Donnerstag, 19.09.2019

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Hauswirtschaft im Schulunterricht - eine Forderung

Der Höchstadter Mike Gibson kämpft dafür, dass Hauswirtschaft "verfassungskonform" unterrichtet wird. - 17.08.2019 07:00 Uhr

Mike Gibson mit seinen Enkelnkindern


Der Höchstadter hat vor zwölf Jahren das Freiwillige Soziale Schuljahr (FSSJ) in Höchstadt initiiert, bei dem Jugendliche außerschulische Kompetenzen erwerben. In diesem Zuge ist er auf einen Paragrafen in der Bayerischen Verfassung gestoßen, der ihn seither beschäftigt.

§ 131 wird in Absatz 4 konkret: "Die Mädchen und Buben sind außerdem in der Säuglingspflege, Kindererziehung und Hauswirtschaft besonders zu unterweisen." Jetzt fragt sich Gibson, warum es einen solchen Unterricht nicht an allen Schulen gibt.

Diese Vorgabe der Verfassung werde im Unterricht nicht so umgesetzt, dass es alle Mädchen und Buben erreicht, findet der Höchstadter.

Zwar würden diese Themen in der Tiefe in einschlägigen Ausbildungszweigen wie Gastronomie oder den Erziehungsberufen abgehandelt. "Aber wenn das Kultusministerium meint, dass diese Themen nicht für alle Schüler notwendig oder nicht mehr zeitgemäß seien, dann wäre eine Verfassungsänderung nötig".

Davon ist Gibson überzeugt und deshalb hat er viele Briefe geschrieben und viele Gespräche geführt.

Unter anderem hat er sich September 2017 an die Kinderkommission des Bayerischen Landtags gewandt, mit der Bitte, diese Sache mit dem Bildungsministerium zu klären. Auch den Bayerischen Elternverband hat er versucht, für seine Sache zu gewinnen. Auf großes Interesse ist er nicht gestoßen.

"Ich habe in Höchstadt mit den Schulleiterinnen und Schulleitern der Grund-, Mittel- und Realschule sowie des Gymnasiums jeweils in Vier-Augen-Gesprächen diskutiert", berichtet der fünffache Großvater weiter von seinem Engagement. Sie hätten ganz unterschiedliche Meinungen vertreten.

"Die zwei Leiterinnen sind eher geneigt zu meinen, dass dieser Artikel doch adäquat behandelt wurde – die zwei männlichen Schuldirektoren waren skeptisch." Im September 2018 hatte Gibson die Gelegenheit, dem damaligen bayerischen Staatsminister für Unterricht und Kultus, Bernd Sibler, sein Anliegen schriftlich mitzuteilen und den Brief persönlich zu überreichen.

Die Antwort verfasste ein Mitarbeiter Siblers. In Bezug auf die Säuglingspflege räumte er in seinem Schreiben ein: "Diese Elemente sind tatsächlich nicht Teil der bayerischen Lehrpläne, auch weil die Zielgruppe als zu jung empfunden wird."

Gibson ärgert sich aber, "dass viele Jugendliche in Bayern keine Ahnung von Hauswirtschaft haben, wenn sie ihren Schulabschluss haben.

Ministerpräsident Markus Söder hat im Frühjahr diese Jahres angekündigt, dass er sich ein neues Schulfach wünscht. Es soll "Alltagskompetenz und Lebensökonomie" heißen.

Gibson findet, "dass es angebracht wäre, mindestens die Hauswirtschaft wieder in den Unterricht zu integrieren" und könnte sich vorstellen, dass sie in diesem neuen Fach aufgeht.

Die Abschaffung des Fachs Hauswirtschaft hält er für illegal. Denn: "Ohne Zustimmung des Parlaments ist ein Teil der Verfassung außer Kraft gesetzt." 

CLAUDIA FREILINGER

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