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Markt Berolzheim: Metzgermeister geht neue Wege

Robert Prosiegel will Betrieb auf ethisch verantwortliche Zielsetzung ausrichten - 26.12.2018 08:07 Uhr

Mit dem Aufbau einer Stiftung realisiert Robert Prosiegel Überlegungen, die ihn schon länger umtreiben. © Firma Prosiegel


Zweck der Maßnahme ist es, die eigene Metzgerei zu einem anthroposophisch geführten Betrieb mit ökologischer Landwirtschaft und angegliedertem Seminar-/Erlebniszentrum auszubauen. Prosiegel führt das 1848 gegründete Familienunternehmen bereits in der fünften Generation. Seit längerem schwelen in ihm Gedanken, Verbraucher und Kollegen für schonende Konzepte im Umgang mit Tieren, Pflanzen und den Ressourcen der Erde zu sensibilisieren. Eine überstandene, lebensbedrohliche Erkrankung gab letztlich den Ausschlag, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. In Vorträgen und drei auf dem Videoportal YouTube zu sehenden Filmen gibt er seine Erfahrungen und Erkenntnisse weiter.

Um seine Vision verwirklichen zu können, will der Initiator mit Unterstützung der Universität Würzburg die Metzgerei Prosiegel-Stiftung ins Leben rufen. Als Kapital würde der Metzger für 50 Jahre rund 900 Quadratmeter Grund an der Felderstraße in Markt Berolzheim samt Betriebsgebäude, ehemaliger Gastwirtschaft und Saalbau einbringen.

In den verschiedenen Örtlichkeiten sind themenbezogene Kurse, Tagungen, praktischer Unterricht über gesunde Ernährung oder Ganztierverwertung sowie Lehrgangsveranstaltungen zu philosophischen Fragen geplant. Auf angrenzenden Weiden ist die artgerechte Haltung, Schlachtung und Verarbeitung alter Mehrnutzungs-Rinderrassen, wie beispielsweise das "Fränkische Gelbvieh" vorgesehen.

Finanzielle Förderung erhofft sich der Berolzheimer Unternehmer und Chef von insgesamt sieben Mitarbeitern von interessierten Organisationen und Experten aus Anthropologie, Wirtschaft und Bio-Landbau. Die Metzgerei von Robert Prosiegel ist seit 2007 bio-zertifiziert und stellt etwa die Hälfte des Warenangebots aus ökologischen Rohstoffen her.

Unter anderem wird mit "belebtem Wasser" produziert, das entgiftend wirken und das Immunsystem stärken soll. Für den Aufbau und rechtlichen Status der anvisierten Stiftungserrichtung liegen ebenfalls schon konkrete Entwürfe in der Schublade. So sucht der Gründer für die Metzgerei bereits aktiv einen Meister, der neben fachlicher Kompetenz auch "Aufgeschlossenheit und eine christliche Grundeinstellung" mitbringt.

Als Vordenker seines Projekts im Sinn einer ethisch verantwortlichen Kombination von Landwirtschaft, Viehzucht und Metzgerei sieht Prosiegel den Anthroposophen Rudolf Steiner. Mustergültig umgesetzt wird dieser Ansatz – nach Ansicht des Berolzheimer Fleischermeisters — aktuell von den Demeter-Betrieben, den Herrmannsdorfer Landwerkstätten (Glonn) und der Tagwerk-Biometzgerei (Niederhummel-Langenbach).

Prosiegels Philosophie kann auf der hauseigenen Internetseite und in einem voraussichtlich zum Jahresende erscheinenden Buch mit dem vielsagenden Titel "Klarheit? Brauch‘ ich das?" (Softcover, Preis 19,50 Euro) nachgelesen werden. Der Erlös des Buches wird in die neue Prosiegel-Stiftung mit ihren Projekten fließen.

Uli Gruber E-Mail

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