spätestens einmal im Jahr wird das ganze Kanalsystem durchgeputzt. Große Verstopfungen können also gar nicht erst entstehen. Außerdem sind gewerbliche Einleiter gesetzlich verpflichtet, Fettabscheider zu installieren und nachzuweisen, dass sie auch gewartet werden.

Aber in Großbritannien sind wohl auch die Privathaushalte für das Müllmonster im Kanal verantwortlich. Verhalten sich die Deutschen so viel korrekter, bevor sie ihre Klospülung drücken?

Kulhanek: Also, eigentlich ist jedem klar: In die Toilette gehört nichts außer Ausscheidungen und Klopapier. Leider kippen aber viele einfach Essensreste oder Hygieneartikel hinein und denken sich: Ach, aufs Knöpfla drücken und dann ist das Zeug weg. So einfach ist das natürlich nicht. Auch im rund 200 Kilometer langen Kanalnetz von Herzogenaurach bilden sich — besonders an den 60 Pump- und Sonderbauwerken — hin und wieder kleinere Fettklumpen. Wir merken zum Beispiel, dass um den Martinstag oder an Weihnachten viel und fettig gekocht wird.

Und was passiert, wenn Sie oder ihre Mitarbeiter so einen Klumpen entdecken?

Kulhanek: Wir beauftragen dann eine Fremdfirma, die mit einem Spülwagen anrückt und den Batzen absaugt. Manchmal kommt auch der Hochdruckreiniger per Hand zum Einsatz. Im Spülwagen kann direkt getrennt werden in Kehricht und Fäkalien-Schlamm, der in die Kläranlage transportiert wird. Das ist natürlich ein kostenintensiver Zusatzaufwand, der vermieden werden könnte. Der gigantische Fettberg in Großbritannien ist hart wie Zement, den wird man nur unter enormen Aufwand wieder los. Das kann wochenlang dauern und ist natürlich teuer.

Teuer wird es auch für Hauseigentümer werden, wenn sie ihre Abwasserrohre verstopfen. Trotzdem landen haarsträubende Dinge in den Toiletten. Was ist Ihnen schon begegnet?

Oliver Kulhanek, dem Leiter der Herzogenauracher Kläranlage, ist in den Abwasserkanälen schon so einiges begegnet. Archivfoto: Ulrich Schuster


Kulhanek: Eigentlich alles, was sonst in den Müll gehört. Frei nach dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn werden Dinge in den Abfluss gekippt. Windeln, Hygieneartikel, Verhüterli oder Feuchttücher — die sind ein Riesenproblem. Sogar offene Rasierklingen waren schon dabei. Da geht es nicht mehr nur um den Aufwand und die Kosten bei der Entsorgung — es besteht natürlich auch enorme Verletzungsgefahr.

Und wer Essensreste über die Toilette entsorgt, muss auch mal mit ungebetenen Gästen rechnen. Oder ist das ein Mythos?

Kulhanek: Nein, es stimmt. Ratten finden heraus, wo regelmäßig Nahrung herkommt und warten dort. Sie schauen auch gerne mal genauer in die Leitungen und überwinden auch Stockwerke. Unter Umständen kann es dann sogar passieren, dass mal ein Tier aus der Kloschüssel rausschaut.

  

Claudia Freilinger Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach/Höchstadt E-Mail

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