Montag, 16.12.2019

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Borkenkäfer sorgt für "blaues Auge" im Raum Greding

Insekten wüteten weniger schlimm als erwartet. Dennoch ist 2019 historisch schlecht. - 10.11.2019 06:02 Uhr

Revierförster Josef Adam, Peter Tretter vom Landwirtschaftszentrum als Forstchef für den Landkreis, FBG-Geschäftsführer Matthias Netter und Mitstreiterin Katja Walter (von links) beleuchteten die Situation im Wald aus verschiedenen Perspektiven. © Foto: Jürgen Leykamm


Was in unserer Zeit als "Klimawandel" propagiert werde, müsse man "menschengemachte Temperatursteigerung" nennen. An dieser aber sei die Forst- und Landwirtschaft, "wenn überhaupt, so nur in geringem Maß beteiligt". Trotzdem wären’s jene beiden Branchen, denen man "das Holz vor die Füße wirft", monierte Netter in Anspielung auf gesetzliche Änderungen, die beide stärker in die Pflicht nehmen.

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Die Metapher wollte er übrigens ganz wörtlich verstanden wissen. Denn der Holzmarkt quillt derzeit förmlich über. Die Erzeuger kämen damit am schwersten zurecht, müssten sie doch stark sinkende Holzpreise hinnehmen. Es sei ein Minus von 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Die Sägewerke als Abnehmer hingegen bräuchten nur ein Absinken von zehn Prozent bei den Schnittholzpreisen hinzunehmen.

Die große Last läge damit auf den Waldbesitzern. Dessen ungeachtet dränge man sie und die Landwirte noch weiter zur Einsparung von Kohlendioxid. "Wenn das so weitergeht, frage ich mich, wo langfristig das Essen und das Holz herkommen sollen – für mich ist das schizophren", so der FBG-Geschäftsführer.

"Bretter oder brennen"

Durch die Waldbewirtschaftung werde jenes Gas zudem eher gebunden denn freigesetzt. Im Rahmen des Klimapakets erfahre dies aber keine Honorierung. Im Gegenzug werde die Kritik am Heizen mit Holz lauter. Für Netter eine bedenkliche Entwicklung. Es brauche den bewirtschafteten Wald und für dessen Nutzung gelte: "Bretter oder brennen", brachte er es auf eine Formel.

Dass der Politik der Waldumbau nicht schnell genug gehen kann, "nervt mich ungemein". Denn "wir machen seit 30 Jahren nichts anderes!" Das große Umdenken war bereits 1990 nach dem Orkan Wiebke erfolgt. Netter hielt auch dem Verbraucher einen Spiegel vor: Er habe zwar eine große Naturnutzungssehnsucht, aber auch ein nicht minder großes Verlangen, Auto zu fahren und sich in ein Flugzeug zu setzen.

Was die Schwierigkeiten beim Umbau des Waldes anbelangt, nahm der Geschäftsführer zudem die Jäger ins Visier. Die Wildbestände und damit auch der Verbiss der jungen Bäumchen seien immer noch zu hoch: "Da müssen wir ran!" Positives konnte er für das eigene Vereinsgebiet attestierten. So sei heuer weniger Käferholz zu verzeichnen gewesen als erwartet. Es habe lediglich an den Händen abzuzählende Problemfälle mit bis zu 150 Festmetern Schadholzanfall gegeben.

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In vielen Teilen Deutschlands und Europas aber habe sich ein gegenteiliges Bild abgezeichnet, was die Holzmenge in historische Höhen getrieben habe. Das wiederum wirkte sich regional aus. Denn "die Sägewerke haben in der Regel Gleisanschluss oder lassen sich einen solchen legen". Sie kauften sogar Züge. Alles mit dem einen Ziel, billiges Holz auch von weither anfahren zu können. Allerdings sei die gute Auftragslage der Säger auch der Garant dafür, dass die Waldbesitzer überhaupt noch Holzabnehmer fänden. Unterm Strich seien vor allem die Preise bei Fichten und Kiefern eingebrochen, besser sähe es bei Buchen und Eichen aus.

Das Stichwort für Katja Walter, die sich für die FBG des Projekts "Waldzukunft zum Anfassen" annimmt. Bezüglich der Klimaveränderungen "gehe ich vom Schlimmsten aus, denn das ist für mich am wahrscheinlichsten". Doch auch wenn der Wandel nicht so arg werde, sei den beiden erstgenannten Baumarten keine Zukunft beschieden, die letzteren beiden hätten zumindest mittelfristig eine gute Chance. Wie einige andere. Wird es so schlimm wie befürchtet, finden im Jahr 2100 Manna-Esche, Flaum- und Zerreiche sowie Atlaszeder beste Bedingungen vor.

Verhaltenen Optimismus bezüglich des aktuellen Holzmarktes verbreitete Revierförster Josef Adam. "Das Holz wird wieder an Wert gewinnen", sagte er, räumte aber zugleich ein: "Das kann noch ein paar Jahre dauern." Kurzfristig verwies er auf freie Plätze in einem Motorsägenkurs Mitte Dezember. Großes Lob für hiesige Waldbesitzer gab es schließlich von Peter Tretter, der seitens des Landwirtschaftszentrums Roth für den Forst im Landkreis zuständig ist. Dass die Käferplage nicht so stark gewesen sei, "liegt an Ihnen".

Jürgen Leykamm E-Mail

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