Freitag, 22.11.2019

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Paukenschlag: Kästl wirft hin bei Handballdamen

Trainer legt ab sofort sein Amt beim Drittligisten nieder - 22.10.2019 15:57 Uhr

Vier Trainer für zwei Mannschaften wurden den TSH-Handballerinnen im Mai vorgestellt. Hans-Jürgen Kästl (2. von rechts) zog sich nun zurück. Andreas Ottlo (rechts) soll die „Erste“ übernehmen, daneben Tom Hankel (links) und Udo Hermannstädter.


Doch gewisse Differenzen mit dem Team seien schon der Auslöser dafür gewesen, dass der Oberpfälzer sein zweites Engagement bei den TSH-Handballerinnen nach nur einigen Monaten Vorbereitung und ganzen fünf Punktspielen schon wieder beendet. Kästl wörtlich: "Die Mannschaft und ich hatten teilweise unterschiedliche Auffassungen von den Trainingsinhalten." So neige er eher dazu, bei der Behebung von Problemen individuell mit jeder Spielerin zu arbeiten, das Team bevorzuge aber die Arbeit in größeren Gruppen.

Nach einem unlösbaren Konflikt bei einem Dritt-Bundesligisten klingt das nicht. Was auch Kästl einräumt. Aber letztlich habe er sich nicht mehr so wohlgefühlt, wie ihm das wichtig gewesen sei. Der Unternehmer reist für jede Trainingseinheit aus dem 80 Kilometer entfernten Sulzbach-Rosenberg an.

"Ich muss mir die Zeit für den Handball wirklich hart erkämpft freihalten. Dazu kommt, dass ich wegen der Baustelle am Autobahnkreuz Fürth / Erlangen eigentlich jedes Mal im Stau stehe", versucht er zu begründen, dass dann möglicherweise ein eher kleinerer Dissens dazu geführt hat, das Handtuch bei der Turnerschaft zu werfen.

Denn auch sportlich laufe es durchaus gut. Kästl: "Die Mannschaft hat nach einem etwas verkorksten Start, der aber fast zu erwarten gewesen war, die Defizite gut aufgearbeitet, das haben wir im Trainerteam alle so gesehen. Die Fortschritte waren deutlich und ich denke, wir sind auf einem Niveau angekommen, mit dem wir uns gegen alle Teams aus dem Mittelfeld der Liga behaupten können."

Dass es anfangs nicht lief, habe an Problemen in der Vorbereitung kurz vor dem Saisonstart gelegen. Man habe viele Lehrerinnen und Studentinnen, die hätten halt in dieser Zeit Urlaub nehmen müssen. Aber mit jetzt 3:7 Punkte stehe man solide da. "Mir ist kein bisschen bange um diese Mannschaft. Das sind alles noch junge Spielerinnen, die längst nicht ihr Maximum erreicht haben. Und ich hätte wohl auch nicht aufgehört, wenn ich das Gefühl haben würde, ich würde die Mädels im Stich lassen", so Kästl.

Denn seinen Nachfolger hat er bereits im Auge: Co-Trainer Andreas Ottlo. Der habe "ein fundiertes Handballwissen und eine analytische Vorgehensweise, die mir sehr gut gefällt. Ich habe ihn von Anfang an als absolut gleichwertigen Partner angesehen ". Genauso wie auch Torwarttrainer Tom Hankel ein wichtiger Bestandteil eines seiner Meinung nach gut funktionierenden Trainerteams gewesen sei.

Nur ein Manko hat der 33-jährige Ottlo, der seine Wurzeln beim HC Erlangen hat: Er besitzt nicht die für die 3. Liga notwendige Trainerlizenz. Kästl versichert: "Falls Not am Mann ist, setze ich mich mit auf die Bank, um diese formelle Voraussetzung zu erfüllen."

Außerdem hat im Verein noch Udo Hermannstädter die nötige Qualifikation. Der ist Trainer der "Zweiten" und hat die erste Mannschaft von 2007 bis 2015 bis hinauf in der Bayernliga betreut.

Kästl will zwar kein offizielles Amt mehr bekleiden bei der TSH, möchte aber gerne helfen, falls das gewünscht sei. Er sei ja auch keineswegs im Bösen gegangen. Er habe den Eindruck gehabt, dass die Spielerinnen von seinem Schritt doch sehr überrascht gewesen seien. Dass es "im Prinzip" gestimmt habe, hätte das Spiel am Sonntag bewiesen: "Wenn es da einen großen Graben zwischen Team und Trainer gegeben hätte, wäre eine solche Leistung nicht möglich gewesen." Die Herzogenauracherinnen waren gegen den Favoriten HSG Kleenheim-Langgöns ständig einem Rückstand hinterhergelaufen und hatten in fast letzter Sekunde beim 25:25 doch noch Grund zum Feiern.

Während bei Kästl nun "etwas Druck abgefallen" ist, sieht es in der Handballabteilung der TSH anders aus. Nach vielen Jahren der Kontinuität wird das Damenteam langsam zur Dauerbaustelle. Nach dem Aufstieg 2016/17 unter Kästl, der Hermannstädter abgelöst und zwei Jahre den Posten bekleidet hatte, blieben seine Nachfolger Klaus Watzinger und René Friedrich mitsamt ihren Co-Trainern jeweils nur eine Saison.

Jetzt hatte man gedacht, mit dem bereits erprobten Oberpfälzer eine längerfristige Lösung gefunden zu haben. Falls tatsächlich Andreas Ottlo das Tagesgeschäft übernehmen sollte, ginge es nur darum, das Problem mit den Vorgaben des Verbands zu lösen. 

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