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Christa Spitzer: Das Turnerheim als zweites Wohnzimmer

Die Sportlerin ist für viele die "Mutter" der Turnerschaft Herzogenaurach, will aber nun etwas kürzertreten - 16.04.2019 16:40 Uhr

Früh den Trend erkannt: Schon 2003 organisierte Christa Spitzer einen „Walking Day“ bei der TSH und zeigte, dass man mit Stöcken auch Gymnastik machen kann.


Nun machte die 1946 in Herzogenaurach geborene Spitzer einen ersten "Break", indem sie in der Jahreshauptversammlung nicht mehr für den Hauptvorstand kandidierte, dem sie zuvor 18 Jahre angehört hatte. In all diesen Jahren war sie in zahlreichen Funktionen bei der TS Herzogenaurach aktiv und hielt nun den Zeitpunkt für richtig, die Verantwortung an Jüngere abzutreten. "Es ist natürlich besonders schwierig, diesen Schnitt nach dem völlig überraschenden Tod unseres Vorstandskollegen Roland Lessig zu machen."

Andererseits sei es aber gelungen, relativ rasch ein neues Team im Verein zu gewinnen, daher habe sie an ihrem schon kommunizierten Rückzug festgehalten. Allerdings lässt Christa Spitzer sofort durchblicken, dass sie auch zukünftig "nicht aus der Welt ist", und dies nicht allein deswegen, weil sie weiterhin Chefin der Turnabteilung bleibt.

Schon als Jugendliche galt ihre sportliche Liebe dem Turnen in der TSH, es waren "meine schönsten Kinderjahre in einer wunderbaren Atmosphäre". Hier fühlten sich die jungen Leute immer gut aufgehoben und hier wurde auch der soziale Umgang nachhaltig gepflegt, erzählt sie.

Parallel machte sie eine erfolgreiche Ausbildung zur Apotheken-Assistentin und blieb dieser Tätigkeit in derselben Apotheke 16 Jahre lang treu. Als dann aber der eigene Nachwuchs – Spitzer hat drei Kinder – zu seinem Recht kommen sollte, beendete sie ihre berufliche Laufbahn.

Dies änderte jedoch nichts an ihrer Begeisterung für die körperliche Ertüchtigung. Über Übungsleiter Karl-Heinz Weikl kam Christa Spitzer zum Trampolin-Turnen. Schon bald gelang ihr ein zweiter Platz bei der bayerischen Meisterschaft.

Wunderbares Vorbild

Schnell entdeckte sie nicht nur den Spaß an der eigenen Bewegung, sondern entwickelte eine Freude daran, andere für den Sport zu begeistern und dann auch auszubilden. Ganz unter dem Eindruck des Bezirksturnfestes 1977 in Herzogenaurach baute sie gemeinsam mit Christa Haberzettl eine Leistungsgruppe Turnen auf und übernahm einige Zeit später das Amt der Abteilungsleiterin. Ihr Wirken fand im Verein so viel Zustimmung, dass man ihr 2001 die Zuständigkeit für "Jugend, Kultur und Soziales" im Vorstand des Gesamtvereins übertrug. "Ich konnte hautnah miterleben, wie großartig sich Adam Hildel für die TSH einsetzte, ein wunderbares Vorbild auch für mich."

Bei jedem Wetter

2003 kam dann eine Disziplin hinzu, für die sie sich fortan besonders engagierte – "Nordic Walking". Rasch gelang es ihr auch hier, Menschen zu mobilisieren, und bis heute trifft sie sich mit 15 bis 20 Aktiven zwischen 60 und 85 Jahren jeden Dienstag- und Donnerstagmorgen ab 8.15 Uhr bei der Turnerschaft, um je nach individueller Verfassung der Beteiligten Strecken durch den Thonwald mit den Stöcken zu "durchwalken" – egal wie das Wetter ist. "Der eine oder andere ist schon von Beginn an dabei, kein Wunder, denn wir haben immer viel Spaß miteinander", so Spitzer, die bereits selber bei diversen Nordic-Walking-Wettkämpfen in der Region aktiv war. Ihre vielseitige Einsetzbarkeit belegt auch die Tatsache, dass sie jeden Montagabend ab 18 Uhr zwölf bis 15 Mitarbeiter der Firmen adidas und Schaeffler mittels Nordic Walking zur aktiven Erholung anleitet.

Ist Christa Spitzer nicht ein geeignetes Aushängeschild dafür, dem Begriff "Sportstadt Herzogenaurach" seine Berechtigung zu verleihen? Christa Spitzer sagt spontan, dass man dieses Motto höchstens von den hiesigen Sportartikel-Giganten ableiten könne, ansonsten aber bestehe keinerlei Vorteil gegenüber den anderen Vereinen in Bayern.

Sie bedauert die Distanz vor allem der jungen Mitglieder gegenüber dem Gesamtverein: "Sie sind oft in den Abteilungen durchaus engagiert, doch ich wünschte mir hier etwas mehr abteilungsübergreifende Gemeinsamkeit, gerade auf unserer schönen Anlage", so Spitzer, die das Turnerheim als ihr zweites Wohnzimmer bezeichnet.

Natürlich ist ihr Engagement bereits gewürdigt worden. So erhielt sie 2007 die Ehrenurkunde fürs Ehrenamt des Freistaates Bayern, 2011 die Goldene Verdienstnadel mit Kranz für hervorragende Dienste, 2013 die Auszeichnung der Stadt für besondere Verdienste im Ehrenamt und 2017 die Goldene Ehrenkarte des Landkreises Erlangen-Höchstadt. 2012 wurde sie Ehrenmitglied der TS Herzogenaurach.

Wie bereits erwähnt, wird Spitzer auch zukünftig vor Ort in "Action" bleiben, nur eben etwas entspannter als die vielen Jahre zuvor. Dass sie im April 2018 eine neue Hüfte bekam und im Juni schon wieder beim Nordic Walking im Wald angetroffen wurde, lässt erkennen: Christa Spitzer "hat noch lange nicht fertig".

 

VOLKER SCHNELLER

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