Donnerstag, 19.09.2019

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Schnelles Internet: Es gibt noch weiße Flecken

Stadt Gunzenhausen will das Internet-Problem mit Fördermitteln lösen - 22.08.2019 05:55 Uhr

Eine bessere Breitbandversorgung ist jetzt unter anderem auch für das Surfzentrum Schlungenhof und den dahinter liegenden Wohnmobilplatz in Sicht. Möglich macht dies ein Förderprogramm des Freistaats, das etwas salopp mit „Höfebonus“ umschrieben wird. © Foto: Zweckverband Altmühlsee/Lufdi


Die Digitalisierung ist keine öffentliche Aufgabe, die mit nur einer Investition und einer geschickten Finanzierung zu bewältigen wäre. Das wurde wieder einmal in der jüngsten Sitzung des städtischen Ausschusses für Hauptangelegenheiten, Finanzen und Digitalisierung deutlich. Horst Schäfer, der Medienbeauftragte im Rathaus, blickte zurück und nach vorn.

Grund zur Zufriedenheit hatte er, weil die Altmühlstadt bei einem bayerischen Programm zur Breitbandförderung zum Zuge gekommen ist. Der Zuwendungsbescheid beläuft sich über satte 778 400 Euro. Es handelt sich um ein vor zwei Jahren gestartetes Programm. Mit dessen Hilfe sollen vor allem dünn besiedelte Flecken Bayerns mit schnellem Internet erschlossen werden, der sogenannte "Höfebonus". Gemeint sind in erster Linie Kommunen mit vielen Streusiedlungen und Hoflagen. Gerade diese Kommunen mit ihren noch unversorgten Bereichen werden zusätzlich unterstützt. 2017 war von insgesamt 400 Millionen Euro und einer Anhebung des Fördersatzes auf 80 Prozent die Rede.

Trotz aller Erfolge gibt es auch im Gunzenhäuser Stadtgebiet noch weiße Flecken. Wie Andreas Zuber, der zweite städtische "Breitbandpate" neben Horst Schäfer, darlegte, konzentriert sich die Stadt jetzt auf die Tierkörperbeseitigungsanlage, das Surfzentrum Schlungenhof, den dahinter liegenden Wohnmobilstellplatz und auf Unterhambach mit den umliegenden Betrieben. Aus dem Rathaus werden nun Aufträge an die Telekom vergeben, und dieses Versorgungsunternehmen führt die Arbeiten zum Glasfaser-Ausbau durch – etappenweise. Das kann einige Jahre dauern. Ein Grund dafür ist die optimale Auslastung der Bauunternehmen, da bleibt wenig Raum für weitere Aufträge. Der Auftraggeber muss sich also etwas in Geduld üben.

Zunächst Markterkundung

Andreas Zuber erwähnte auch ein Bundesförderprogramm, das für Gunzenhausen in Frage kommen könnte. Es richtet sich an Gewerbe- und Industriegebiete. Spruchreif ist hier noch gar nichts, erst einmal wird bei Firmen eine Markterkundung durchgeführt. "Auf dem Schirm" haben Zuber und Schäfer diese eventuelle Geldquelle aber sehr wohl.

Der Bayerische Gemeindetag führte vor kurzem seine Verbandstagung in Augsburg durch. Ministerpräsident Markus Söder war ebenso dabei wie der Gunzenhäuser Bürgermeister Karl-Heinz Fitz und zeitweise sein Mitarbeiter Horst Schäfer. Sie hörten, wie beispielsweise die Stadt Coburg bei der Digitalisierung voranschreitet. Die Aufgabe ist durchaus mit der in Gunzenhausen zu vergleichen, wobei Coburg deutlich größer und finanzstärker ist. Andererseits steht die Altmühlstadt gar nicht so schlecht da, weiß der Bürgermeister und riet zu Gelassenheit, ohne die Ziele aus den Augen zu verlieren.

In Augsburg war zu hören, dass der Breitbandausbau in den einzelnen Städten höchst unterschiedlich voranschreite. So sei der Ruf nach einem gewissen einheitlichen Stand in Bayern laut geworden. In der offiziellen Stellungnahme des Städtetags liest sich das so: Der digitale Wandel in Kommunen sorge für ein komplexes Spannungsfeld. Der digitale Wandel erfordere Kreativität mit Gestaltungswillen und birge das Risiko in sich, gelegentlich zu scheitern. Städte müssten ein Maß finden zwischen analogem Zeitaufwand und digitaler Beschleunigung von Kommunikationsprozessen.

Dabei sei Offenheit und gleichzeitig Vorsicht geboten, um die Kontinuität einer seriösen und verantwortungsvollen Verwaltung sicherzustellen. Das Verhältnis müsse ausgewogen bleiben, um neue Datenquellen erschließen zu können und Daten zu veredeln, ohne darüber den Schutz von Daten und der persönlichen Belange der Menschen zu verletzen. "Städte dürfen nicht zu Getriebenen der Interessen der Wirtschaft werden, sie wägen Chancen und Gefahren von technischen Innovationen ab", so die Zwischenbilanz des Städtetags.

Was Gunzenhausen, seine Bevölkerung, Dienstleister und Betriebe eigentlich in Sachen Digitalisierung wollen, was ihnen vorschwebt, will Horst Schäfer in einer öffentlichen Veranstaltung am 6. November abklären. Es soll um "Smartes Land – von der Smart City zur digitalen Revolution" gehen. Einfacher gesagt: Die Stadt hofft auf Ideen für ein digitales Gunzenhausen und um Äußerungen, was die Digitalisierung tatsächlich für die Menschen bedeutet.

Horst Schäfer weiß selbst, dass sein Konzept noch nicht ausformuliert ist. Er hofft, Partner zu finden, die mit ihm den 6. November stemmen und langfristig an der Seite der Stadt stehen, wenn die nächsten Schritte der Digitalisierung konkret werden.

Ganz sicher sind die nächsten, die 22. Gunzenhausener IuK-Tage. Zu der Tagung laden neben der Stadt auch der Gemeindetag, der Städtetag, der Landkreistag und der Bezirketag ein. Wie schon bei allen früheren Veranstaltungen dieser Art steht die digitale Verwaltung im Fokus. Termin: 25. und 26. September in der Stadthalle.

Änderung steht an

Im Ausschuss für Hauptangelegenheiten, Finanzen und Digitalisierung kam auch der städtische Datenschutzbeauftragte Thomas Engelhardt zu Wort. Er wies auf das Onlineportal ingunzenhausen.de hin.

Dessen Karten basieren auf googlemaps, doch das ändert sich gerade. Künftig soll OpenStreetMap zur Anwendung kommen. Ein Prototyp, der zeigt, wo sich die Mitgliedsfirmen genau befinden, wurde erstellt und funktioniert. Als Grund für die Veränderung nannte Engelhardt den angestrebten besseren Datenschutz. Und die Darstellung auf Karten könne noch weitergehen, etwa Behörden und Spielplätze umfassen. 

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