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Gunzenhausen: Mehr Lebensraum für Insekten

Vereinte Nationen wollen mit dem Weltbienentag am 20. Mai ein Zeichen setzen - 18.05.2019 12:11 Uhr

So schön kann ein Insektenhotel aussehen. Und die Umgebung passt auch perfekt. © Peter Bria/LBV


"Unsere Insekten werden schleichend ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Sie verschwinden in dramatischem Tempo – und das in Bayern und auch rund um den Globus. Wenn es so weiter geht, rast die Weltgemeinschaft auf ein ökologisches Desaster zu", sagt LBV-Landwirtschaftsreferent Matthias Luy. Ein erster Schritt für Bayern war das erfolgreiche "Volksbegehren Artenvielfalt – Rettet die Bienen!", das neue Impulse für eine umweltfreundlichere Landwirtschaft setzt. Aber jeder kann etwas für die Vielfalt und Insektenwelt zuhause tun und zum Beispiel Wildbienen-Hotelier werden.

Jeder Naturfreund kann eine Vielzahl an Insekten mit Nistmöglichkeiten unterstützen, denn die Insekten finden in der freien Natur immer seltener geeignete Orte für ihre Eier. "Wildbienenhotels sind gut geeignet, um die Lebensweise der wilden Schwestern der Honigbiene kennenzulernen und sie gefahrlos zu beobachten, denn Wildbienen stechen nicht", sagt Martina Gehret, LBV-Gartenexpertin. Ein Wildbienenhotel zum Aufhängen oder Aufstellen hilft verschiedenen Wildbienenarten, wie zum Beispiel Mauerbienen, Blattschneiderbienen oder Scherenbienen.

Nicht aus Plastik oder Glas

Doch bei Weitem nicht jedes im Handel angebotene Bienenhotel ist gut geeignet. Die Nisthilfen sollten aus Hartholz sein und keinesfalls aus Plastik oder Glas. Sonst wird die Brut nicht gut belüftet und stirbt ab. Die Brutröhren sollten im Durchmesser von zwei bis acht Millimetern sein, damit große und kleine Wildbienen das Hotel nutzen können. "Ein Fünf-Sterne Hotel zeichnet sich dadurch aus, dass die Bohrungen glatt sind und keine Holzsplinte in die Öffnungen stechen", sagt Gehret. Grundsätzlich sollte die Nisthilfe an einem sonnigen Plätzchen hängen und mit einem kleinen Vordach witterungsgeschützt sein.

Sandige Bodenstellen

Allerdings legt der Großteil der über 500 bayerischen Wildbienenarten seine Eier im Boden ab. Für sie haben klassische Wildbienenhotels keinen Nutzen. Hier sind Hoteliers mit mehr Abenteuerlust gefragt, die den Insekten ein "Wildnis-Camp" anbieten: offene, sandige Bodenstellen. Dort können im Boden nistende Wildbienen, wie beispielsweise die Graue Sandbiene, unterirdische Gänge für ihre Brut graben.

Wer ein guter Wildbienen-Hotelier werden will, der sorgt auch für das richtige kulinarische Angebot. Finden die Wildbienen in der Nähe kein vielfältiges Blütenbüfett, wird das errichtete Hotel wahrscheinlich leer bleiben. "Blühen heimische Wildpflanzen über das Jahr verteilt, finden die Wildbienen stets eine reich gefüllte Tafel voller Nektar und Pollen", betont Gehret. Im Frühjahr lieben sie Winterlinge und Blaustern, im Sommer erfreuen sie sich an Wiesenschafgarbe, Glockenblume und Wiesensalbei. Wenn zum Herbst noch Rainfarn und Wilde Möhre blühen, stehen die Chancen gut, dass sich der Garten oder Balkon rund um die Nisthilfe mit herrlichem Summen füllt.

Mit dem erfolgreichen Volksbegehren Artenvielfalt sei der erste Schritt in Richtung einer naturverträglicheren Landwirtschaft gemacht, so der LBV. Aber nicht nur die bayerische Umweltpolitik muss sich nach Meinung des Verbands ändern, wenn der Insektenrückgang aufgehalten und umgekehrt werden soll. Auch auf Bundes- und EU-Ebene müsse der Schutz von Insekten endlich in die Tat umgesetzt werden. "Die milliardenschweren Subventionen müssen an konkrete Leistungen der Landwirte für die Umwelt geknüpft werden und Strukturelemente wie Blühflächen wieder selbstverständlicher Bestandteil der Agrarlandschaft werden. Der Pestizideinsatz muss deutlich sinken und hochgiftige Wirkstoffe müssen endlich vom Markt", fordert Luy.

Insekten zählen

Um mehr über den Zustand von Wildbienen und anderen Insekten in Bayern und Deutschland zu erfahren, rufen der LBV und sein bundesweiter Partner NABU zum zweiten Mal zu einer bundesweiten Zählung auf. Bei der Aktion "Insektensommer" sind vom 31. Mai bis 9. Juni sowie vom 2. bis 11. August alle Bürger aufgerufen, Insekten zu zählen und die Daten an den LBV zu melden.

Alles Weitere zur Insektenzählung von LBV und NABU unter www.lbv.de/insektensommer. 

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