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Heuschreckentod: Noch immer keine Akteneinsicht

Geschädigter kennt als Einziger der Beteiligten Versicherungsgutachten nicht - Anwalt will Klage einreichen - 10.09.2010 10:13 Uhr

Heuschrecken! Ein seltsamer Larventod hat seit einiger Zeit Behörden und Umweltschützer aufgeschreckt. © dpa


Wir berichteten mehrmals über die von der Gemeinde veranlasste Spritzaktion gegen den Eichenprozessionsspinner, über das in der Folge kontaminierte Futtergras, das die Heuschreckenzucht von Robert Seuberth über Pfingsten nahezu auslöschte. Seitdem hat sich nichts Positives für den Geschädigten zur Regulierung getan.

Zwar hat ein Fachlabor dem Züchter hoch konzentriertes Gift in den Futterproben bestätigt, die er zwei Tage nach der Katastrophe eingesandt hatte. Auch bei den Behörden hatte er den Schaden sofort gemeldet. Aber die zuständigen unteren Behörden waren recht untätig, ihrerseits den Umfang des Umweltschadens über Laboranalysen korrekt zu dokumentieren. Auch die Gemeinde hatte lediglich ihren Versicherer verständigt, der die Verantwortung der ausführende Firma Inex in Erlangen gab.

Zu Gegengutachten geraten

Erst vier Wochen nach der Spritzaktion hat diese dann jenes Gutachten in Auftrag gegeben, in das sie heute dem Geschädigten die Einsicht verweigert. Damals, Ende Juni beim Ortstermin, als die Proben gezogen wurden, war auch Grünen-Gemeinderätin Christiane Kolbet dabei. Sie erinnert sich genau daran, dass Inex-Geschäftsführer Bernd Windl auch dem Züchter versprochen hatte, ihm das Gutachten zur Verfügung zu stellen. Jetzt weigert der sich nach Seuberths Angaben. Windls Ehefrau habe diese Woche den Züchter im Telefonat an ihren Versicherer, die Axa-Versicherung verwiesen. Als Seuberth entgegnet, dass doch ihr Mann der Axa geboten habe, das Gutachten weder an ihn, den Geschädigten, noch an seinen Anwalt heraus zu geben, habe sie ihm, geraten, ein Gegengutachten anfertigen zu lassen. Wie ebenfalls von uns berichtet, ist der Inex-Gutachter in seinem Bericht zu dem Schluss gekommen, dass das Futtergras zwar noch immer kontaminiert ist, Seuberth aber den bewussten Futteracker heuer noch gar nicht geerntet habe. Diese Einschätzung würde den Verdacht aufwerfen, Seuberth habe die Versicherung betrügen wollen. Allerdings wird übersehen, dass es etliche Zeugen gibt, die Seuberth am Pfingstsamstag haben Futtergras ernten sehen.

Nur zögerlich zugegeben

Auch die Gemeindeverwaltung ist im Besitz des Gutachtens, auch wenn die Verantwortlichen es nur sehr zögerlich gegenüber Christiane Kolbet zugegeben haben. Diese Woche versuchte die Gemeinderätin, für den Bürger Seuberth in das Gutachten Einsicht zu bekommen, über das der Inex-Geschäftsführer schon öffentlich geredet hat. Auch in jener Pressekonferenz im Weisendorfer Rathaus, zu der der Geschädigte allerdings nicht geladen war. Christiane Kolbet ist mit der Einsichtnahme gescheitert, genauso wie Robert Seuberth, der Bürgermeister Alexander Tritthart nochmals per Telefon um Einsicht gebeten habe. Aus "urheberrechtlichen Gründen" müsse man dies verweigern, es diene nur "internen Zwecken". Der Anwalt von Seuberth wird nun einen letzten Versuch bei der Axa-Versicherung machen und dann die Klage einreichen. Christiane Kolbet wird weiter der Verwaltung Fragen zum Thema stellen. Auf klare Antworten wartete sie bisher vergeblich, sagt sie. "Befremdlich" findet sie den Umgang mit dem Geschädigten. "Man trägt im Rathaus nicht zur Aufklärung bei, legt keine Fakten auf den Tisch."   

INGRID JUNGFER

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