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Herzogenaurach: Spannendes um Viehtriebsrechte

Staatsarchiv hat alte Gemeindedokumente aus Haundorf zurückgegeben. Ein Schatz für die Stadtarchivare. - 20.06.2019 07:00 Uhr

German Hacker mit der Jahresrechnung von 1709. Haundorf machte damals einen Überschuss. Links Johannes Haslauer, rechts Irene Lederer und Christian Hoyer.


Es ging um Viehtriebs- und Holzrechte. Und die obersten Richter des Landesherrn, des Bamberger Fürstbischofs, befanden, die Haundorfer hätten jene Rechte seit Menschengedenken schon gehabt und genutzt, die Niederndorfer hingegen keinen einzigen Beweis eines Anrechts bringen können.

Nun ist die Stadt Rechtsnachfolgerin beider ehemals selbstständiger Gemeinden. Hacker, die Leiterin des Stadtarchivs, Irene Lederer, und ihr Stellvertreter Christian Hoyer nahmen am Dienstagnachmittag mit ausschließlich historischem, aber großem Interesse auf, was Archiv-Oberrat Johannes Haslauer vorlas aus dem Urteil. Und Irene Lederer konstatierte, Haslauer habe "einen Schatz" aus Bamberg mitgebracht. Auch wenn das über 300 Jahre alte Pergament Teil eines Konvoluts loser, ungeordneter Akten ist, der noch aufgearbeitet werden muss.

Der Stoß Akten ist nur der kleinste Teil des Gemeindearchivs von Haundorf. Wie bereits berichtet, hatte es seit 1914 in Bamberg gelegen und wurde jetzt der Eigentümerin, der Stadt Herzogenaurach, zurückgegeben. Die Unterlagen vervollständigen das Archivmaterial aus dem heutigen Stadtteil. Und Haundorf, so Lederer, habe von allen heutigen Herzogenauracher Ortsteilen die älteste Überlieferung.

Johannes Haslauer konnte aus dem Kenntnisstand der Archivare im Staatsarchiv, das in einem neobarocken Bau an der Bamberger Hainstraße untergebracht ist, erzählen, dass die Haundorfer 1914 ihre Gemeinderechnungen – es handelt sich um die vollständigen Gemeindehaushalte von 1709 bis 1800 – damals den Beamten des "königlichen Kreisarchivs" mehr oder weniger vor die Füße geworfen haben. Halauer drückte es nicht so drastisch aus, sagte aber, die Akten seien ohne Begleitschreiben in Bamberg eingetroffen, nachdem die königlich bayerischen Visitatoren befunden hatten, die Aktenführung in Haundorf bedürfe da und dort der Verbesserung.

Nach dem Ende des Hochstifts Bamberg im Zug der Säkularisation waren alle Haundorfer, vorher teils Bamberger, teils Nürnberger Untertanen Bürger des Königreichs Bayern geworden. Und das königliche Archiv hatte die Aufgabe, den Gemeinden beratend und unterstützend in derlei Dingen zur Hand zu gehen. Davon, sagte Johannes Haslauer, mögen sich die Haundorfer vielleicht etwas bevormundet gefühlt haben. Aber, so Haslauer, derlei Übergaben in die Obhut des Königreichs waren durchaus nicht selten in jener Zeit. Sie erfolgten aber immer unter Eigentumsvorbehalt, sprich, Haundorf blieb Eigentümerin seiner Gemeinderechnungen.

Jetzt, 104 Jahre nach der formlosen Übergabe, hat das Staatsarchiv den kleinen Karton mit der Aufschrift "Gemeinderechnungen Haundorf" bei einer turnusmäßigen Bestandsaufnahme ans Licht geholt und mit der Eigentümerin Kontakt aufgenommen. Irene Lederer meldete für die Stadt, die Akten gerne zurückzunehmen, was sie am Dienstag auch mit der Unterschrift unter das Übergabe-Protokoll vollzogen hat.

Die wertvollen Papiere, alle handbeschrieben und mit farbig verzierten Deckblättern, kommen in gute Hände. Dieses Kompliment machte Haslauer dem Stadtarchiv. Die Bamberger prüften nämlich vor solchen Rückgaben stets, ob die Voraussetzungen dafür, nämlich ein sachgerecht arbeitendes Archiv, gegeben sind. Davon seien sie sehr schnell überzeugt gewesen. 

RAINER GROH

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