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Freitag, 18.10.2019

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3500 Läufer für Kaya in Herzogenaurach auf den Beinen

"Der organisierte Wahnsinn" war bei bestem Laufwetter ein Erfolg - 17.05.2019 18:04 Uhr

Rund 3500 Läufer waren auf den Beinen. Besonders am Vormittag: Fast alle Kitas und Schulen der Stadt liefen mit für Kaya. © Foto: Rainer Groh


Das "Gesicht" des Laufs, der 400-Meter-Crack Patrick Schneider vom LAC Quelle Fürth, fand das Laufereignis wahnsinnig organisiert. Der Spitzensportler, gerade zurück von den Staffel-Weltmeisterschaften aus Tokio, äußerte sich begeistert von Idee und Durchführung, zeigte sich stolz, das Gesicht des diesjährigen Laufs für Kaya zu sein, und setzte am Nachmittag nochmals seine schnellen Beine in Bewegung: Zehn Runden von je einem Kilometer ist der Ansbacher getrabt, fünf am Morgen und weitere fünf am Nachmittag als Mitglied des Teams seines Arbeitgebers Puma, Sponsor des Events.

Als die Firmenmannschaften sich am Nachmittag auf die Strecke machten – elf Herzogenauracher Unternehmen hatten sich angemeldet, die Stadt mitgezählt – war der "Wahnsinn" eigentlich schon vorbei, das größte Herzogenauracher Sportereignis lief in übersichtlichen Bahnen.

Ganz anders am Vormittag: Da gehen traditionell Kinder und Jugendliche vom Kindergartenalter bis zum Abiturjahrgang aus praktisch allen Kitas und Schulen der Stadt auf den Rundkurs. Mit mehr oder weniger läuferischem Ehrgeiz, aber voller Motivation, mit möglichst vielen Kilometern, die von Spendern sozusagen gekauft wurden, für möglichst viel Geld in der Veranstalter-Kasse zu sorgen.

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"Lauf für Kaya": Hunderte Schüler schwitzen für Burkina Faso

"Der organisierte Wahnsinn" hat zum achten Mal 18 Teilnehmer an einen P-Seminar in der Oberstufe des Gymnasiums, rund 200 Helfer und 3500 Lauf- und Spendenbegeisterte erfasst. Den Ausdruck gebrauchte gestern Matthias Engel, Leiter des P-Seminars "Lauf für Kaya" und somit Nummer 19 der organisiert Wahnsinnigen. "Gesicht" des Laufs war der 400-Meter-Crack Patrick Schneider vom LAC Quelle Fürth.


Nach diesem Prinzip funktioniert der Lauf für Kaya, und in den sieben Malen vorher hatten die veranstaltenden Gymnasiasten zusammen über 225 000 Euro gesammelt. Das Geld fließt stets in Projekte in der Partnerstadt in Burkina Faso. Die alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung ist ein Projekt-Seminar. Und, fasste ein zufriedener "Coach" Matthias Engel zusammen, alle haben dabei "etwas geschafft und etwas gelernt".

Dass der Lauf eine Bewegung im wahrsten Sinn geworden ist, zeigt sich beim Schülerlauf. Um Gedränge auf dem genau einen Kilometer langen Kurs rund um die Sportanlagen des Gymnasiums zu vermeiden, hat man für die Kleinen die 400-Meter-Laufbahn geöffnet – und es herrschte Gewusel auf beiden Strecken, positive Hektik an den Anmeldeständen und Andrang an den Scannern, mit denen die gelaufenen Kilometer registriert wurden.

Bürgermeister German Hacker, der Schirmherr, konnte seine elf Kilometer von der eigenen Tochter dokumentieren lassen. Lucia Hacker gehörte zu den gut 200 Helfern, die sich um den Ablauf kümmerten – vom Bratwurstgrill bis zur Bühnentechnik. Von gleich mehreren Bands konnten sich die Teilnehmer in den richtigen Laufrhythmus bringen lassen – Schülergruppen meist, aber auch eine eigens formierte Lehrerband und die Party-Rock-Gruppe Mac Seven beim Bürger- und Firmenlauf am Nachmittag.

Neben Patrick Schneider gibt es beim Lauf für Kaya weitere Galionsfiguren, die zum Teil "Gründungsmitglieder" sind. Dietmar Mücke zum Beispiel. Als "Barfußläufer" bekannt und schon beim ersten Kayalauf mit von der Partie, trat er diesmal in Sandalen an und drehte, von kurzen Pausen abgesehen, den ganzen Tag Runde um Runde. Bei 40, das ist immerhin fast ein Marathon, beließ es dieses Jahr Asha Noppeney. Die aus Uganda stammende Frau hat den rechten Unterschenkel verloren und mit Prothese das Nordic Walking entdeckt. In Herzogenaurach ist sie regelmäßig dabei, wie auch der Ultra-Langstreckenläufer André Lange, der sich für mehrere Spenden-Sponsoren 70 Kilometer vornahm. Mit langen Distanzen konnten aber auch Lokalmatadoren aufwarten. Für die Schule zum Beispiel rannte der Informatiklehrer Wolfgang Ammon 50 Kilometer.

Nicht sehr schnell, denn er musste unterwegs viele Hände schütteln, war der in Herzogenaurach wohl beliebteste Burkinabé unterwegs: Jean Desiré Sawadogo aus Kaya, Priester, Wissenschaftler und Charmeur, war aus Innsbruck angereist. Und ein weiterer Afrikaner lief mit: Creve Machava, 400-m-Hürden-Spezialist aus Mosambik und mit einem Olympia-Stipendium in Deutschland, zeigte sich beeindruckt von dem Event.

RAINER GROH

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