Dienstag, 19.11.2019

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ICE-Anschlag von Allersberg: Verdächtiger wartet auf Prozess

Vor einem Jahr sorgte der Zwischenfall für Aufregung im In- und Ausland. - 22.10.2019 13:52 Uhr

Die Polizei suchte die Bahnstrecke München-Nürnberg im Oktober 2018 mehrfach ab. Gefunden wurden Holz- und Metallteile, Überreste eines Stahlseils und ein Drohschreiben auf Arabisch. © Archivfoto: Daniel Karmann/dpa


Der Fall sorgte bundesweit und international für Aufregung: Wie erst Ende Oktober 2018 bekannt wurde, hatte es am Sonntag, 7. Oktober 2018, einen Zwischenfall auf der ICE-Strecke München-Nürnberg gegeben. Auf Höhe von Allersberg raste ein Zug gegen ein Stahlseil, das offenbar über die Strecke gespannt worden war. 

Der Lokführer des ICE-Zugs, der von Nürnberg nach München unterwegs gewesen war, hatte in der Nacht des 7. Oktober gegen 23.15 Uhr während der Fahrt lediglich ein seltsames Geräusch bemerkt. Am Zielbahnhof in München sah er sich seinen Zug näher an – und entdeckte Beschädigungen unter anderem an der Windschutzscheibe. Die Bahnstrecke wurde dann aber erst am 24. Oktober 2018 erstmals näher untersucht. Die Ermittler fanden Überreste eines Stahlseils, das wohl über die Strecke gespannt worden war. Und mehrere Holz- und Eisenteile, die wohl auf den Schienen angebracht worden waren.

Festnahme im März 2019

Über den oder die Täter und mögliche Motive konnte zunächst nur spekuliert werden. Ebenso über die Frage, warum die Polizei von der Deutschen Bahn erst nach rund zweieinhalb Wochen über den Vorfall informiert worden war.

Dadurch wurde die Suche nach Beweismitteln deutlich erschwert. Und auch ein Drohschreiben, das an der Strecke entdeckt wurde, war durch Wind und Wetter bereits arg in Mitleidenschaft gezogen worden. Das mehrseitige Schreiben lag in der Nähe eines Brückenpfeilers mit einem Graffiti aus arabischen Schriftzeichen und rund dreieinhalb Kilometer von der Stelle entfernt, wo die Reste des Seils gefunden wurden.

Zeitweise ermittelten 50 Kriminalbeamte und die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus in dem Fall. Im März 2019 kam schließlich Licht ins Dunkel: In der österreichischen Hauptstadt Wien wurde ein damals 42 Jahre alter Iraker unter dringendem Tatverdacht festgenommen.

Auswertung der Beweise läuft

Wegen des Verdachts der Beihilfe wurde im März 2019 auch dessen Ehefrau inhaftiert. Nach damaligen Angaben des Bayerischen Landeskriminalamts soll es sich bei dem Iraker um einen Sympathisanten des Islamischen Staats (IS) handeln.

Eine besondere Bedeutung kam bei den Ermittlungen einem ähnlich gelagerten Vorfall an einer Bahnstrecke in Berlin-Karlshorst im Dezember 2018 zu: Dort ereignete sich ein ähnlicher Eingriff in den Eisenbahnverkehr. In Tatortnähe wurden ebenfalls Schriftstücke in arabischer Sprache sowie eine Flagge des IS aufgefunden.

Der Verdächtige und seine Ehefrau sitzen nach wie vor in Österreich in Haft und warten auf ihren Prozess. Der Federführung in diesem Fall liegt bei der österreichischen Staatsanwaltschaft. Wie ein Sprecher des Bayerischen Landeskriminalamts erklärte, ist die Auswertung der Beweise noch nicht abgeschlossen. Die Ermittler sind insbesondere noch mit der Analyse sichergestellter Computer beschäftigt.


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