Freitag, 24.05.2019

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Krankenhaus Hersbruck wird endgültig dicht gemacht

Alle Belegärzte haben bereits gekündigt - 02.04.2019 08:10 Uhr

Personalmangel ist einer der Hauptgründe, warum das Krankenhaus in Hersbruck dicht machen muss. © M. Schuster


Die noch verbliebenen fünf internistischen Belegärzte haben gekündigt. Anfang vergangener Woche ging laut Thomas Grüneberg, Geschäftsführer der Krankenhäuser Nürnberger Land GmbH, die Kündigung des Belegarztvertrages der beiden am Krankenhaus Hersbruck angesiedelten internistischen Praxen ein.

Laut Grüneberg geschieht das Aus aus Personalmangel. "Es gibt offenbar große Probleme mit der Besetzung von Assistenzarztstellen." Das habe natürlich mit der geplanten Schließung des Standortes Hersbruck zu tun. Aber nicht nur. "Kleine Klinikstandorte sind für viele junge Ärzte einfach nicht attraktiv genug. Sie bekommen anderswo bessere Angebote."

Finanzielles Desaster

Die Reduzierung der Bettenzahl sei neben dem Personalmangel der Knackpunkt gewesen, sagt Dr. Hans Kolb, der Sprecher der Belegärzte. Die einst 60 Betten wurden auf die Hälfte reduziert. Die Rechnung sei da einfach: weniger Betten, weniger Patienten, weniger Einnahmen. "Wir haben wiederholt betont, dass wir das nur bedingt finanziell auffangen können", erklärt Kolb. "Was sollen wir machen?", fragt er ratlos.

Die Kündigung der Belegärzte sei "eine Botschaft, die schmerzt", sagt Hersbrucks Bürgermeister Robert Ilg im Gespräch mit der HZ. Und weiter: "Ich hätte mir gewünscht, dass das Klinikum Nürnberg hier mehr unterstützt hätte."

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Das Klinikum Nürnberg, betont Grüneberg indes, habe die vorzeitige Schließung des Standortes Hersbruck nicht vorangetrieben. Im Gegenteil: Noch vor kurzem seien 50.000 Euro in die Infrastruktur in Hersbruck investiert worden. Geplant gewesen sei die Errichtung einer kleinen Intermediate Care Station mit vier Betten im zweiten Stock, auf der Patienten versorgt werden können, die intensiv pflegerisch betreut und überwacht werden müssen. "Wir wollten darüber hinaus zusätzliche zehn Betten schaffen, weil uns die Kollegen sagten, dass der Betrieb mit 30 Betten wirtschaftlich schwierig ist". Dazu sei es nun nicht mehr gekommen.

Engpässe bei Grippewelle

Die Krankenhäuser Nürnberger Land GmbH will sich nun darum bemühen, die Betten aus Hersbruck so schnell wie möglich ans Laufer Krankenhaus zu holen. "Wir brauchen sie, das ist klar", so Geschäftsführer Thomas Grüneberg. Die vorzeitige Schließung von Hersbruck, räumt er ein, könne im Herbst und Winter, wenn die nächsten Grippewellen rollen, durchaus zeitweilig zu einer angespannten Versorgungssituation führen.

Im bayerischen Krankenhausstrukturplan ist die Verlagerung der Betten von Hersbruck nach Lauf bereits eingeplant und genehmigt. Auch der Förderantrag ist bereits gestellt. Man hoffe auf eine Genehmigung bis Mitte des Jahres, erklärt Grüneberg. Das Pflegepersonal wolle man gerne übernehmen: "Wir sind über jede gute Kraft dankbar". Heute will das Krankenhaus die Mitarbeiter über die Schließung informieren. "Jeder bekommt ein Angebot".

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Weiterlaufen wird laut Grüneberg die chirurgisch-orthopädische Gemeinschaftspraxis Dr. Werner Kronenberg und Dr. Johannes Seitz, die in den Räumen des Hersbrucker Krankenhauses auch weiter operieren wird, sowie die ärztliche Bereitschaftspraxis, die außerhalb der üblichen Öffnungszeiten niedergelassener Ärzte, insbesondere am Wochenende, geöffnet hat. Auch die private IPK Intensivpflegeklinik, die neben Hersbruck auch in Schwaig ansässig ist, bleibt offenbar am Standort.


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Was aber bleibt nach der Schließung des Krankenhauses für Hersbruck? Die Gespräche über ein Ärztehaus im Posthof liefen gut, so Bürgermeister Ilg. Er bemühe sich, dass dieses Ärztehaus auch Praxisbetten umfasse. Und er erwarte vom Klinikum Nürnberg, dass es so lange die Infrastruktur im Krankenhaus sowohl für die chirurgisch-orthopädische Gemeinschaftspraxis als auch für den Bereitschaftsdienst aufrechterhalte. Von all den anderen Ankündigungen des Klinikums, sei es der im Hersbrucker Krankenhaus angedachte Ausbildungsstandort für junge Ärzte oder dergleichen, sei bislang nichts angekommen. Noch vor einem Jahr hatte das Klinikum in einem Gespräch mit Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml seine Absicht erklärt, in Hersbruck ein ambulantes Gesundheitszentrum zu realisieren.

Gespräche laufen

Man werde versuchen, die Gespräche über ein Gesundheitszentrum für Hersbruck in der City zu intensivieren, das Gesundheitsministerium sei involviert, sagt Landrat Armin Kroder. Aktuell seien zwei Konzepte in der Diskussion. Der Landrat ist ehrlich: "Letztlich geht es aber auch da ums Geld." 

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