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Wirtschaftsabschwung: Sorgen sich die großen Firmen?

Fürths OB bat die Spitzen zum Gespräch - Mahnende Worte, aber keine Krisenstimmung - 13.11.2019 06:00 Uhr

Im Fürther Rathaus traf sich Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung mit den Spitzen von fünf großen Fürther Unternehmen. © Hans-Joachim Winckler


Den letzten Abschwung musste Deutschland mit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise verkraften: 2009, im Jahr, in dem in Fürth auch der Versandhändler Quelle pleite ging. Danach gab es für Republik und Kleeblattstadt zehn Jahre lang nur eine Richtung: bergauf.

2019 markiert den Wendepunkt. Bereits im Frühjahr ist die deutsche Wirtschaftsleistung leicht gesunken. Nach einer Prognose der Bundesbank hat sich dieser Trend im dritten Quartal fortgesetzt. Offizielle Zahlen fehlen noch. Muss man sich also um die hiesigen Firmen und ihre Arbeitsplätze sorgen? Eine Frage, die auch den Oberbürgermeister umtreibt.

Antworten bekamen er und Journalisten im Rathaus von Vertretern der fünf größten Fürther Familienunternehmen, wobei Norma, so viel Zeit muss sein, als Familienstiftung geführt wird. Der Discounter mit Zentrale auf der Hardhöhe beschäftigt in Fürth 660 Menschen, von einem Abschwung ist dort nichts zu spüren.

"Im Konsum herrscht eine deutlich bessere Stimmung", sagt Vorstand Gerd Köber, der in den kommenden Jahren zweistellige Wachstumsraten anpeilt – und zwar im Online-Handel. Dabei geht es ihm nicht um Lebensmittel ("Die zu liefern, ist zu teuer"), sondern um den sogenannten Non-Food-Sektor. Bis 2025, sagt Köber, soll der Online-Handel zehn Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen, was Fürth neue Arbeitsplätze in der Verwaltung bringen könnte. Als Logistik-Standort für das Internet-Geschäft kommt es nicht in Frage. "Dazu bräuchten wir rund 100.000 Quadratmeter", so Köber – Flächen dieser enormen Größe könne Fürth nicht bieten.

Auch bei Kurz, Uvex, Bruder und Simba-Dickie fürchtet man den Abschwung nicht. "Wir befinden uns in einer Seitwärtsbewegung", sagt Paul Heinz Bruder, Geschäftsführer des Spielwarenunternehmens, das in Burgfarrnbach produziert und circa 500 Mitarbeiter beschäftigt; vor zehn Jahren waren es noch 300. Weitere Zuwächse sind, Stichwort Seitwärtsbewegung, vorerst nicht geplant.

Ähnlich sieht es bei Simba-Dickie aus, der zweiten großen Fürther Spielzeugfirma. "Das ist keine harte Rezession", sagt Geschäftsführer Michael Sieber über die Lage. Kurzfristig sei kein Einbruch zu erwarten.

Es läuft stabil bei Kurz und Uvex

Die Firma Kurz mit ihren 1550 Mitarbeitern in Fürth, weltweit sind es 5000, ist nach Angaben der Vorstände Peter und Walter Kurz in 40 unterschiedlichen Industriezweigen tätig. Das gleiche die eine oder andere Delle in bestimmten Branchen wie der Automobil- oder der Druckindustrie aus. Obendrein biete die E-Mobilität dem Unternehmen durchaus Chancen. "Es läuft stabil", fasst Walter Kurz die Lage zusammen.

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Ähnliches sagt Uvex-Chef Michael Winter. Die Firma mit 2850 Angestellten, davon 850 in Fürth, expandiert gegenwärtig über die Würzburger Straße hinweg, in dem sie sich in Gebäuderiegeln einmietet, die dem Immobilienunternehmer Thomas Sommer gehören. Auch auf dem benachbarten Areal, der ehemaligen Norma-Zentrale, hat Uvex Erweiterungsflächen erworben, wird dort vorerst aber nur einen Parkplatz und eine Lärmschutzwand bauen.

Sorgen bereiten andere Entwicklungen

Sorgen bereiten den Unternehmern Krisenherde wie Brexit, Handelskriege oder die Russland-Sanktionen, doch auch an der Bundesregierung sparen einige nicht mit Kritik. Winter beklagt "überbordende Bürokratie", Bruder "zu hohe Strompreise" und Sieber die "hohe Steuerbelastung" für Unternehmen und Angestellte. "Unser Wachstum", sagt der Simba-Dickie-Chef, "erzielen wir derzeit im Ausland."

"Da muss sich Berlin kümmern", mahnt Oberbürgermeister Jung. Wirtschaftsreferent Horst Müller ist dennoch optimistisch: "Wir können zwar nicht euphorisch, aber positiv auf die nächsten Jahre blicken."

JOHANNES ALLES

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