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In Gunzenhausen steht die Post unter Strom

Eigene Auto-Entwicklung heißt "Streetscooter" — Klagen über "Kinderkrankheiten" - 15.11.2017 17:31 Uhr

Strom-Tankstelle: Die Elektroautos holen sich auf dem Postgelände in Gunzenhausen ausreichend „Saft“ für die Fahrten am nächsten Tag. © Daniel Hertwig


Zehn Fahrzeuge mit Elektroantrieb bei insgesamt 25 Postautos in Gunzenhausen, diese Quote von 40 Prozent kann sich sehen lassen. In ganz Deutschland sind aktuell rund 3000 "Streetscooter" unterwegs, 500 davon in Bayern, wie die Deutsche Post DHL Group auf Anfrage des Altmühl-Boten mitteilt. Weltweit hat das Unternehmen über 90.000 Fahrzeuge im Einsatz, der allergrößte Teil davon noch mit Verbrennungsmotor. In einem Spiegel-Interview kündigte Post-Vorstand Jürgen Gerdes jüngst an, diesem komplette Fuhrpark auf E-Mobilität umstellen zu wollen: "Wir wollen unserer Verantwortung für die Umwelt gerecht werden."

Den "Streetscooter" mit Elektroantrieb hat die Post selbst in den letzten Jahren zusammen mit der Streetscooter GmbH und der RheinischWestfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen entwickelt. Der viereinhalb Meter lange Kastenwagen kann maximal 80 Kilometer zurücklegen, sei aber auf dem Land und in Städten "mit ausgeprägtem Start-Stopp-Verkehr" gut geeignet, so das Unternehmen. Jedes der Elektroautos spare pro Jahr drei Tonnen des Klimagases CO2 und 1100 Liter Diesel. Zudem stoßen sie keine gesundheitsschädlichen Stickoxide aus.

In Gunzenhausen sind die "Streetscooter" laut der Post seit November 2016 auf der Straße. An den fünf Ladesäulen werden die Batterien nach der Zustellung vom Nachmittag bis zum nächsten Morgen aufgeladen. Die Elektroautos seien "wartungsärmer als konventionelle Fahrzeuge" und "in puncto Ergonomie und Beladungsmöglichkeiten für den innerstädtischen Lieferverkehr optimiert", so die Pressestelle. "Unsere bisherigen Erfahrungen sind allgemein überwiegend positiv." Auch die Mitarbeiter sähen den "Streetscooter" als "ihr" Postfahrzeug an, da es zusammen mit den Zustellern entwickelt worden sei.

Hinter vorgehaltener Hand gibt es aber doch Kritik: Ein Gunzenhäuser Zusteller findet das E-Auto zu eng und den Einstieg unpraktisch, zudem reiche der Akku zwar im Sommer aus, im Winter bei laufender Heizung jedoch nicht. Die Fahrzeuge hätten schon mehrmals abgeschleppt werden müssen, so der Postler, der namentlich nicht genannt werden möchte. Auch in anderen Städten berichteten Medien über kritische Aussagen von Zustellern.

Die Gewerkschaften, die sich für die Belange von Postmitarbeitern einsetzen, sehen das firmeneigene E- Fahrzeug insgesamt allerdings auf einem guten Weg. "Zurzeit liegen uns keine aktuellen Beschwerden von Zustellern bezüglich der Nutzung der Streetscooter vor", erklärt Maik Brandenburger, Pressesprecher der Kommunikationsgewerkschaft DPV (DPVKOM) dem Altmühl-Boten. "Viele Probleme, die uns von den Beschäftigten vor bereits längerer Zeit geschildert wurden, wurden offenbar von der Deutschen Post gelöst und abgestellt." Die Kritik der Zusteller werde von der Post durchaus ernst genommen, so die Erfahrung der Arbeitnehmervertreter.

Und auch bei verdi heißt es ähnlich: "Der Streetscooter wurde und wird im Dialog mit den Beschäftigten entwickelt. Dass es dabei die eine oder andere Kinderkrankheit gab oder gibt, ist normal. Schließlich ist es das erste Auto, das die Deutsche Post entwickelt." Sigrun Rauch, die bei der Gewerkschaft für Postdienste, Speditionen und Logistik zuständig ist, meint: "Mit Blick auf die Emissions- und Lärmreduktion, gerade auch in den Innenstädten, ist der Streetscooter eine kluge Idee und er kommt bei den Beschäftigten unterm Strich gut an."

DANIEL HERTWIG E-Mail

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