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Bürgerversammlung Röttenbach: ÖPNV zu teuer

Bürgermeister Ludwig Wahl äußert sich zu Nahverkehr und Bauland - 02.06.2019 08:00 Uhr

Symbolbild Stadtbus. © Nicolas Damm


Der Bürgermeister gab zu erkennen, dass er nicht viel davon hält. "Damit würden wir stark in die Eigentumsrechte eingreifen", warnte Ludwig Wahl. Hubert Amon und Alfons Zimmermann hatten – wie andere auch – von der Möglichkeit Gebrauch gemacht, ihr Anliegen schon im Vorfeld der Zusammenkunft einzureichen. Die beiden Verfasser verwiesen auf neu ausgewiesene Baugebiete, wo die Käufer innerhalb einer Frist mit dem Bauen beginnen müssen.

Wahl setzte sich nicht nur am Mittwochabend mit dem Thema auseinander. Bereits im Vorfeld hatte er sich unter anderem beim Bayerischen Gemeindetag schlaugemacht. Der kommunale Spitzenverband bewerte dieses Instrument, das bis hin zur Enteignung führen könnte, als nicht sonderlich effektiv, so Wahl.

Trotzdem ist es für den Rathauschef "ein Schwert, das überaus scharf ist". Zu scharf nach seinem Geschmack. Und nicht notwendig für Röttenbach mit seinen 4800 Einwohnern. In den zurückliegenden zehn Jahren seien – ohne Zwang – 72 Grundstücke im Dorf nachverdichtet worden. "Eine ganz ordentliche Zahl", wie Wahl findet.

"Ist es denn so schlimm?"

Und auch beim Leerstand erkennt er keinen Grund für eine harte Gangart. Aktuell seien 27 Häuser unbewohnt. In vielen davon werde gerade umgebaut oder saniert. Zwangsmaßnahmen könnten zur "Gefahr fürs nachbarliche Miteinander" werden, glaubt der Politiker, der bei den Freien Wählern im Kreistag sitzt. Er stellte die Frage in den Raum: "Ist es denn so schlimm, wenn eine Familie für ihr Kind einen Bauplatz freihält?" Oder wenn momentan einfach das Geld für Investitionen fehlt?

Anders sei das freilich zu sehen, wenn großflächige Areale von Spekulanten gehalten würden. Das aber sieht Wahl in Röttenbach nicht. Das Thema werde gleichwohl im Gemeinderat besprochen, kündigte Wahl an.

In einer anderen Einlassung wurde die Erschließung des Gewerbegebietes "Süd im Sand II" kritisch hinterfragt. Mit einem Anteil von 18 Prozent an den Einnahmen spiele die Gewerbesteuer keine allzu große Rolle, hieß es weiter. Der Rathauschef hingegen sieht es als kommunale Aufgabe, den Gewerbetreibenden Möglichkeiten zur Entwicklung zu verschaffen. Von den 23 vorliegenden Bewerbungen um Platz im Erschließungsgebiet kommen laut Wahl 17 von einheimischen Handwerkern und Firmen. Geradezu verantwortungslos wäre es seiner Ansicht nach, hier groß gewordene Unternehmer wie etwa SEAL Systems wegen fehlender Erweiterungsflächen ziehen zu lassen. Die Softwareschmiede entwickelt dem Bürgermeister zufolge gerade einen "vorbildlichen ökologischen Komplex" auf dem Gelände.

Gedanken macht man sich in Röttenbach auch über Grünflächen und Artenvielfalt in der Pflanzen- und Tierwelt. Zum Beispiel bei der Anlage von Grünstreifen oder der Gestaltung von Parkplätzen. "Wir sind bei 8000 Quadratmetern öffentlicher Blühflächen angelangt", ließ Wahl wissen. Für Anregungen sei man bei der Gemeinde offen, fuhr er fort und verwies unter anderem auf die Unterstützung von Patenschaften für Blühflächen. Das alles verband er mit dem Aufruf, in Eigeninitiative zu gehen.

Spiegel vorhalten

Nach ausführlichen Berichten zu Finanzen, Haushalt, Investitionen, sozialen Einrichtungen und öffentlichen Bauvorhaben kam der Röttenbacher Bürgermeister auf die viel beklagte Verkehrsdichte im Ort zu sprechen. Ja, dass in Nachbargemeinden viel neuer Wohnraum geschaffen worden sei, habe er auch registriert, stieg er in das Thema ein. Aber darin allein sieht Wahl das Problem nicht. "Wir müssen uns selbst den Spiegel vorhalten", und führte an, dass die Anzahl privater Pkw im Ort trotz stabiler Einwohnerzahlen seit Jahren ansteige.

"Mit dem Verkehr wird es so nicht weitergehen können", folgerte Wahl und ließ ein Plädoyer für den öffentlichen Nahverkehr folgen. Die Buslinie 205, die den Ort an Erlangen anbindet, sei eng getaktet und der Komfort habe sich verbessert, erkannte er an. Meckern könne man vielleicht über die Haltestellen, wo Wahl noch Luft nach oben sieht. Nach unten müsste es hingegen mit den Fahrpreisen gehen. Ein Ticket nach Erlangen koste 3,80 Euro, also eindeutig zu viel. Wenn das Geld in bezahlbare Fahrpreise investiert werde, könne man auch eine höhere Kreisumlage in Kauf nehmen, meint Ludwig Wahl.

Bürgerbefragung kommt

Demnächst werde in der Gemeinde eine Bürgerbefragung zum Nahverkehr durchgeführt, kündigte er an. Einen Appell richtete Wahl an die Eltern der Grundschüler: "Begleiten Sie ihr Kind zu Fuß zur Schule!" Bevor morgens der erst Gong ertönt, stauten sich die Autos und der Abgaspegel in der Schulstraße steige merklich an, hat der Röttenbacher Bürgermeister festgestellt. 

Karl-Heinz Panzer

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