31°

Dienstag, 11.08.2020

|

zum Thema

Unfall, Alkohol, Unflätigkeiten: 24-Jähriger muss hinter Gitter

Nach dem Crash in ein Haus beleidigte der Fahrer die Polizei bis 3.30 Uhr nachts - 10.07.2020 16:54 Uhr

Der Fahrer soll damals versucht haben, mit den Ersthelfern am Unfallort einen Deal zu schließen: Er habe erklärt, dass er sich um den Schaden (rund 1200 Euro) kümmern werde und man solle ihn laufen lassen. Auch mit den Polizeibeamten wollte P. verhandeln. Als diese ihm gegenüber klare Ansagen machten, randalierte der 24-Jährige.

Nun stand der mehrfach vorbestrafte Mann vor Gericht: Trunkenheit im Verkehr, Widerstand gegen Vollzugsbeamte und Beleidigung. Für einen Mann mit elf Vorstrafen und einer offenen Bewährung kein leichter Termin, zumal auch noch eine weitere Anklage wegen Körperverletzung dazu kam. "Ja, ich gebe alles zu", sagte der Angeklagte. Auch wenn er sich an Vieles nicht mehr erinnern könne, müsse das wohl so gewesen sein, sagte P. in Bezug auf das Unfallgeschehen und sein anschließendes Verhalten.

Stimmung kippte schnell

Dass er außerdem im Dezember 2019 gegen einen Kumpel auf der Hilpoltsteiner Försterwiese handgreiflich geworden sei und diesen im Genick gepackt hatte, bedauerte der junge Mann. Drei Beamte der Polizeiinspektion Hilpoltstein schilderten dem Gericht die Situation nach dem Eintreffen am Unfallort. Die Stimmung dort sei schnell gekippt, als P. begriffen hatte, dass mit "Verhandlungen" nichts gehe, sagten sie übereinstimmend. Er habe Personen beleidigt, und sich dann noch einmal blitzschnell ans Steuer seines Fahrzeuges gesetzt.

Nachdem der Zündschlüssel durch die Ordnungshüter bereits abgezogen war, habe der Angeklagte einen Zweitschlüssel aus dem Handschuhfach gefischt und das Auto gestartet. Der Pkw habe geruckelt und hätte einen der Polizisten, der gerade hinter dem Auto stand, sicher getroffen, wenn P. weggefahren wäre. Das sei jedoch wegen des Schadens an der Vorderachse nicht möglich gewesen.

Bei dem Versuch, den Unfallverursacher ins Dienstfahrzeug zu bringen, habe dieser erheblichen Widerstand geleistet, sagten die Beamten. Auf der Dienststelle hätten die Beleidigungen nicht nachgelassen: Hurensohn, Wixer, Arschlöcher, Missgeburten Bastarde – das seien nur einige Begriffe aus dem Repertoire des 24-Jährigen gewesen.

Richter ließ sich nicht beeindrucken

Ernst P. wehrte sich auch gegen die Blutentnahme und wollte seinen Pullover nicht ausziehen, der zum Nachweis, dass er gefahren ist, sichergestellt werden sollte. Bis 3.30 Uhr in der Nacht sei das so gegangen, sagte einer der Polizisten, dann sei der 24-Jährige endlich eingeschlafen.

Die Staatsanwältin sah in Anbetracht der zahlreichen Vorstrafen des Angeklagten, unter anderem wegen Diebstahl, Raub, Beleidigung und gefährlicher Körperverletzung mit offener Bewährung, keine Chance mehr, den 24-Jährigen ohne eine Freiheitsstrafe davonkommen zu lassen. Irgendwann sei Schluss, davon zeigte sich die Vertreterin der Anklage überzeugt – und beantragte (inklusive der Körperverletzung auf der Försterwiese) eine Haftstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Den Führerschein von Ernst P. wollte sie für drei Jahre sichergestellt sehen.

Der Pflichtverteidiger rief dagegen die schwierige persönliche Situation seines Mandanten in Erinnerung, die dieser nach der Trennung von seiner Freundin durchgemacht habe. Er wertete das Geständnis und die persönlichen Entschuldigungen gegenüber den Polizeibeamten ("Ich habe großen Respekt vor Ihrer Arbeit") positiv und plädierte für eine Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Richter Michael Schlögl war davon nicht zu beeindrucken. Er verurteilte Ernst P. zu einer Freiheitsstrafe von elf Monaten und den Entzug der Fahrerlaubnis für 18 Monate. Was danach passiert, werde die Führerscheinstelle der Kommunalverwaltung festlegen. "Die Liste der Vorstrafen spricht gegen Sie", sagte der Richter, und auch die nicht durchgestandene Bewährung.

ARNO HEIDER E-Mail

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus: Hilpoltstein, Hilpoltstein