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Flüchtlings-Helferkreise haben neue Schwerpunkte

Sprecher Konrad Eitel sieht Integration durch Arbeit als wichtigste Aufgabe - 07.02.2019 17:29 Uhr

Was bringt die Post? Einen Brief aus der Heimat, ein behördliches Schreiben? Die Menschen in den Flüchtlingsunterkünften (wie hier in Herzogenaurach) müssen oft lange tatenlos in ihren kleinen Wohnungen ausharren. Sie schnell in Arbeit zu bringen, ist eines der Integrationsziele der Helferkreise. © Foto: Kronau


"In der ersten Zeit ging es natürlich um die Soforthilfe", erinnert sich Konrad Eitel, neben Petra Kleineisel (Wachenroth) und Stefan Keßler (Heroldsberg) einer der drei Sprecher von FiERH, dem Zusammenschluss von 20 Flüchtlingsinitiativen im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Zunächst einmal waren natürlich Behörden zuständig, "aber die Ehrenamtlichen haben sich um vieles gekümmert, was sofort wichtig war". Das waren zum Beispiel Arztbesuche, Sprachkurse, Kleidung, das erste Zurechtfinden in der deutschen Bürokratie.

Mittlerweile ist die Zahl der Flüchtlinge stark zurückgegangen. Das ist auch dem aktuellen Vorbericht des Landratsamtes zum Kreishaushalt zu entnehmen. Dort heißt es: "Im Bereich des Asylbewerberleistungsgesetzes sinkt der Aufwand gegenüber dem Vorjahr um 1,941 Millionen Euro auf 4,566 Millionen Euro. Grund dafür ist der weitere Rückgang der Neuzuweisungen von Asylbewerberinnen/Asylbewerbern durch die Regierung von Mittelfranken." Von riesigen Notunterkünften wie im alten Praktiker oder in der Berufsschule (beide in Herzogenaurach) ist momentan nicht die Rede.

Die aktuellen Zahlen: In dezentralen Unterkünften im Landkreis wohnen rund 380 Personen, in den Gemeinschaftsunterkünften (Höchstadt und Eckental) knapp 200. In angemieteten Wohnungen hat der Landkreis rund 50 Flüchtlinge untergebracht.

Ein kleiner Teil, erklärt Konrad Eitel, sind sogenannte Fehlbeleger, also Menschen, die ein Bleiberecht haben und daher eigentlich aus der Unterkunft ausziehen müssten. "Aber oft keine Wohnung finden", so Eitel. Einige sind mit der bescheidenen Unterkunft aber auch zufrieden und wollen es auf dem überteuerten Wohnungsmarkt gar nicht erst versuchen.

Spielräume ausnutzen

Ein wichtiger Teil der Bemühungen der Flüchtlingshelfer ist die Identifikationsfindung. Grund: Es gibt immer wieder Fälle, wo bestimmte Urkunden oder Nachweise aus dem Ursprungsland fehlen, die die deutschen Behörden aber verlangen. Konrad Eitel kennt Beispiele, wo fehlende Pässe oder sonstige Urkunden die Aufnahme einer geregelten Arbeit verhindert haben. Das sei umso ärgerlicher, weil zuvor bei den gleichen Personen aber Bildungs- und Schulmaßnahmen, Kontoführung oder Führerschein kein Problem gewesen seien. "Das versteht man eigentlich nicht, wieso es dann bei der Arbeitssuche plötzlich so wichtig ist, auch noch die letzte Urkunde aus dem Ursprungsland herbeizuschaffen." Eitel würde sich da wünschen, dass die Behörden ihren Ermessensspielraum großzügiger interpretieren würden. "Es ist auf alle Fälle besser, die Menschen haben Arbeit, als dass sie in ihren Unterkünften nur rumsitzen."

Konrad Eitel, der auch SPD-Kreisrat ist, hatte in einem Antrag an den Sozialausschuss vom November 2018 formuliert: "Die Verweigerung von Arbeit grenzt Menschen aus einem normalen Leben aus, hindert Integration und kostet erhebliche Steuermittel." Mit dem Antrag wollte Eitel erreichen, dass sich das Landratsamt aktiv um die Schaffung von HzA-Maßnahmen (Hilfe zur Arbeit) bei öffentlichen und gemeinnützigen Trägern bemüht.

Einige Hoffnung setzt Konrad Eitel auf den "Integrationslotsen". Diese neue Stelle im Landratsamt wird mit finanzieller Förderung des Freistaats vermutlich noch in diesem Jahr besetzt, es wird eine interne Ausschreibung geben. Der Integrationslotse oder -lotsin soll unter anderem den ehrenamtlichen Helfern mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Fast alle Landkreise und kreisfreien Städte haben mittlerweile einen solchen Integrationsbeauftragen, was der bayerische Innenminister Joachim Herrmann als "Riesenerfolg für die Integration in Bayern" bezeichnet hat. Bürokratische Hemmnisse weiter abzubauen und Spielräume zu erweitern, könnte ein Beitrag zur Schonung der Nerven von vielen der rund 250 ehrenamtlichen Mitarbeitern sein, die sich im Landkreis regelmäßig in Helferkreisen engagieren. Die Zahl ist allerdings nur eine Schätzung. Eitel: "Manches bekommen wir gar nicht mit, wenn sich jemand speziell für einen Flüchtling oder eine Familie engagiert, das aber selbstständig ohne Kontakt zu den Helferkreisen macht." 

Matthias Kronau Redaktion Herzogenaurach E-Mail

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