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Mittwoch, 23.09.2020

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Wilhelm-Löhe-Hochschule ist umgezogen: Kunst oder Klotz?

Die Schickedanzvilla im Fürther Südstadtpark wird zurzeit nicht gebraucht - 23.07.2020 13:30 Uhr

Neuerdings ist die WLH hier zu finden: am Rand des Südstadtparks, in einem Neubau, dessen Fassade mit weißem Metallwellblech verkleidet ist.

© Foto: Hans-Joachim Winckler


Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt sind Dozenten, Studierende und Verwaltungspersonal der Wilhelm-Löhe-Hochschule (WLH) Anfang Juli umgezogen: von der früheren Schickedanzvilla mitten im Südstadtpark in einen Neubau am Rand des Parks. Der rund sieben Millionen Euro teure Erweiterungsbau soll nach den Plänen der Diakonie Neuendettelsau – seit der Fusion mit dem Diakoniewerk Schwäbisch Hall nennt sie sich Diakoneo – langfristig Raum für mehr Studenten bieten. Die Diakonie hatte die WLH 2012 gegründet, und die platzt aus allen Nähten.

Wie Kanzlerin Alexandra Denzel-Trensch auf Nachfrage sagte, zählt die bayernweit einzigartige private Fachhochschule für Gesundheits- und Sozialmanagement aktuell 380 Studierende. Im Lauf der kommenden fünf Jahre sollen es doppelt so viele werden. Wenn es so weit ist, benötige man beide Standorte: den Neubau und die Villa, die jetzt erst einmal untervermietet werde.

Der WLH-Erweiterungsbau an der Fronmüllerstraße beherbergt auf drei Etagen Seminarräume für 210 Studenten, 28 Büros sowie Aula, Cafeteria, Bibliothek, Dachterrasse und einen ökumenischen Gebetsraum. Das Projekt war von Anfang an eine schwere Geburt. Denn: Zunächst wollte die Diakonie mit dem Neubau direkt an ihren Stammsitz, die für 3,5 Millionen Euro umgebaute, denkmalgeschützte Schickedanzvilla andocken. Doch damit zog sie sich den Zorn der Anwohner zu.

Nach Protestdemonstrationen änderte man den Kurs und nahm die Bebauung auf einem Grundstück am Parkrand in Angriff. Dann bremsten Bodenbelastungen aus der Zeit der Kasernennutzung durch die US-Army die Arbeiten aus. Nach dem feierlichen Spatenstich 2017 rollten erst 2018 die Bagger an. Anlagen zur Filterung von Schadstoffen aus dem Grundwasser wurden schließlich in den Neubau integriert. Im Herbst 2019 hätte dieser fertig sein sollen, nun verging noch ein Jahr.

Eine Art Vorhang

Nach Angaben von Diakoneo-Sprecherin Anja Braun handelt es sich bei dem Komplex, dessen offizielle Einweihung noch aussteht, um einen Stahl-Beton-Bau, dessen Fassade geschossübergreifend mit einer Art Vorhang aus "weißem Metallwellblech" versehen ist.

Nicht jedem allerdings gefällt die Optik: In einer Mail an Diakoneo, diverse Stadträte und die FN-Redaktion verurteilt Anwohnerin Birgit Gebhardt das Ergebnis als "hässlichen Klotz". Sie wirft den Planern fehlendes Fingerspitzengefühl vor, zieht den Vergleich zum 2018 eröffneten und ebenfalls als "Klotz" oder "Bunker" beschimpften Ludwig-Erhard-Zentrum am Rathaus und schließt: "Nun müssen wir mit diesem Schandfleck wohl leben!"

"Gut gelungen"

Diakoneo-Vorstand Dietmar Motzer entgegnet, man halte den verwirklichten Entwurf des Nürnberger Architekturbüros Baum-Kappler für "gut gelungen". Das Gebäude biete nicht nur "flexible, moderne und bestmögliche Studien- und Arbeitsbedingungen", sondern habe auch eine "ansprechende äußere Gestalt". Dass man das unterschiedlich bewerten könne, sei verständlich.

Diakoneo-Sprecherin Anja Braun weist darauf hin, dass das Gebäude mit geöffneten Faltschiebeläden einen "einladenderen und lebendigeren Eindruck" mache. Im Übrigen habe der städtische Baukunstbeirat die Planungsphase begleitet, Vorschläge eingebracht, die umgesetzt wurden, und darauf geachtet, "dass sich das Erscheinungsbild möglichst harmonisch in die Umgebung einpasst".

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