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Tipps vom Experten: Was tun gegen meuchelnde Elstern?

Die auffälligen Rabenvögel plündern die Nester anderer Vogelarten - 14.06.2019 06:30 Uhr

Sind sie nicht putzig? Diese Schwalbenbabys genießen ihre Kindheit in ihrem in doppelter Hinsicht geschützten Nest. Zum einen dürfen Hausbesitzer die Brutstätten von Mehl- oder Rauchschwalben während der Brutzeit nicht einfach entfernen. Zum anderen sind sie in luftiger Höhe relativ sicher vor gefräßigen Elstern. © Foto: privat


Die meisten Gartenbesitzer kennen die jämmerlichen Rufe der Amseln, wenn sich Elstern an ihren Jungen vergreifen und verfluchen die gierigen Elstern. Diesen offensiv zu Leibe zu rücken, ist zumindest in Wohngebieten unmöglich, wie LBV-Artenschutzbeauftragter Andreas von Lindeiner erklärt. Die Elster genießt, wie alle anderen heimischen Vogelarten, Schutz — verankert in der europäischen Vogelschutzrichtlinie. Andreas von Lindeiner weiß von Stimmen zu berichten, die den Schutz der Elstern gerne aufgehoben wüssten.

Jagen ja, nur nicht in Wohngebieten

Es ist aber nicht so, dass man den meuchelnden Rabenvögeln gar nicht an die Federn könnte. Pro Jahr würden um die 20.000 Exemplare dieser Nesträuber abgeschossen. Die Elster darf von Mitte Juli bis März bejagt werden — aber halt nicht in Wohngebieten, wo sie sich mittlerweile im wahrsten Sinne des Wortes eingerichtet hat. Der Fachmann vom Landesbund für Vogelschutz an der Landesgeschäftsstelle in Hilpoltstein berichtet, dass in Osnabrück eine regelrechte Landflucht von Elstern beobachtet worden sei.

Prächtig sieht sie aus, die Elster. Allerdings bereitet der diebische und gefräßige Rabenvogel seinen Artgenossen während der Brutzeit richtig Probleme. © Ralph Sturm


Als ein probates Gegenmittel gegen Elstern empfiehlt der LBV-Experte von Lindeiner beim Bau von Vogelhäuschen auf Einstiegsstangen zu verzichten. Solche Stangen seien für Elstern wie "Catering-Ansitze", weil sie von hier aus leicht an die Brut im Inneren herankommen. Ohne die Stangen haben die Elstern, die nicht gerade als Flugkünstler bekannt sind, keine Chance, junge Vögel aus den Nestern zu ziehen.

Aber auch dichte Büsche, am besten mit Dornen, würden sich als Jungvogelschutz eignen. Ein Geflecht aus Ästen würde Elstern den Zugang zu den Nestern unmöglich machen. Ansonsten, so von Lindeiner, gebe es "keine Möglichkeiten", etwas gegen räuberische Elstern zu tun.

Bestand nicht gefährdet

Doch von Lindeiner hat auch eine beruhigende Nachricht für Vogelfreunde. Der Bestand an Gartenvögeln habe durch das räuberische Treiben der Elstern nicht abgenommen. Das Gefühl, die Elsternpopulation sei überproportional groß, sei nicht richtig. Die Elstern würden durch ihre Erscheinung nur mehr auffallen als andere Vögel.

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Dass Elstern sich an Nestern von Schwalben zu schaffen zu machen, ist angesichts der exponierten Lage der Brutstätten dieser Flugkünstler eher unwahrscheinlich. Die Baumeister setzen ihre Nester aus Lehm so geschickt an Häuser, dass Räuber keine Chancen haben. Und auch Hausbesitzer, denen der Kot von Mehl- oder Rauchschwalben stinkt, müssen die Hände von den Nestern lassen, gerade in der Brutzeit. Wer seine Hausfassade von Mai bis August streicht und Lehmnester beseitigt, hat "ganz schlechte Karten": Schwalbennester abschlagen "ist nicht erlaubt und wird mindestens mit einer Ordnungswidrigkeit geahndet", betont von Lindeiner. "Wenn uns so etwas bekannt werden würde, würden wir Anzeige erstatten", bei der Polizei oder der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt.

Mit einem Kotbrett unterhalb des Nestes könne man aber relativ leicht erreichen, dass die Exkremente der Vögel die Hausfassade nicht beschmutzen, meint von Lindeiner. Also: Die Finger von Nestern lassen und stattdessen freuen. Schwalben gelten gemeinhin als Glücksbringer. 

Harry Rödel E-Mail

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