Donnerstag, 19.09.2019

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Woodstock: Ein Auftritt, der nicht berühmt wurde

50 Jahre danach: Musiker Miller Anderson erzählt, wie er das Festival erlebte - 17.08.2019 14:30 Uhr

Gitarrist Miller Anderson von der Keef Hartley Band bei seinem Auftritt in Woddstock 1969. © Anderson


Woodstock war ein gesellschaftlicher Umbruch. Haben Sie es auch so wahrgenommen?

Miller Anderson: Eigentlich war es ein großes, schlammiges Chaos, um ehrlich zu sein. Zum Beispiel gab es, als wir ankamen, im Nachbardorf nur ein Doppelzimmer für uns und wir waren sechs Leute. Aber es war eben auch einfach jeder dort.

 

Wie war es denn auf dem Festivalgelände selbst?

Anderson: Die Straßen waren alle bedeckt von Schlamm und wir konnten nicht hinfahren. Wir mussten dann mit dem Helikopter hinfliegen. Wir konnten auch nicht unser eigenes Equipment benutzen, sondern mussten mit dem von Santana spielen. Das war sehr schwierig, denn wir wussten nicht genau, wie wir den besten Sound aus dem fremden Equipment bekommen. Das war beängstigend, als wir gesehen haben, wie viele Leute dort waren. Aber unser Auftritt lief ganz gut.

Ihre Band hat es nicht in die Woodstock-Dokumentation geschafft. Warum nicht?

Anderson: Unser Manager hat gesagt: Ohne Bezahlung dürfen sie uns nicht filmen. Und das war ein großer Fehler. Wir hätten im Film sein sollen. Alle, die im Film waren, hatten danach viel Erfolg. Aber wir sind trotzdem unseren Weg gegangen.

 

Woodstock hat den Blick auf Rockmusik verändert. Wie haben Sie diesen Wandel als Musiker wahrgenommen?

Anderson: Vor Woodstock war die Musik sehr poppig und sicher. Vorsichtige Musik. Nach Woodstock haben Rockmusiker mehr experimentiert. Sie haben längere Soli gespielt und mehr improvisiert. Die Leute haben angefangen, gelöster zu spielen. Ja, Musik hat sich von einer Formel zu einem Experiment verändert.

 

Haben Sie auf dem Festival Protest gegen den Vietnamkrieg bemerkt?

Anderson: Nein. Es ging vor allem darum, dass jeder eine gute Zeit hat. Und das hatten auch alle, trotz der vielen Probleme, die es gab: keine Toiletten, zu wenig zu essen. Das zeigt, wie friedlich die Leute waren. Ich glaube, heute wäre das auf einem großen Festival eine Katastrophe. Die Menschen haben sich verändert.

 

Würden Sie nochmal bei Woodstock spielen?

Anderson: Klar! Das ist Teil der Musikgeschichte. Obwohl ich nicht im Film bin, bin ich ein Teil von Woodstock, Teil der Legende. Das ist ein gutes Gefühl. 

Interview: Isabel Pogner

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