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Sonntag, 20.09.2020

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Kulturhauptstadt: Landkreis unterstützt Nürnberg bei Bewerbung

Das Nürnberger Land habe "Potenzial ohne Ende" - 13.08.2020 20:19 Uhr

Noch in der Sitzung übergab Landrat Armin Kroder (links) die frisch unterschriebene zweite Absichtserklärung an "Mr. Kulturhauptstadt", Prof. Dr. Hans-Joachim Wagner.

© R. List


Bevor Landrat Armin Kroder die für das alles entscheidende zweite Bewerbungsbuch notwendige Absichtserklärung noch in der Sitzung des Kreisentwicklungsausschusses unterzeichnete, stellte Prof. Dr. Hans-Joachim Wagner und damit "die zentrale Person auf dem Weg Nürnbergs zur Kulturhauptstadt" (Kroder) den Räten die Grundzüge der ehrgeizigen Bewerbung um das bedeutendste Kulturprojekt Europas vor.

"Blick in die Zukunft"

Der Landrat gratulierte dem Gast zum Erfolg in der ersten Runde Ende 2019, nach der die sächsischen Konkurrenten Dresden und Zittau sowie das thüringische Gera ausschieden. Auch bei der zweiten Etappe, dem bis 21. September laufenden "Call for Ideas", auf der sich Nürnberg gegen Chemnitz, Magdeburg, Hannover und Hildesheim durchzusetzen hofft, lasse der Landkreis Nürnberg nicht allein. Schließlich gehe es dabei nicht "nur um ein Schautanzen, sondern um einen Blick in die Zukunft".

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Die immense Bedeutung des Titels einer Kulturhauptstadt – den bislang nur drei deutsche Städte und Regionen (1989 West-Berlin, 1999 Weimar und 2010 Essen-Ruhrmetropole) tragen durften und den sich der deutsche Gewinner 2025 mit einer Stadt aus Slowenien teilen wird – unterstrich auch Prof. Wagner.


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Neben "einem Jahr voller Kunst und Kultur für die Menschen aus Nürnberg und Europa" biete das Prädikat "Kulturhauptstadt" auch den Rahmen, aller Welt zu zeigen, was die Region leisten kann. Nürnberg geht mit drei zentralen Begriffen ins Rennen: Humanity, Activity (Arbeiten und Spielen) und Community (das Miteinander), sagte Wagner. Ziel sei eine nachhaltige Stärkung der Stadt Nürnberg und der nach ihr benannten europäischen Metropolregion (EMN).

Corona-Pandemie als Herausforderung?

Keinen Hehl machte der Musikwissenschaftler, der seit Januar 2019 das Nürnberger Bewerbungsbüro leitet, daraus, dass er fest davon überzeugt ist, den renommierten Titel in die Noris zu holen – auch wenn ihm wegen der Corona-Pandemie vor dem "Finale" ein wenig flau ist: Kann die Jury im Oktober wie geplant nach Nürnberg kommen? Findet die zweite Präsentation in Berlin analog statt oder doch digital? "Das wäre eine besondere und ganz andere Herausforderung", sagte er, "statt bei einer neunstündigen Stadtführung müssten wir Nürnberg dann in einem dreistündigen Film präsentieren."

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Im zweiten "Bid Book" (Abgabetermin: 21. September) müssen Wagner und sein Team darstellen, inwieweit sich die Region an der Bewerbung beteiligt. Je umfassender sie das tut, desto besser die Chancen auf den Zuschlag. Dazu gehört auch, dass die Partner sich in der zweiten Absichtserklärung verpflichten, Nürnberg nicht nur mit möglichst vielen Projekten zu unterstützen, sondern auch finanziell. Richtwert für Letzteres: Um ein international wettbewerbsfähiges Programm zusammenzustellen, benötigt die Kulturhauptstadt-gGmbH einen Euro pro Einwohner pro Jahr (für den Zeitraum 2021 bis 2025).

Jeder Euro fließt zurück

Die Partnerkommunen und Landkreise beteiligen sich dabei ausschließlich an den operativen Programmkosten, die bei ihnen vor Ort anfallen – mit einer sogenannten "Kickback-Garantie", sprich: "Jeder investierte Euro fließt zurück in die betreffende Gebietskörperschaft", sagte Wagner. Der Kulturmanager gab auch einen kurzen Einblick in die sechs großen Themenfelder, für die Arbeitsgruppen zahlreiche Projekte erarbeitet haben: Handwerk, Industriekultur und Zukunft der Arbeit; Digitalisierung und Kulturerbe; Teilhabe und Diversität; Kulturtourismus; Spiel(en); Totalitarismus und Menschenrechte.

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In einige davon fließt auch kräftig Hirnschmalz aus dem Landkreis. Altdorf etwa will unter dem Schlagwort "Im Blickwechsel" mittels Augmented und Virtual Reality sowie eines Fernrohrs, das an ein vom dort lehrenden Professor Johann Heinrich Müller im 18. Jahrhundert angeschafftes Teleskop erinnert, einen Blick werfen von der ehemaligen Sternwarte der Uni Altdorf zur Sternwarte Nürnberg und weiter bis zu den größten Weltraumteleskopen der Erde in La Palma und Chile. Oder von der Kaiserburg Karls IV. über die Kaiserburg in Lauf in die Partnerstadt Prag, um so internationale Verknüpfungen aufzuzeigen.

Riesenchance für Region

Und zum Thema Totalitarismus hätten sich Klaus Petersen und Christl Schäfer-Geiger mit dem "ernsten Thema" KZ-Außenlager Hersbruck beschäftigt und ein Projekt entwickelt, um "Orte des Leidens in Orte des Menschenrechts zu verwandeln", sagte Bürgermeister Robert Ilg. Er dankte dem Kulturmanager für dessen "herzerfrischenden Optimismus" und unterstrich für seine Freie Wähler-Fraktion, dass "wir A gesagt haben und heute B sagen werden – und dann auch noch C und D, um die Riesenchance für die Region zu nutzen, über die Grenzen hinaus noch besser bekannt zu werden". Zugleich brachte Ilg die "tolle Kunstszene" in und um Hersbruck ins Spiel – auch sie könnte das Programm für die Kulturhauptstadt bereichern.


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Kirchensittenbachs Rathauschef Klaus Albrecht wollte wissen, ob auch die in seinem Ort häufig zu findenden Burgen, Schlösser und Kirchen einbezogen werden. Wagners offenherzige Antwort darauf: "Die Region ist unglaublich reich an diesen Bauwerken, wir wären ja dumm, damit nicht zu wuchern.

"Weitere konkrete Projekte könnten auch noch 2021 entstehen, sagte er auf entsprechende Nachfrage von Christiane Lischka-Seitz (Grüne), im Programm sei "nichts in Stein gemeißelt". Im Gegenteil: Sein Ziel sei, ein Fünftel des künstlerischen Etats "offen zu lassen", um noch Neues zu entwickeln. Landrat Armin Kroder rief jeden auf mitzumachen, das Nürnberger Land habe "Potenzial ohne Ende". Er sei froh, dass Nürnberg "als große Lok den Zug zieht und wir die Chance haben, als Waggons dabei zu sein oder als kleine Lok, die kräftig mitzieht".Auch Andrea Lipka (SPD) freute sich darüber, dass noch Luft sei für weitere Ideen und Projekte. Gerade die Corona-Krise habe gezeigt, wie schnell sich sicher geglaubte Dinge ändern können, und zugleich die Möglichkeit eröffnet, dass "vielleicht Neues entsteht".

Klaus Porta

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