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Die Wahl der Milchviehhalter: Wachsen oder weichen

Landwirte müssen investieren, um zu überleben — Kosten steigen immer weiter - 17.01.2019 11:35 Uhr

Moderne Zeiten in Fetzelhofen: Ein Roboter schiebt im neuen Laufstall den Kühen das Futter zu. Der Apparat funktioniert im Prinzip wie ein automatischer Rasenmäher, informierte Junglandwirt Daniel Blankenbühler (r.). © Foto: André de Geare


"Von 20 Milchkühen kann heute keiner mehr leben", weiß Kreisbäuerin Evi Derrer. Aus diesem Grund hat Hans Blankenbühler bereits 2004 auf Laufstallhaltung für 35 Kühe umgestellt. Und als Sohn Daniel 2015 mit der landwirtschaftlichen Ausbildung fertig war, haben sie sich entschlossen, außerhalb von Fetzelhofen einen modernen Laufstall für 110 Milchkühe zu bauen.

Für 1,2 Millionen Euro wurde der neue Stall mit zwei Melkrobotern, einem Futterschiebroboter, mit Fahrsilos und Güllebecken gebaut. 2018 bezogen 55 Kühe ihr neues Domizil, inzwischen sind es 80 Tiere, und dieses Jahr sollen es 100 Milchkühe werden, schildert Daniel Blankenbühler (29 Jahre). "Pro Kuh stehen über zehn Quadratmeter zur Verfügung, das ist die Premiumversion", sagt Vater Hans stolz.

Die Kühe haben hier einen extra Bereich zum Kalben. Weil die Tiere mehr Bewegung haben, seien die Geburten leichter. "90 Prozent kalben selbst", erklärt Daniel Blankenbühler. Die Kühe laufen frei im Stall herum, sie haben Zugang zum Melkroboter, können fressen, wann sie wollen, können sich bürsten lassen, wenn es sie juckt, und können jederzeit nach draußen gehen. "Kühe lieben das Außenklima", sagt Hans Blankenbühler. Ihre Wohlfühltemperatur liegt zwischen null und zehn Grad, und sie genießen Regen.

Ein Responder am Bein der Kuh zeigt dem Melkroboter an, welche Kuh gerade gemolken wird. So werden dann Daten über die Milchleistung, wann und wie oft sie im Melkstand ist und beispielsweise über die Eutergesundheit gesammelt. Jede Kuh hat ein bestimmtes Melkanrecht: Gibt sie pro Tag 32 Liter Milch, darf sie alle sechs Stunden in den Melkroboter, wo es als Lockmittel feines Kraftfutter gibt. Und stellt der Melkroboter eine Unregelmäßigkeit oder eine Störung fest, dann alarmiert er Daniel Blankenbühler per App auf dem Smartphone. "All das verschafft mir mehr Zeit", sagt der junge Landwirt. Dennoch müsse er jeden Tag in den Stall. "Irgendetwas ist immer zu tun." Normalerweise arbeitet er von 6 Uhr morgens bis etwa 18.30 Uhr, im Sommer länger.

Für Familie Blankenbühler steht fest: Der neue Stall ist für die Kühe viel angenehmer als die früheren Anbindeställe. Hier hat Evi Derrer ein paar Zahlen parat: Zurzeit gibt es 88 Milchviehbetriebe mit 4345 Kühen im Landkreis Erlangen-Höchstadt, darunter sind 28 Anbindebetriebe mit 652 Kühen. Das sei aber ein Auslaufmodell, stellt Derrer fest.

BBV-Ortsobmann Werner Haberkamm fügt an: "Wachsen oder weichen", das sei das Motto in der Landwirtschaft. Seine Eltern hätten 1999 ihren Betrieb mit 25 Milchkühen in Fetzelhofen eingestellt und sich fortan auf Meerrettich konzentriert, die benachbarte Familie Blankenbühler habe dagegen in den Milchviehbetrieb investiert.

Doch auch das sei nicht so einfach, lässt Junglandwirt Daniel wissen. Aktuell kämpfe man mit steigenden Bau-, Energie- und Maschinenkosten. Um Kosten zu sparen, "machen wir viel selbst". Außerdem würden die Auflagen für die landwirtschaftlichen Betriebe immer mehr. "Beim Silobau hast du Auflagen wie eine Tankstelle."

Einigermaßen zufrieden zeigen sich die Landwirte mit dem aktuellen Milchpreis von 36 Cent pro Liter Milch. "Natürlich könnte es mehr sein, reich wird man damit nicht", findet Hans Blankenbühler. Doch sein Sohn lenkt ein: "Da kann man schon mit arbeiten." Schön wäre es, wenn die Konsumenten darauf achten würden, Produkte aus der Region zu kaufen – wie zum Beispiel "Grünländer Käse der Privatmolkerei Becher, der wird nämlich aus unserer Milch gemacht".  

MARIA DÄUMLER

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