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Mittwoch, 05.08.2020

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Veitsbronner Ortschronik erzählt Geschichte und Geschichten

Neues Werk beleuchtet nicht nur die Historie der Zenngrundgemeinde - 27.05.2020 06:58 Uhr

Der Blick auf den Hauptort mit der markanten Veitskirche: Auf 440 Seiten finden sich in dem neuen Buch Geschichten über die Menschen und die Geschichte der Gemeinde Veitsbronn mit ihren Ortsteilen.

© Foto: Hans-Joachim Winckler


Die Veitsbronner hatten Sabine Schöberl viel zu sagen.

© Foto: NINA Thilo


Es hat wohl im wasserreichen Zenngrund früh, um 800 bis 900 nach Christus, etliche Siedlungen gegeben, urkundlich erwähnt wurde der Ort "Prunn" erstmals im 13. Jahrhundert. Von den historischen Bauten der frühen Jahre blieb wenig erhalten. Es sind andere Pfunde, mit denen die Einwohner heute wuchern können: das Veitsbad, die Wehrkirche, das vielfältige Vereinsleben, unter anderem mit dem Heimat- und Geschichtsverein, und neuerdings auch die soeben erschienene Ortschronik.

Detailliertes Konzept

Da muss man in vergleichbaren Gemeinden lange suchen, bis man so ein aufwändig gemachtes, viel-schichtiges, sehr schön beschreibendes und geschriebenes, bildstarkes Geschichts- und Geschichtenbuch findet wie "Sieben Dörfer und ihre Menschen. Lebendige Ortsgeschichte der Gemeinde Veitsbronn." Knapp 7000 Menschen leben in den Dörfern Bernbach, Kagenhof, Kreppendorf, Raindorf, Retzelfembach, Siegelsdorf und Veitsbronn (Pfarrdorf) und den vier Mühlen (die Raindorfer und Förstermühle sowie die Bach- und die Veitsmühle).

"2017", erinnert sich Sabine Schöberl, geboren in Fürth, aber fast immer in Veitsbronn und Siegelsdorf zuhause, gab es erste Überlegungen und Vorgespräche, eine neue Chronik betreffend. Die alte war vergriffen und letztlich nicht mehr vernünftig reproduzierbar. Schöberl ist studierte Betriebswirtin, die schon lange mit PR und Werbung – unter anderem bei Quelle und der EuromedClinic – zu tun hatte. Sie fing schnell Feuer.

Schöberl verfasste ein detailliertes Buchkonzept. "Das Konzept habe ich weitgehend umgesetzt", sagt sie lächelnd, "aber damals ging ich von 180 Seiten aus. Na ja". Es wurden 440. Schöberl betrieb Geschichtsforschung, sichtete und nutzte Quellen wie den "Stichling", die frühere Zeitung des Jugendbeirats, sie war im Standesamt und tat sich Gemeindeprotokolle und Gemeindeblätter aus Jahrzehnten an. Ein Glücksfall waren die Filme des Hobby-Ortschronisten Hermann Mahr.

Doch vor allem suchte und besuchte sie die Menschen. "Der erste Treff", erzählt sie, "war stets auf der roten Couch beim Bäcker Pickelmann im Edeka. Bei vielen Familien war ich auch zu Hause." Die Gespräche dauerten, die Protokolle wuchsen an, denn 90-Jährige haben nun mal allerhand zu erzählen. "Was einmal erzählt wird, ist eine Geschichte, aber wenn man die gleiche Geschichte dreimal von unterschiedlichen Menschen hört, ist der Inhalt historisch", erläutert sie ihr Vorgehen.

Reizende Vergleiche

Die Bildersammlung war ein Mammutwerk, 1111 Abbildungen sind im Buch zu finden. Der in Veitsbronn lebende Fotograf Thomas Reiff lieferte neue Landschaftsaufnahmen, viele Veitsbronner steuerten alte und neue Bilder bei. Reizend sind die Vergleiche von damals und heute, etwa auf Seite 33, wo ein historisches Schwarzweiß-Foto ganz junge Mädels zeigt und ein Gruppenbild von heute – 66 Jahre später – die Damen, die noch leben.

Sehr geschickt und gut durchdacht stellt Schöberl immer wieder harte Fakten (Entwicklung der Telefonanschlüsse im Ort; Buchbestand der Ortsbibliothek) den Stimmen von Zeitzeugen und Zitaten gegenüber. So entsteht die Chronik eines Ortes, voller Lebendigkeit und trotzdem historisch relevant und korrekt. Bei der Geschichte des Veitsbades, aus dem "Auweiher im lieblichen Tuchenbachtal" erbaut, muss man akzeptieren, dass das Schmuckstück einem Nazibürgermeister zu verdanken ist. 1956 kostete die Dauerkarte übrigens 2,50 DM – 2019 sind es 96 Euro.

Naturschutz und Landwirtschaft, zwei nicht immer liebende Geschwister, finden ihren Niederschlag, die Industriegeschichte der Ziegeleien, das vergangene Mühlenwesen, die Dorfwirtschaft; Sabine Schöberl hat nichts ausgelassen, was dorfgeschichtliche Relevanz besitzt.

Im April sollte das Buch angemessen in der Zenngrundhalle vorgestellt werden. Aber: "Corona hat mir meine Party kaputtgemacht", sagt Schöberl ein wenig traurig. Kaufen kann man das Werk schon jetzt im Rathaus. Es kostet 30 Euro – nicht zu viel für ein sorgfältig erarbeitetes Lebensbuch der Gemeinde Veitsbronn.

InfoSabine Schöberl schreibt unter dem Pseudonym Hedy Loewe auch Fantasy-Fortsetzungsromane. Mehr dazu im Internet unter www.hedy-loewe.de

Peter Budig

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