Sonntag, 20.10.2019

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Hofreiter in Weisendorf: Plädoyer für Öko-Landwirtschaft

Grüner Spitzenpolitiker hält Umdenken in der Agrarpolitik für unerlässlich. - 25.05.2019 07:37 Uhr

Zwischen Europawahlterminen ein Abstecher nach Weisendorf: Der Fraktionssprecher der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, mit Christiane Kolbet und dem Kreisvorsitzenden Manfred Bachmeier. © Foto: Roland Huber


Der Weisendorfer Ortsverband hatte zusammen mit dem Kreisverband Anton Hofreiter für einen Kurzbesuch gewinnen können, nicht zufällig vor dem Bürgerentscheid am Sonntag. Er las Passagen aus seinem Buch "Fleischfabrik Deutschland" und nutzte die kurze anschließende Fragerunde im Gasthof "Goldner Engel" dazu, die Weisendorfer Debatte um die Rindermastställe in einen allgemeinen politischen Zusammenhang zu stellen.

Der globale Kontext sei heutzutage in Fragen der Ernährung immer mitzudenken, so Hofreiter. Aktuell stünde die Menschheit nicht nur vor einer Klimakatastrophe, sondern auch vor einer Katastrophe des Artenaussterbens. Der Welt selbst sei das egal, "aber es geht um die Rettung der menschlichen Lebensgrundlagen."

Ein Mitgrund für die Artenmisere sei die Landwirtschaft im industriellen Maßstab, wobei Hofreiter den einzelnen Landwirt in Schutz nahm. Der müsse oft mitvollziehen, was von außen an ihn herangetragen werde: wirtschaftliche und politische Interesse der großen Akteure, die in vielen außereuropäischen Ländern sogar vor kriminellen Mitteln nicht zurückschreckten.

Was tun?, wurde aus Reihen des Publikums gefragt. Anton Hofreiter betonte, dass eine Antwort auf die Frage, wer Schuld an der Misere habe, sehr komplex sei.

Allerdings leite der grüne Politiker daraus konkrete Vorschläge ab: Der Verbraucher sei nicht an allem Schuld, er könne nicht jedes Produkt hinterfragen. Aber er könne beginnen, und die Politik könnte es ihm einfacher machen, wenn die Transparenz auf dem Lebensmittelmarkt in großem Maßstab verbessert würde. Oder irreführende Werbung verboten werde (etwa hübsche Fachwerkhäuser auf Fleischverpackungen der Massenproduktion). Die Politik müsse die Agrarpolitik bürokratieärmer machen und auf dem Handelssektor aktiver steuern. "Freihandelspolitik ist oft Dumpingpolitik", so Hofreiter.

Exporte schaden auch

Der Fleischverbrauch sinke in Deutschland seit einigen Jahren, dafür gehe mehr in den Export. Solche Exporte könnten, wie mancherorts in Afrika, auch großen Schaden anrichten, weil kleinbäuerliche Strukturen dort zerstört würden. Mögliche Folge: "Diese Bauern flüchten zu uns."

Bei der Komplexität des Themas wurde gefragt, was denn in den nächsten zehn Jahren überhaupt bewegt werden könnte. Das komme, so Anton Hofreiter, auch auf den Wahlbürger an. Als Verbraucher sei er manchmal chancenlos, als Bürger sollte er sich engagieren, als Wähler könne er mehrheitlich die Richtung vorgeben. Sei es beim Bürgerentscheid, sei es bei der Europawahl am Sonntag.

Anton Hofreiter bat die Anwesenden, auf alle Fälle zur Europawahl zu gehen. "Wählen Sie gerne grün, aber wählen Sie vor allem demokratisch." Denn Europa werde von rechts angegriffen.

MATTHIAS KRONAU

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