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Sonntag, 21.07.2019

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Pyraser Unternehmerin mit "dickem Fell" in der Schweiz

Auf dem Swiss Economic Forum sprach Marlies Bernreuther über Frauen in Führungspositionen - 29.05.2019 06:00 Uhr

Marlies Bernreuther war zum Swiss Economic Forum eingeladen. Vor 1350 führenden Vertretern aus der Schweizer Wirtschaft, Wissenschaft und Politik stand sie Rede und Antwort über ihre Position als Chefin der Pyraser Landbrauerei. © Foto: SEF 2019


Im Nachgang sprachen wir mit Marlies Bernreuther über das Interview und ihren Aufenthalt in der Schweiz.

Frau Bernreuther, wie kam es überhaupt zu der Einladung in die Schweiz?

Bernreuther: Die Veranstalter wurden durch einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung auf mich aufmerksam ("Ich gebe Vollgas seit ich 14 bin", Nov. 2018), der hat anscheinend Eindruck hinterlassen.

Sie durften sich bei dem Forum mit prominenten Gästen wie dem italienischen Ex-Ministerpräsidenten Matteo Renzi oder dem ehemaligen britischen Außenminister Boris Johnson die Bühne teilen. Wie hat sich das für Sie angefühlt?

Bernreuther: Das war schon etwas Besonderes, unabhängig von den politischen Standpunkten war es sehr interessant, Renzi sprechen zu hören. Boris Johnsons Auftritt habe ich leider verpasst, da ich direkt nach meinem Gespräch mit Sven Epiney wieder in den Flieger nach Hause steigen musste. Als Mutter und Chefin habe ich leider nicht viel Zeit.

Zu welchen Themen wurden Sie interviewt?

Bernreuther: Zuerst wollten die Leute wissen, wo Pyras überhaupt liegt (lacht). Danach ging es hauptsächlich um die Rolle der Frau in Führungspositionen und die Erfahrungen, die ich als solche im Laufe der Zeit gemacht habe.

Wie sehen Sie denn die Rolle der Frau, gerade in einer "Männerdomäne" wie dem Brauereigewerbe?

Bernreuther: Da möchte ich zunächst darauf hinweisen, dass wir bei Pyraser eine Frauenquote von 37 Prozent haben. Auf die bin ich persönlich sehr stolz. Generell ist das leider schon noch die Ausnahme, auf Führungsebene bin ich bei vielen Treffen sogar die einzige Frau.

War das auch beim Kongress in der Schweiz zu spüren?

Bernreuther: Ja, leider. Unter den über 1300 anwesenden Führungskräften waren vielleicht 100 Frauen. Es gab sogar extra kürzere Frauenvorträge – uns traut man es anscheinend nicht einmal zu, 45 Minuten lang konzentriert zu bleiben. In der Hinsicht leben wir immer noch in der Steinzeit. Ich habe zwar das Gefühl, dass wir hier in Mittelfranken schon etwas weiter sind, trotzdem bin ich froh, als Frau meinen Platz schon gefunden zu haben und mich nicht noch in der freien Wirtschaft bewerben zu müssen.

Ohne gängige Rollenbilder bemühen zu wollen – was haben Frauen ihren männlichen Kollegen im Geschäftsleben voraus?

Bernreuther: So ganz kommt man bei der Frage um Klischees nicht herum. Männer können oft besser fokussieren und ihre Gefühle ausblenden, Frauen sind dafür vielseitiger und einfühlsamer. So haben sie meist ein besseres Gespür für die Belange ihrer Angestellten.

Es gibt aber auch männliche Chefs mit "weiblichem Führungsstil" und umgekehrt. Hauptsächlich kommt es auf den Menschen und seinen Charakter an, nicht auf das Geschlecht.

Was geben Sie jungen Unternehmerinnen am Anfnag ihrer Karriere mit auf den Weg?

Bernreuther: Ein gutes Durchhaltevermögen ist besonders wichtig. Ohne Demut und Fleiß wird es extrem schwierig. Außerdem braucht man ein "dickes Fell", die eigenen Emotionen muss man oftmals hintanstellen.

Wichtig ist es auch, Prioritäten zu setzen. Gerade in unserer Brauerei sind die Bereiche so vielfältig, von der Rohstoffbeschaffung über die Produktion bis hin zur Logistik haben wir alles unter einem Dach. Da ist es wichtig, den Mitarbeitern auch mal zu vertrauen, da man nie alle Zügel auf einmal in der Hand halten kann.

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Das Motto des Kongresses lautete "YES – The Optimist Code". War das auch Thema?

Bernreuther: Ich wurde gefragt, ob ich Optimist, Pessimist oder Realist sei. So allgemein kann ich das gar nicht beantworten, aber unternehmerisch sehe ich sehr positiv in die Zukunft. Wir bieten ein Produkt an, für das immer ein Bedarf bestehen wird. Und dabei spreche ich nicht unbedingt von unseren Bieren, sondern vom Wasser aus unserer Mineralquelle.

Die Anforderungen durch die Politik und in der Verwaltung nehmen zwar stetig zu, da ist es wichtig, immer dranzubleiben. Auch die Konkurrenz schläft nicht. Trotzdem, ich habe drei gesunde Kinder, mir selbst fehlt auch nichts. Das ist das Allerwichtigste. 

INTERVIEW: JOHANNES LENZ E-Mail

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