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Es grünt so grün am Kanal: Mehr Artenschutz, weniger mähen

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt setzt auf ein neues Mähkonzept am Ufer. - 08.07.2020 09:23 Uhr

So schön bunt kann ein Dammhang am Main-Donau-Kanal bei Hilpoltstein aussehen. Davon profitiert nicht nur die Pflanzenwelt, sondern auch Vögel und Insekten haben etwas davon. © Foto: WSA, Matthias Stadler


Das Ziel ist klar umrissen: Die biologische Vielfalt am Kanal zwischen den Schleusen Leerstetten und Bachhausen steigern. Im vergangenen Jahr wurde geprüft, welche Flächen aus der intensiven Pflege herausgenommen werden können und wasmöglich ist, um die Biodiversität auf den Wiesenflächen entlang des Main-Donau-Kanals zu erhöhen. "Das Ergebnis war verblüffend einfach", so Stadler: Anstatt die Damm- und Einschnittsflächen drei Mal im Jahr zu mähen wird ein Großteil von rund 22 Hektar jetzt nur noch einmal im Spätherbst gemäht.

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Auf den mageren, trockenen und sonnigen Flächen entstehen so für viele Insektenarten Blühwiesen, die überlebenswichtig sind. Auch die auf derartige Verhältnisse spezialisierten Pflanzen können sich ungestört entwickeln und zur Samenreife gelangen. Davon profitieren wiederum Vögel, Eidechsen und Kleinsäuger, die sich von den Insekten und den Pflanzen(-samen) ernähren.

Sensible Bereiche

Seltene Vögel wie dem unter Naturschutz stehenden Wiesenpieper stehen mehr Rückzugs- und Brutflächen zur Verfügung. Nicht zu vernachlässigen ist aus Sicht des WSA auch der höhere Erholungs- und Erlebniswert der blühenden Flächen für den Menschen. Klimatechnisch betrachtet, bedeutet ein weniger häufiges Mähen einen kleineren Kohlendioxidausstoß und weniger Verbraucht fossiler Energieträger.

In Hinblick auf die Standsicherheit der Dämme müssen sensible Bereiche weiterhin zwei bis drei Mal gemäht werden. Darunter fällt vor allem die Mahd am Dammfuß. Der Grund: Die Einsehbarkeit für die Dammbeobachtung muss gewährleistet bleiben, da im Falle einer Undichtigkeit der Dämme Nassstellen im unteren Dammdrittel auftreten.

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Da die Betriebswege entlang des Kanals für erholungssuchende Fußgänger und Radfahrer freigegeben sind, müssen die Randstreifen der Wege aus Gründen der Verkehrssicherung ebenfalls regelmäßig gemäht werden.

Biotopverbund entsteht

Für das neue Mähkonzept kooperiert das WSA mit den von der Regierung von Mittelfranken beauftragten Landschaftspflegeverbänden Mittelfranken, Nürnberg und Schwabach. Diese kümmern sich seit 2015 um die Entwicklung eines Biotopverbunds entlang des Main-Donau-Kanals von der nördlichen Bezirksgrenze bis zur Schleuse Leerstetten im Süden. Seit 2018 wurde das Projektgebiet um den mittelfränkischen Zuständigkeitsbereich des Außenbezirks Hilpoltstein erweitert, so Stadler. "Die Dammbereiche des Main-Donau-Kanals bieten eine gute Möglichkeit, die im Umfeld liegende Biotopflächen wieder miteinander zu verbinden."

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