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Warum Stechmücken Fürth nerven und Nürnberg nicht

Insektenschutzmittel sind in manchen Drogeriemärkten ausverkauft - 03.06.2017 10:00 Uhr

In Fürth sind derzeit Scharen von Stechmücken unterwegs. © dpa


In Fürth sind die Plagegeister gefühlt überall. So berichtet eine Nürnbergerin von einem Hinterhof-Besuch nahe der Uferpromenade vor zwei Wochen. "Da war’s wirklich schlimm." Vom Mountainbiken schwitzend hätten sie neulich zwar auch im Nürnberger Reichswald "viele Viecher attackiert", in der Nürnberger Innenstadt hingegen stelle sie "keine erhöhte Konzentration" fest. Eine Fürtherin wiederum saß dieser Tage in einem Biergarten in Gostenhof. Prompt fiel ihr auf: "Keine Mücke!"

Ganz anders war es zuvor im Garten ihrer Eltern auf der Hardhöhe: "Trotz Autan hatte ich immer mindestens zwei auf dem Kleid." Weil die Stechmücken besonders auf seine achtjährige Tochter fliegen, entschloss sich ein Familienvater aus der Fürther Westvorstadt zu handeln. Er kaufte ein Moskitonetz, das jetzt wenigstens die Nachtruhe des Kindes sichern soll.

Wer sich in diesen Tagen im Drogeriemarkt mit Insektenschutzmittel eindecken will, muss schon mal auf leere Regale gefasst sein. Auf FN-Nachfrage bestätigt die Pressestelle der Rossmann-Kette eine ungewöhnlich hohe Nachfrage in ihren Fürther Filialen. Die Sortimente seien hier "nur noch begrenzt vorrätig bzw. zum Teil sogar ausverkauft". In Nürnberg sei diese Entwicklung zurzeit nicht erkennbar. Dort sei die Nachfrage "gewöhnlich hoch".

Wie berichtet, waren die Bedingungen für die Vermehrung von Schnaken zuletzt optimal. Starke Regenfälle Anfang Mai, in der Folge Tümpel und Pfützen plus warme Temperaturen. Da explodiert die Mückenbrut.

Täglich Klagen und Beschwerden

Mancher, der sich gepiesackt fühlt, ruft sogar im Rathaus an. Fürths stellvertretender Umweltamtsleiter Jürgen Tölk berichtet, in den vergangenen eineinhalb Wochen habe es täglich ein paar Klagen und Beschwerden gegeben. Wirklich helfen kann die Stadt dann nicht. Im Nürnberger Rathaus kamen derweil keine Klagen an. Zumindest nicht bei der Unteren Naturschutzbehörde, am Umwelttelefon oder im Gesundheitsamt.

Die aktuell auffällige Vorliebe der Stechmücken für die Kleeblattstadt lässt sich wohl nur mit mehreren Faktoren erklären. Die Fürther Biologin Katharina Michielin etwa stellt fest: "Wir haben mehr Wasserfläche in Relation zum Asphalt." Rainer Poltz, ebenfalls Biologe und Vorsitzender des Landesbunds für Vogelschutz in Fürth, argumentiert ähnlich: "Nürnberg ist noch städtischer als Fürth, hat also weniger Grünflächen." Wolfgang Vöckler, im Umweltamt der Nachbarstadt zuständig für Landschaftspflege und Biotopschutz, sagt: Um das "räumliche Verteilungsmuster" der Mückenplage zu verstehen, müsse man sich anschauen, wo es zuletzt Überschwemmungen gab.

Im Wasserwirtschaftsamt Nürnberg weiß man, dass die Pegelstände von Pegnitz und Rednitz Anfang Mai knapp unter der Meldestufe eins waren, ab der ein Fluss beginnt, über seine Ufer zu treten. Lokal begrenzt, betont Hatice Frühauf, bei der Behörde zuständig für die biologische Gewässeraufsicht, mag es dazu ja auch gekommen sein.

Es scheitert nicht an der Entfernung

Fest steht: In Fürth war dies der Fall. Der Rednitzgrund stand Anfang Mai unter Wasser, zumindest Fußgänger und Radler mussten Umwege in kauf nehmen. "Nürnberg liegt an der Pegnitz, Fürth liegt an der Rednitz", konstatiert lapidar der Fürther Bund-Naturschutz-Vorsitzende Reinhard Scheuerlein. "Das ist der Unterschied." Überschwemmungen kämen in Fürth "immer von der Rednitz". Sie habe ein großes Einzugsgebiet und gehe bei Starkregen "relativ schnell hoch". Bei der Pegnitz dagegen nehme der Wöhrder See viel Wasser auf.

Scheuerlein hat beobachtet, dass sich der Trocknungsprozess nach dem leichten Hochwasser diesmal lange hinzog. Noch um den 18. Mai seien Landwirte beim Mähen der Wiesen mit den Rädern ihrer Traktoren im Boden eingesunken, berichtet er. Es war also wohl eine ziemlich starke Generation von Blutsaugern, die da am Scherbsgraben geschlüpft und ausgeschwärmt ist. Eine Stechmücke kann übrigens, sagt Jürgen Tölk, bis zu zwei Kilometer am Tag zurücklegen. Ein Flug über die Stadtgrenze wäre also durchaus drin. 

BIRGIT HEIDINGSFELDER

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