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Besondere Kunstwerke schmücken Hannberg

Michael P. Weingärnter hat religiöse Mosaike und Gemälde geschaffen - 22.06.2020 06:57 Uhr

Fällt ins Auge: Das Christophorus-Mosaik Weingärtners. Es steht an der Röhracher Straße neben der Einmündung der Raiffeisenstraße.

© Foto: Ralf Rödel


Die Anlage aus der frühen Neuzeit hat auch eine Besonderheit, die nicht schon von Weitem ins Auge fällt und die überraschenderweise auch in der Literatur kaum erwähnt ist. Auch Thomas Willert, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats und sehr an der Geschichte der Kirchenburg interessiert, war überrascht, wie wenige Unterlagen er auf unsere Anfrage hin über einige besondere Kunstwerke im Kirchenumgriff gefunden hat. Obwohl ihre Anfänge sich heuer zum 50. Mal jähren.

Das letzte Werk Weingärtners in Hannberg: die Maria mit dem Kind im Nordost-Turm.

© Foto: Ralf Rödel


Damals holte Hannbergs Pfarrer Fritz Fröhlich, der heute hochbetagt in seiner Heimatstadt Herzogenaurach lebt, einen Bekannten in den Seebachgrund: Michael P. Weingärtner aus Pfaffenhofen an der Ilm, einen anerkannten Kirchenkünstler, der sich vor allem mit Deckengemälden und Mosaiken befasste, sich aber auch mit Aquarellen, Landschaftsbildern und Portraits, also weltlichen Themen, einen Namen machte.

Weingärtner sollte im Seebachgrund einiges gestalten: Er arbeitete bis 1987 immer wieder in und um Hannberg und stattete die Kirche und ihren Umgriff mit Kunstwerken aus, die – warum auch immer – nicht einmal in der Online-Enzyklopädie Wikipedia erwähnt sind, obwohl diese dem Künstler einen recht ausführlichen Beitrag widmet. 250 Kirchen und Klöster hat der 1917 geborene Weingärtner nach dem Krieg bis zu seinem Tod 1996 mit Bildern und Mosaiken geschmückt.

Im Fall der Hannberger Wehrkirche tat er dies sehr lebensnah. Er schaute sich die Einheimischen an und verewigte einige Hannberger in seinem Deckengemälde in der Pfarrkirche, das das Letzte Abendmahl zum Thema hat.

Angefangen hat Weingärtner in Hesselberg. Dort stattete er die der heiligen Ottilie geweihte Dorfkapelle bei ihrer Renovierung mit einem Deckengemälde aus. 1973 wurde es fertig.

Am augenfälligsten freilich sind die Werke im und am Friedhof. Dieser wurde in den 1960er Jahren von innerhalb der Wehranlage nach draußen zwischen Wehrmauer und Hannberger Straße verlegt. Weingärtner schuf direkt an der Mauer im Westen des Friedhofs eine ebenso volksnahe wie moderne, leicht stilisierte Darstellung von Christus als Weltenrichter.

Das Bild verbarg sich lange unter einem Vordach in einer Art Kapelle, wurde aber, als die Gemeinde die westliche Begrenzung des Friedhofs mit ursprünglich von der Autobahn stammenden Steinquadern neu mauern ließ, freigelegt und konserviert. Ebenso wurde das Bild des Erzengels Michael im Süden des Friedhofs konserviert.

Glanzstücke der ganzen Ausstattung aus der Hand des Pfaffenhofeners sind jedoch zwei Mosaike. Auf die gleiche Wand, die dem Friedhof zugewandt der Erzengel ziert, klebte Weingärtner zur Straße hin eine Pieta, also die Mutter Gottes mit dem toten Christus, aus farbigen Steinchen und Keramik. 1987 schloss Weingärtner seine Hannberger Arbeiten mit einem in seiner "unkindlichen" Christus-Darstellung romanisch anmutenden Mosaik von Maria mit Kind im Turm innerhalb des Mauerrings ab. Es ersetzte eine Lourdes-Grotte. Offenkundig ein Lieblingsmotiv des Künstlers war der heilige Christophorus. Weingärtner stellte den Christusträger an verschiedenen Gebäuden immer wieder dar. In Hannberg steht er als Mosaik an der Einmündung der Raiffeisenstraße in die Röhracher Straße – wohl nicht zufällig, denn Christophorus ist der Schutzpatron der Autofahrer.

Die Ikonographie ist bei Weingärtner stets ähnlich. Das Jesuskind hat einen goldenen Heiligenschein, der etwas schwerknochig wirkende Heilige stützt sich erdverbunden auf seinen derben Stock und watet durch Wasser, dessen Bewegung der Künstler eindrücklich mit Mosaiksteinchen in verschiedenen Blautönen darstellt. Beide Figuren verbindet ein rotes Band der Liebe.

Vielleicht wissen die Hannberger ja nicht so recht, dass sie gerade mit den Mosaiken Kunstwerke besitzen, die ihre einmalige Kirchenanlage sozusagen noch einmaliger machen. Nächstes Jahr könnten sie sich in der Heimat Weingärtners davon überzeugen: Die Stadt Pfaffenhofen widmet 2021 ihrem bekanntesten Künstler eine große Ausstellung zu dessen 25. Todestag.

RAINER GROH

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