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Herabfallender Putz: Kirchen im Altmühltal gesperrt

Erhebliche Deckenschäden in den Gotteshäusern in Dittenheim und Markt Berolzheim - 29.12.2018 06:19 Uhr

Ein etwa zwei Quadratmeter großes Stück Decke ist in der Dittenheimer Kirche heruntergebrochen. © Uli Gruber


Gerade erst ist Treuchtlingens langjähriger evangelischer Pfarrer Walter Krewin nach Dittenheim gewechselt, da gibt es dort schon Ungemach: Wie der Geistliche mitteilt, ist im Dittenheimer Gotteshaus St. Peter und Paul kurz vor Weihnachten ein rund zwei Quadratmeter großes Stück der Decke heruntergebrochen.

Als sich der Putz löste, hielt sich laut Krewin glücklicherweise niemand in der Kirche auf. Wegen der Möglichkeit weiterer Schäden und der damit verbundenen Gefahr ist das Gebäude seither für Gottesdienste und öffentliche Veranstaltungen gesperrt. Eine Spezialfirma soll nun schnellstens ein Netz um die „offene Wunde“ in der Deckenstruktur legen.

Erst wenn der Aufenthalt sicher sei, könnten möglicherweise zumindest der linke Kirchenflügel und die Plätze unter der Empore wieder für Gottesdienste genutzt werden, so Krewin. Allerdings sei dies nur eine vorübergehende Lösung, weil St. Peter und Paul wegen weiterer Risse im Deckenbereich ohnhein umfangreiche Sanierungsmaßnahmen ins Haus stehen.

Gemälde sind wohl nicht zu retten

Dem Pfarrer zufolge soll die Renovierung gleich Anfang Januar in die Wege geleitet werden. Dafür gelte es noch, Fördermittel und staatliche Zuschüsse zu beantragen. Erst danach könne es eine Prognose zu Umfang, Dauer und Kosten der Arbeiten geben. Für den Erhalt der aus den 1980er Jahren stammenden Deckengemälde der Kirche besteht nach Einschätzung des Geistlichen allerdings wenig Hoffnung. Damit die Sanierung auch längerfristig Wirkung zeigt, müsse die Decke wohl großflächig erneuert werden. Dies zu beurteilen, obliege jedoch Sachverständigen und Gutachtern.

Auch in St. Maria in Markt Berolzheim klafft seit einigen Tagen ein großes Loch in der Decke. Das Gotteshaus ist ebenso wie das in Dittenheim bis auf Weiteres für die Öffentlichkeit gesperrt. © Martin Lettenmeier


Dittenheims Bürgermeister Günter Ströbel teilt Krewins Einschätzung. Für die Weihnachtsmesse und den Gottesdienst zum Jahreswechsel hat die Kommune der Kirchengemeinde unbürokratisch die Mehrzweckhalle zur Verfügung gestellt. Sie könne vorerst auch weiterhin für größere kirchliche Veranstaltungen genutzt werden. Ansonsten dient das Philipp-Melanchthon-Haus als Ausweichquartier.

Sturm zerrte zu stark am Dach

Ein eher unangenehmer „Segen von oben“ erwartete am Morgen des 24. Dezember auch den Markt Berolzheimer Mesner Reinhold Ernst. Als er an Heiligabend wie gewohnt die Marienkirche aufsperrte, lag der Staub noch in der Luft. Der Boden und die Mittelempore der kleinen Kirche waren mit Schutt und rund drei Zentimeter dicken Putzbrocken übersät. Darüber klaffte ein ebenfalls etwa zwei Quadratmeter großes Loch in der Deckenverkleidung – ganz ähnlich wie im nur wenige Kilometer entfernten Dittenheim. Die darunter liegende Decken­konstruktion war deutlich zu sehen.

Reinhold Ernst, zugleich Vertrauensmann des Kirchenvorstands, informierte Pfarrerin Myriam Krug-Lettenmeier, die die Kirche umgehend sperrte. Gleich nach den Weihnachtsfeiertagen begutachtete sie zusammen mit zwei Fachleuten sowie Vertretern des Kirchenvorstands den Schaden.

Rund zwei Quadratmeter groß ist das Loch, das seit Weihnachten im Deckenputz der Kirche St. Maria in Markt Berolzheim klafft. © Martin Lettenmeier


Dem ersten Urteil von Architekt Jochen Radegast aus Pappenheim und Restaurator Thomas Salveter aus Bachhagel zufolge hat wohl ein Sturm den Dachstuhl des Gotteshauses stark erschüttert, sodass der Deckenputz brach. Auch an weiteren Stellen ist er nun locker. Nach Ansicht der Experten muss jetzt zunächst ein Statiker den gesamten Dachstuhl prüfen und die weiteren Sanierungsschritte einleiten. Auf jeden Fall darf die Kirche bis auf Weiteres nicht mehr betreten werden.

Die Gottesdienste in Markt Berolzheim finden nach Auskunft von Pfarrerin Krug-Lettenmeier ab März in der zweiten evangelischen Kirche St. Michael statt. Im Januar und Februar weicht die Gemeinde aus Kostengründen ins Bischof-Meiser-Haus aus, das günstiger zu beheizen ist.

Wann die Marienkirche wieder regulär genutzt werden kann, ist derzeit nicht absehbar. Angesichts noch ausstehender Gutachten und anschließend notwendiger Ausschreibungen können sich Reparatur oder Sanierung über mehrere Monate hinziehen. 

Uli Gruber/Martin Lettenmeier E-Mail

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