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Dienstag, 11.08.2020

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Merkendorf: Hans Popp hört auf

Nach 18 Jahren als Bürgermeister ist er nur noch wenige Tage Chef im Rathaus. - 28.04.2020 06:39 Uhr

Der Ausbau des Freizeitzentrums Weißbachmühle war dem scheidenden Bürgermeister eine echte Herzenssache.

© Petra Mai


Es ist "wohl eine kommunalpolitische DNA", die den 62-Jährigen nach seinen Aussagen angetrieben hat – und die ihn auch in Zukunft nicht komplett verlassen wird. Denn Hans Popp trat zwar nicht mehr für eine weitere Periode als Bürgermeister an, wohl aber ist er im Kreistag und Bezirkstag aktiv. Dort will er Merkendorf weiter vertreten.

Stadtrat, Bürgermeister, Kreisrat, Bezirksrat: "Es war immer eine Steigerung da", meint Popp. Das habe es für ihn auch so interessant gemacht. Doch warum hatte er sich einst überhaupt für die Kommunalpolitik entschieden, obwohl er doch als Vertriebsleiter bei Siemens einen guten Job hatte? Nur wegen der DNA?

"In einer Gemeinde kann man ganz konkret arbeiten", sagt er. "Man kann gestalten und Leuten helfen." Am Anfang sei die Arbeit als Bürgermeister freilich gewöhnungsbedürftig gewesen, gibt er zu. Er habe nicht damit gerechnet, dass es so viele Abend- und Wochenendtermine geben würde. Da seien so manche persönlichen Freunde fast auf der Strecke geblieben. "Aber daran gewöhnt man sich einfach, irgendwann wird das selbstverständlich."

Außerdem würden viele Termine auch etwas zurückgeben. Die Trauungen an den Samstagvormittagen zum Beispiel. Bei 153 Paaren hat er als Bürgermeister das Ja-Wort gehört: "Das hab ich schon gern gemacht." Auch Veranstaltungen oder Vereinstreffen waren für Popp durchaus eine Bereicherung. "Man lernt die Menschen und ihre Bedürfnisse kennen. Das ist die Basis für meine Arbeit."

 

Große Aufgabenfülle

 

Das alles war ihm in der Anfangszeit als Bürgermeister natürlich noch nicht so klar. Trotzdem war es für Hans Popp von Beginn an selbstverständlich, dass er diese Termine, bei denen andere Personen längst ihre Freizeit genießen, wahrnehmen wird. "Die Leute erwarten das." Allerdings seien im Laufe der Jahre immer mehr Aufgaben auf die Kommunen und damit auf ihre Bürgermeister zugekommen. "Doch man wird routinierter." Die Vorbereitungen zu Versammlungen, Sitzungen, Trauungen und dergleichen gingen schneller von der Hand. "Man gewinnt dadurch mehr Freiräume."

Wenn Hans Popp auf all die Projekte und Meilensteine seiner Merkendorfer Kommunalpolitik zurückblickt, kommt einiges zusammen. Er hat die wichtigsten Themen einmal aufgeschrieben und rund sechseinhalb eng beschriebene DIN-A4-Seiten voll bekommen.

18 Jahre lang war er Chef im Merkendorfer Rathaus: Bürgermeister Hans Popp.

© Petra Mai


Da gibt es dann die vielen Pflichtaufgaben, wie Abwasserbeseitigung, Straßensanierungen, Gebäudeinstandsetzungen und dergleichen, "aber diese Pflichtaufgaben sind für die Leute normal". Immer wichtiger für eine Gemeinde als Ansiedlungs- und Wohnort seien die weichen Faktoren geworden. Hier denkt Popp spontan an das neue Bürgerzentrum, das Steingruberhaus, den Treffpunkt Stadtgraben, den Jugendfußballplatz oder das Freizeitzentrum Weißbachmühle. Bei Letzterem habe er schon als Kind geholfen, den Badeteich anzulegen und war lange Jahre bei der Wasserwacht aktiv. "Da habe ich meine Kindheit und Jugend verbracht, und es war mein Ziel, das Bad zeitgemäß auszubauen."

 

Impulse aus den Arbeitskreisen

 

Insgesamt seien die realisierten Projekte nicht zufällig entstanden, erklärt Popp. Es habe immer einen Fahrplan gegeben. Denn viele Visionen seien über Arbeitskreise entstanden. "Diese Ideen habe ich mir immer wieder angeschaut."

Doch nun ist die Zeit als Bürgermeister für den 62-Jährigen zu Ende. Noch einmal sechs Jahre im Amt wären ihm vermutlich gesundheitlich sehr nahe gegangen, sagt er. Man brauche mit zunehmendem Alter mehr Regenerationszeit, man rege sich mehr auf, der Kampfgeist werde schwächer. "Den braucht man aber als Bürgermeister." Außerdem "wollen die Leute auch mal ein neues Gesicht sehen".

Aus der direkten Politik in Merkendorf will sich Hans Popp künftig heraushalten. Was er mit seiner neu gewonnenen Zeit anstellen wird, ist ihm allerdings noch nicht so ganz klar. Ein E-Bike wird er sich wohl kaufen, dann viel Fahrrad fahren, möglichst ein bisschen abnehmen – er sieht’s entspannt: "Das lasse ich alles auf mich zukommen."

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