Donnerstag, 19.09.2019

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Ausstellung zum Frauenhaus kommt nach Höchstadt

Vor über 40 Jahren wurde das autonome Asyl in Erlangen gegründet. - 12.09.2019 06:00 Uhr

Jede vierte Frau in Deutschland macht im Laufe ihres Lebens eine Gewalterfahrung in ihrem unmittelbaren Umfeld. Deshalb sind Frauenhäuser so wichtig.


Im vergangenen Jahr, als das Haus seinen 40. Geburtstag feierte, war sie in der Gründungsstadt Erlangen zu sehen. Jetzt kommt sie in den Landkreis, nach Höchstadt. Die Schau blickt zurück auf den Start. Manche Dinge beginnen ganz einfach. Und vielleicht auch ein bisschen zufällig. Die Idee für das Erlanger Frauenhaus entstand während einer Autofahrt. Im Radio lief eine Sendung über eine Frau, die in London gerade ihr Haus geöffnet hatte für Frauen, die in ihrem eigenen Zuhause – in ihren Ehen – misshandelt wurden. Damit war in London das erste Frauenhaus gegründet. Und eine Idee für Erlangen geboren.

Die wurde dann von einer Initiative von 20 jungen Frauen, darunter die Hörerinnen der Radiosendung, umgesetzt. Zwei Jahre lang kämpften sie bei der Stadt darum, bis sie ihr Vorhaben verwirklichen durften. Schließlich bekamen sie ein Zweieinhalb-Zimmer-Häuschen ohne Küche, ohne Bad, ohne Heizung – und lediglich 12 000 Mark zur Instandsetzung.

Sofort voll belegt

"In Verwaltung und Stadtrat wusste man eigentlich nicht recht was anzufangen mit den etwa 20 engagierten Frauen", erinnert sich Ursula Rechtenbacher. In der Ausstellung sind Zeitzeugenaussagen wie die der früheren Sozialbürgermeisterin und Fotos aus vier Jahrzehnten zu sehen und nachzulesen. Es ist eine Dokumentation der Geschichte des Erlanger Frauenhauses und zugleich auch eine Geschichte der Frauenbewegung

Die Bestätigung, dass Bedarf für einen Zufluchtsort für Frauen da war, kam sofort: Das Haus war voll belegt – und das in einer Zeit, in der die Meinung vorherrschte, dass Gewalt in Beziehungen irgendwie in Ordnung war. Das Frauenhaus in Erlangen war eines der ersten in Deutschland und das erste in Bayern, es entstand aus der feministischen Bewegung, als Frauen selbstbewusst ihr "Eigenes" erstritten, als sie Frauenbuchläden und Frauenzentren gründeten und sich für ihre eigenen Rechte einsetzten. Natürlich konnte das Erlanger Frauenhaus nur eines sein: autonom. Das ist es bis heute geblieben.

Gewalt beginnt mit Kontrolle

In Deutschland macht jede vierte Frau im Lauf ihres Lebens eine Gewalterfahrung in ihrem unmittelbaren Umfeld. Wer sich in der Ausstellung das Bild mit der visualisierten "Gewaltspirale" anschaut, die das übliche Muster solcher Beziehungen ausmacht, wird sehen: Gewalt beginnt mit Kontrolle – diese und damit verbunden die Unterordnung der Frau wird von Männern dort eingefordert, wo ein Ungleichgewicht herrscht und Frauen weniger Rechte als Männer haben.

Seit mehr als 40 Jahren setzen sich die Mitarbeiterinnen des autonomen Frauenhauses in Erlangen gegen Gewalt an Frauen und ihren Kindern ein. Ihre Ausstellung mit Bildern, Texten und Installationen aus dieser Zeit ist ab Donnerstag im Heizhaus in Höchstadt zu sehen.


Das Verständnis für die engagierten Frauenhaus-Betreiberinnen und ihr gesellschaftliches Anliegen ist – und das ist die gute Nachricht – seit der Gründung vor 40 Jahren deutlich gestiegen. 1978 wurde ihr Antrag auf Gemeinnützigkeit noch abgelehnt, während ausgerechnet einem Golfclub genau dies attestiert wurde. Zwei Jahre später wurde das Frauenhaus dann doch als gemeinnützig anerkannt, es tauchte erstmals im städtischen Haushalt auf. Acht der Gründerinnen führten danach das Haus.

Aus jedem Milieu

Dreimal zog das Frauenhaus seit seiner Gründung um und vergrößerte sich räumlich. Denn voll belegt mit Frauen und Kindern ist es vom ersten Tag an fast immer gewesen. Alle diese Schutz suchenden Frauen haben eines gemeinsam: Sie flüchten vor der Gewalt der Männer. Ihrer Männer. Manche von ihnen werden so schwer verletzt, dass sie im Krankenhaus landen. Zurück in ihr Zuhause können sie nicht, ohne sich weiterer Gewalt auszusetzen. Es sind Frauen jeden Alters, aus jedem Milieu und vielen Kulturkreisen, das Frauenhaus ist ein Mikrokosmos und direktes Abbild der Gesellschaft.

Die größte Neuerung für das Erlanger Frauenhaus kam 2009. In diesem Jahr konnten die Frauen in einen Neubau ziehen. 1,3 Millionen Euro kostete er, den größten Teil der Finanzierung übernahm die Stadt. Den Eigenanteil in Höhe von zehn Prozent konnte das Frauenhaus dank vieler Spenden stemmen.

Die Frauen, die hier eine vorübergehende Zuflucht finden, führen ein möglichst selbstbestimmtes Leben, es gibt aber Gemeinschaftsräume, und der Austausch wird als wichtig erachtet. Die Mitarbeiterinnen begleiten sie auf ihren Wunsch hin zu Ämtern, ins Gericht, zu ihrem Schutz aber auch in die Arbeit oder zu Kindergärten.

Wichtig ist zudem die Beratung. "Viele Frauen sind ziemlich isoliert und sehr in Unkenntnis über die Rechte, die sie haben", sagt Mitarbeiterin Christine Wittmann.

Die Ausstellung "40 Jahre Autonomes Frauenhaus Erlangen/Höchstadt – Im Kampf gegen Gewalt gegen Frauen" ist ab Donnerstag, 12. September, kostenfrei bis zum 11. Oktober im Heizhaus bei der Fortuna Kulturfabrik zu sehen. Auf Anfrage gibt es Führungen für Gruppen, Schulklassen oder Auszubildende.

  

EVA KETTLER/cf

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