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Von der Turmburg zu Cronheim

Siglinde Buchner veröffentlichte ihre neuesten Erkenntnisse über die Schlossgeschichte - 02.06.2019 07:25 Uhr

Epitaph des Hans von Leonrod (gestorben 1544) mit zwei Ehefrauen und zehn Kindern in der Arberger Kirche. Er hatte die einstige Burg zu einem zweiflügeligen Schloss ausbauen lassen. © Siglinde Buchner


Aus einer Vielzahl von Urkunden, aus Prozessakten, aus Kirchenbüchern und anderen Archivalien sowie anhand handfester Zeitzeugnisse wie Grabsteinen und Familienwappen ist es ihr gelungen, die Chronologie des Schlosses und die Familiengeschichten seiner Bewohner zu beleuchten.

Als trutzige Turmburg an der Kreuzung zweier ehemaliger Römerstraßen gegründet, beherbergte die bereits von einem Wassergraben umgebene Burg einige Generationen der Herren von Cronheim. Siglinde Buchner hat die Namen der frühen Burgherren ermittelt: Um 1140 gab es einen Burkhardt von Cronheim, es folgten Marquard und Adilbert, die um 1200 in Auhausen eine Mühle errichten wollten. Damals gab es einen Prozess und viel Streit, doch für die Heimatforscherin Buchner ist so etwas ein Glücksfall, denn über die Gerichtsakten konnte sie die einstigen Schlossbesitzer ausfindig machen.

Eine besonders lange Zeit als Schlossherr war dem Ritter Hans von Cronheim beschieden. Er baute die Turmburg aus und machte daraus der unsicheren Zeiten wegen eine von einem breiten Graben umgebene Wasserburg, von der heute noch der Cronheimer Schlossweiher zeugt. Zu seiner Zeit war auch der gefürchtete Raubritter Eppelein von Gailingen Gast in der Burg.

Aus dem Jahr 1477 ist am Kirchhoftor noch das Wappen der Herren von Cronheim erhalten, damals errichtete Wilhelm von Cronheim, der ein Mitglied des Schwanenritter-Ordens war, eine neue Umfassungsmauer um Kirche und Schloss. Sein Grabstein ist übrigens in der Cronheimer Pfarrkirche zu finden.

Baugeschichtlich interessant wurde es dann wieder im 16. Jahrhundert: Zwischen 1572 und 1574 ließ Matthias von Leonrod die Burg zu einem zweiflügeligen Schloss ausbauen. Richtig geklotzt hat dann noch einmal Friedrich von Eyb. Seine Eybburg, die er einst als bischöflich-eichstättisches Lehen empfangen hatte, verpfändete er, um fortan tüchtig in Cronheim zu investieren. Aber bereits 1604 war klar – der Bauherr hatte sich ziemlich übernommen und musste sein Schloss an seinen Schwager Hans Konrad Geyer von Giebelstadt zu Goldbach verpfänden.

1631 ein schwarzes Jahr

Jetzt kam eine Zeit, in der Schloss und Rittergut von auswärtigem Adel dominiert wurden. Das Jahr 1631 war ein schwarzes Jahr für das Cronheimer Schloss und den ganzen Ort: Im Zuge der Plünderungen im Dreißigjährigen Krieg wurde auch das Schloss von katholischen Soldaten ausgeraubt. Waffen und Munition wurden dort gelagert, und jeder nahm offenbar mit, was nicht niet- und nagelfest war. Aus dem Jahr 1632 ist in einem Bericht des Vogts Gruewinkler zu lesen: "Schloss und Dorf wurden ausgeplündert, die Untertanen wurden zum Teil verjagt, der Rest hat sich der Hungersnot wegen entfernt." "Cronheim, ein Geisterdorf" – so formuliert es Siglinde Buchner.

Von 1661 bis 1796 kehrten wieder geordnetere Zustände ein. Cronheim wurde Sitz eines bischöflich-eichstättischen Vogtamts. Aber die Zeiten waren beileibe nicht friedlich, denn 1707 gab es einen Überfall der markgräflichen Regierung samt einem echten Entführungsfall. Die Täter hatten sich – wie soll es anders sein – dann mit ihren Opfern nach Gunzenhausen zurückgezogen. Anschließend gab es um die Zugehörigkeit Cronheims noch allerhand Schriftkrieg zwischen dem Eichstätter Bischof und den Markgrafen.

1792 wurden die markgräflichen Fürstentümer dem preußischen Königreich einverleibt, und damit gab es in Cronheim bischöfliche und preußische Untertanen gleichermaßen. Aber es dauerte nicht lange, da hatten die Preußen die Macht an sich gerissen. Von 1802 bis 1803 beherbergte das Schloss dann ein kurbayerisches Vogtamt, aber schon 1803 schenkte Kurfürst Max Josef seinem Minister das Cronheimer Schloss und die Eybburg, dazu allerhand Grundbesitz. Dieser Minister hieß Graf Maximilian von Montgelas. Dieser war ein gewiefter Geschäftsmann und verkaufte seine Cronheimer Liegenschaften schon 1804 wieder an den Preußenkönig. Damit verlor das Schloss seinen herrschaftlichen Status.

Gleich doppelt bezahlt

Was dann geschah, bezeichnet Siglinde Buchner als "Ironie der Geschichte": Nur zwei Jahre lang besaß der preußische König das Schlossgebäude, hatte schon zwei hohe Jahresraten an Montgelas bezahlt, als Kaiser Napoleon Kurfürst Maximilian Joseph zum bayerischen König ernannte und ihn mit Ländereien, darunter das Preußische Fürstentum Ansbach, entschädigte. So kam der bayerische König wieder in Besitz seines Schlosses, das er doch seinem Minister geschenkt hatte. Allerdings musste er als Rechtsnachfolger des preußischen Königs seinem Montgelas noch ausstehende Raten bezahlen. Der schlaue Montgelas hatte also nicht nur ein Schloss vom König geschenkt bekommen, am Ende musste dieser nochmals dafür bezahlen.

Kein Wunder, dass der bayerische Monarch schließlich die ganze Cronheim-Geschichte vom Hals haben wollte. Während der König mehr als 130 000 Gulden bezahlt hatte, wurde das Anwesen dann aber recht günstig für nur 2500 Gulden an den Cronheimer Pfarrer und einige Cronheimer verkauft. Mit fatalen Folgen für das Schlossgebäude: Das Schloss wurde zum bürgerlichen Mietshaus und während 1807 noch 16 bis 18 bewohnbare Räume gelistet waren, hatten die Napoleonischen Truppen dort Quartier bezogen und das Gebäude ziemlich ruiniert.

Wer sich näher für die bewegte Schlossgeschichte und deren Besitzer interessiert, kann das reich bebilderte, 60-seitige Heft im Museumsshop des Cronheimer Museums und in Gunzenhausen in der Buchhandlung Pfahler erwerben. 

BABETT GUTHMANN E-Mail

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