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Herzogenauracher Schulen sind aktiv beim Klimaschutz

Schulleiter begrüßen Engagement, wollen sich aber am Streik nicht direkt beteiligen - 19.09.2019 06:57 Uhr

Ruft auf zu Aktionen am Freitag: Astrid Holzammer von „Parents for Future“ Herzogenaurach. © Foto: Rainer Groh


Darin wird an die Pädagogen appelliert, den Klimaschutz aktiv zu unterstützen. Insbesondere könne das am morgigen Freitag geschehen. Vorgeschlagen wird ein Sonderprojekttag oder ein Unterrichtsgang zur Demonstration in Erlangen. Zudem könnten die Schulen darauf verzichten, an diesem Tag Prüfungen abzuhalten. Und: "Verzichten Sie auf Strafen für Schüler, die sich für unser aller Zukunft engagieren".

Darüber hinaus sollten die Schulleitungen im Kollegium dafür werben, den Klimaschutz im Unterricht zu thematisieren, "wo immer es der Lehrplan erlaubt". In dem Brief steht aber auch: "Bitte beachten Sie, dass wir die Schüler nicht dazu aufrufen, dem Unterricht unerlaubt fernzubleiben. Wir verstehen es aber sehr gut, warum sich immer mehr Schüler entscheiden, Teil von ,Fridays for Future‘ zu werden."

Über diese Vorschläge für den morgigen Freitag hinaus regen die Initiatoren auch noch eine "kleine Klimaschutzwoche" mit täglichen "Mikro-Aktionen" vom 20. bis 27. September an. So könnte zum Beispiel einmal eine Schweigeminute für die Erde abgehalten, ein grünes Kleidungsstück getragen oder ein Film zum Thema gezeigt werden.

 

Wir haben die Schulleiter der weiterführenden Schulen in Herzogenaurach gefragt, was sie von den Vorschlägen in dem Offenen Brief halten.

Uli Langer, Leiter der Realschule, hat wie alle Schulchefs in diesen Tagen zunächst einmal alle Hände damit zu tun, kurz nach Schuljahresanfang den Schulalltag möglichst schnell reibungslos zu organisieren. Gleichwohl hat er den offenen Brief registriert. Dass es schon am kommenden Freitag zu Prüfungen kommt, sei unrealistisch. Den Fall, dass Realschüler unerlaubt dem Unterricht fernbleiben, habe man bei den Klimastreiks noch nicht gehabt. Und wenn, dann werde man wohl wohlwollend prüfen. "Eine Dauerlösung darf das aber nicht werden."

Interessant findet Langer die Anregungen zu einer kleinen Klimaschutzwoche. "Das schauen wir uns an, aber grundsätzlich machen wir als Schule sowieso solche Dinge." Ganz konkret: In der Realschule wird eine Mountain-Bike-Gruppe gegründet. Grundsätzlich brauche es nachhaltige Konzepte für einen Weg aus der Krise. "Und jeder von uns kann da etwas machen."

Der Leiter des Herzogenauracher Gymnasiums, Norbert Schell, begrüßt grundsätzlich das Engagement für den Klimaschutz. Spürbar sei das aber nicht nur bei "Fridays for Future", sondern auch beim Engagement innerhalb der Schule. "In Zusammenarbeit mit der SMV wird schon sehr viel gemacht", so Schell. Etwa: kein Plastikgeschirr mehr in der Mensa. Die Vorschläge von "Parents For Future" zu "Mikro-Aktionen" seien gut gemeint, gleichwohl sei wichtig, dass pädagogisch nachhaltig gearbeitet werde. Der Erfolg von Klimapolitik werde nicht davon abhängen, ob Schüler in der Schulzeit streiken. "Ich denke, die meisten Schüler wissen das. Bislang wurde immer nach Schulschluss demonstriert." Wer einfach vom Unterricht wegbleibt, müsse seitens der Schulleitung mit einer Strafe rechnen.

"Was ist denn noch das besondere an einem Streik, wenn er keine Konsequenzen hat?" Schell glaubt wie Uli Langer, dass jeder noch sehr viel privat für den Klimaschutz tun kann. Etwa: Schüler könnten auch bei leichtem Regen nach Hause laufen, ohne von den Eltern abgeholt zu werden.

Schon geantwortet auf den Brief von "Parents for Future" Herzogenaurach hat Michael Richter vom Liebfrauenhaus. Der Leiter der Grund- und Mittelschule hält sehr viele der vorgeschlagenen Ideen und Aktionen für überlegenswert. Doch Schnellschüsse seien wenig sinnvoll, eine Schule müsse darauf bedacht sein, bei allen Themen eine langfristige und nachhaltige Behandlung der Inhalte im Unterricht" anzustreben. Doch "der Vorlauf für diese Aktion ist so kurz, dass genau diese nachhaltige Beschäftigung mit dem Thema vorher unmöglich ist.

Und: "Konkret beschäftigen wir uns an unserer Schule damit, wie wir möglichst viele der 17 UNO Ziele für Nachhaltige Entwicklung (eines davon ist ja der Klimaschutz) alters- und fachgerecht sehr bewusst und umfangreich in unseren Schulalltag einbauen können. Zugegeben sind wir Schulen und Lehrer da noch ganz am Anfang einer entsprechenden Routine."

Helmut Nicklas, Schulleiter der Mittelschule Herzogenaurach, hat die Informationen und vor allem die Vorschläge für die "Mikro-Aktionen" an alle Lehrer weitergegeben – durchaus als Anregung, das ein oder andere aufzugreifen. "Wir sind grundsätzlich offen für das Thema Klima- und Umweltschutz", so Nicklas. "Die Lehrer sind sensibilisiert und das Thema taucht ohnehin an mehreren Stellen im Lehrplan auf." Auch den Schulgarten will Nicklas mit einer AG gerne wieder reaktiviert sehen, die Vorbereitungen laufen schon.

Einen Sonderprojekttag oder einen Unterrichtsgang zur Demonstration am heutigen Freitag hält er "auf die Schnelle für schwierig". So etwas müsse geplant werden. Um mögliche Prüfungen müssten sich die Schüler so früh zu Schuljahresbeginn aber noch keine Sorgen machen. "Und da der Unterricht heute sowieso um 11.15 Uhr endet, würde ich auch ein Auge zudrücken, wenn manche Schüler meinen, sie müssten etwas früher gehen, um an der Demonstration teilzunehmen."

Martin Wirsching, Leiter des Staatlichen Berufsbildungszentrums, bezeichnet das jugendliche Eintreten für den Klimaschutz als "prinzipiell sehr gut und ermutigend". Es gebe aber, weil die Information sehr kurzfristig eingegangen sei, noch keine Absprache im Kollegium. Er könne sich aber gut vorstellen, dass einzelne Klassen des Berufsschulzentrums an der Aktion in Erlangen teilnehmen.

jes/mk/rg

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