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Gunzenhausen: "Wir werden die Blaualgen nicht los"

Fachleute haben wenig Hoffnung, dass die Wasserqualität im Altmühlsee bald besser wird - 14.12.2019 07:57 Uhr

Saugbagger gegen die Verlandung: Seit mehreren Jahren pumpen Spezialmaschinen pro Saison rund 15 000 Kubikmeter nährstoffreiches Sediment aus dem Altmühlsee.

© WWA Ansbach


Gabriele Trommer, beim Wasserwirtschaftsamt (WWA) in Ansbach zuständig für diese Thematik, konnte jedenfalls keine großen Hoffnungen machen, dass das lästige Problem mit den "Blaualgen" bald gelöst werden könnte. Was im Umkehrschluss heißt: Auch künftig werden immer wieder Urlauber auf dem Weg zum Wasser auf Hinweistafeln stoßen, die ihnen mit der Vokabel "Badewarnung" den Spaß verderben.

Dabei unternimmt das WWA schon seit Jahren große Anstrengungen, das Wachstum der Blaualgen, die eigentlich Cyanobakterien sind, einzudämmen. Seit 2002 werden beispielsweise große Mengen von Weißfischen, vor allem Brachsen, abgefischt. 50 bis 60 Tonnen waren es laut Trommer in den "Spitzenjahren" 2006 bis 2008, seitdem sank die Menge auf jährlich fünf bis zehn Tonnen. Insgesamt dürften es demnach rund 400 Tonnen der Karpfenartigen gewesen sein, die andernorts als Futterfisch Verwendung fanden und finden.

Sinn der Fischerei mit Zugnetzen und Reusen: Wenn die Zahl der Weißfische sinkt, wächst die Population ihrer Beutetierchen, also etwa verschiedener Larven oder Krebstierchen – und die wiederum halten das Algenwachstum in Schach. Außerdem wirbeln weniger Brachsen das Sediment im Altmühlsee weniger stark auf, was wiederum die Menge des Algen-Nährstoffs Phosphor reduziert. Da die Tiere lebend gefangen werden, können die Fischer Raubfische wie etwa Hechte wieder ins Wasser zurückwerfen, wo auch sie ihren Beitrag zur Reduktion des Weißfischbestandes leisten.

(Bade-)Spaßverderber: Auch künftig werden wohl am Altmühlsee immer wieder solche Schilder stehen; das Blaualgen-Problem ist dauerhaft nicht in den Griff zu kriegen.

© Tina Ellinger


Eine weitere Maßnahme zur Verbesserung der Wasserqualität ist das sogenannte "Sedimentmanagement". Dabei entfernen seit 2015 Spezialbagger jährlich rund 15 000 Kubikmeter nährstoffreiche Ablagerungen aus dem See – und erzielen damit einen doppelten Effekt: Sie verhindern eine Verlandung des ohnehin nur gut zwei Meter tiefen Sees, und sie entziehen den Algen einen Teil ihrer Nahrung. Der Schlamm wird abgepumpt, in zwei Becken nahe dem Altmühl-Überleiter getrocknet und dann Landwirten als Dünger zur Verfügung gestellt.

Effekt kaum spürbar

WWA-Expertin Trommer verwies auch darauf, dass inzwischen 14 der 17 Kläranlagen im mehr als 500 Quadratkilometer großen Einzugsgebiet des Altmühlsees mit einer Einrichtung zur chemischen Phosphat-Fällung ausgestattet sind. Die noch fehlenden werden bis spätestens 2021 entsprechend ertüchtigt sein, der Effekt auf die Wasserqualität dürfte jedoch laut Trommer kaum spürbar sein. Womit die Phosphatwerte im Altmühlsee vor allem im Sommer auch weiterhin um ein Vielfaches über den empfohlenen Werten liegen werden.

Immerhin einen kleinen Lichtblick konnte Gabriele Trommer übermitteln: In einer Bewertung nach den Maßstäben der Wasser-Rahmenrichtlinie wurde der Altmühlsee noch 2011 als "schlecht" klassifiziert, sechs Jahre später lautete das Urteil immerhin auf "unbefriedigend".

Kein wirklich glänzendes Zeugnis für den 4,5 Quadratkilometer großen Badesee, weshalb Trommer auch ein ernüchterndes Fazit zieht: "Das Gegensteuern gegen die Verlandung bleibt eine Daueraufgabe", und auch die "Aufgabe der Seesanierung bleibt bestehen". Und auch dem ZVA-Vorsitzenden und Gunzenhäuser Bürgermeister Karl-Heinz Fitz, der sich verständlicherweise um den Ruf des Altmühlsees als Ferienziel sorgt, konnte sie seine Sorgen in Sachen Blaualgen nicht nehmen: "Ganz ehrlich: Ich kann und will Ihnen da keine falschen Hoffnungen machen. Man muss wohl versuchen, damit zu leben."

Eine Vertiefung des Altmühlsees, die laut Fitz immer mal wieder an Stammtischen diskutiert werde, scheide wegen der immensen Kosten aus: "Da wären ja mindestens 20 Meter notwendig", sagte Trommer, "das ist unmöglich." Und auch eine zusätzliche Kläranlage mit P-Fällung am Altmühl-Zuleiter sei wenig sinnvoll, denn: "Die Phosphat-Konzentration ist zwar für die Algen hoch, für die Klärung allerdings sehr niedrig", erklärte Trommer. Deshalb müsste man riesige Mengen chemischer Fäll-Mittel einsetzen, dass das viel zu teuer würde.

Kein Patentrezept

Der im Frühjahr 2020 aus dem Amt scheidende Landrat Gerhard Wägemann, als Vorsitzender des Zweckverbands Brombachsee ebenfalls von Blaualgen geplagt, hat offensichtlich schon alle Hoffnungen fahren lassen, dieses Problem je in den Griff zu bekommen: "Ich glaube niemandem, der behauptet, ein Patentrezept dagegen zu haben." Im Grunde bleibe nur die Hoffung, "dass es nach dem schwierigen Jahr 2019 nächstes Jahr wieder besser wird".

Und auch der am Rande der ZVA-Sitzung mit einem kleinen Geschenk in den Ruhestand verabschiedete Robert Karl, der seit 1986 beinahe ständig und zuletzt als Abteilungsdirektor bei der Regierung von Mittelfranken mit dem Altmühlsee und seinen Algen kämpfte, hat resigniert: "Wir haben alles gemacht, was geht. Wir werden sie nicht los!"

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