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Strahlende Koloraturen und nachtschwarze Basstiefe

St. Rochus: Jerusalems Zöglinge sangen betörend zum Advent - 06.12.2019 16:00 Uhr

Lyrisch versiert: Sopranistin Lisa Orthuber sang Strauss und Mozart.

© Thomas Scherer


Es war wieder eine üppige Bescherung, die Professor Siegfried Jerusalem der dicht gedrängten Zuhörerschar in St. Rochus bereitete: gut zwei Stunden vokaler Highlights mit Solisten seiner Meisterklasse am Nürnberger Konservatorium unter dem markanten Holztonnengewölbe des Kirchenschiffs, das zur vorzüglichen Akustik in St. Rochus beiträgt.

Im Namen der Lions bedankten sich die Veranstalter Uwe Stadelmann und Friedrich Wacker bei Jerusalem und seiner Gesangsklasse, das schon zur schönen Tradition gewordene Konzertprogramm 2019 wieder so kunstvoll vorbereitet zu haben; die Konzerteinnahmen werden wohltätigen Zwecken zugeführt.

Gerade in Zeiten musikalischer Überfütterung mit weihnachtlichen Weisen verströmte die Mischung aus romantischem Liedgut, Klaviermusik und Opernauszügen ein feines Bouquet, und wenn Jerusalem leider nicht mehr als Sänger in die Szenen eingriff, führte er doch mit viel Humor durch das Programm, dessen schöne Töne niemand einschlafen lassen würden. Auch seinen Stolz auf das hohe Niveau seiner Schülerinnen und Schüler verhehlte er nicht.

Sopranistin Lisa Orthuber hatte den Löwenanteil am Programm zu stemmen, da sie noch Beiträge einer kurzfristig verhinderten Solistin übernommen hatte. Mit beeindruckendem Stimmvolumen fügte sie Richard Strauss' "Kornblumen" und "Mohnblumen" zu einem Gebinde, zeigte sich koloraturstark als Königin der Nacht in der "Zauberflöte". In Schuberts selten aufgeführtem "Hirt auf dem Felsen" bestach sie wiederum mit lyrischem Ausdruck; zum frühlingshaften Wohllaut dieser ländlichen Szene trug auch Katharina Kraut mit einschmeichelnd schimmerndem Klarinettenton bei.

Thilo Stute, jüngster Sänger des Abends, hatte am Anfang Robert Schumanns Liederkreis mit lockerem Bariton vorgetragen; Orthuber und Stute zeigten ihre Spielstärke dann auch im Duettino aus Richard Heubergers Operette "Der Opernball", wo nach einem Rendezvous mit Hindernissen der Gang ins geheimnisvolle Chambre séparée ausgemalt wird. Mit der Bühnenerfahrung ihrer Engagements in Meinigen und Nürnberg konnten Alex Kim (Tenor) und Wonyong Kang punkten: mit klarer, intensiver Höhe gelang Kim Strauss' "Heimliche Aufforderung", Kangs schwarze Basstiefe machte in Rossinis "Barbier" das Gift der Verleumdung noch bedrohlicher.

Starken Eindruck hinterließ die Belgierin Anne-Sophie Sevens schon als dramatische "Fidelio"-Leonore; dass sie in ihrer ausdrucksvollen Dynamik auch die stimmlichen Gene für Wagner-Rollen besitzt, machte sie, im Duett mit Alex Kim, in der Brautgemach-Szene aus dem "Lohengrin" deutlich. Paula Jeckstadts geschmeidig feine Sopran-Lineatur hatte bereits in Mozarts "Abendempfindung" aufhorchen lassen; zusammen mit Kang, Orthuber und Yajun Yus lyrischer Verkörperung des Max gelang eine mitreißende Folge von Szenen aus Webers "Freischütz".

Costin Filipoiu und Susanna Klovsky hatten zuverlässig am Klavier für die orchestrale Einbettung der vokalen Beiträge gesorgt; in Brahms' vierhändigem Walzer A-dur präsentierten sich die beiden auch solistisch überzeugend. Und mit Bachs zuversichtlichem Choral "Jesu bleibet meine Freude" entließ das Vokalseptett und Katharina Krauts konzertierende Klarinette die gerührten Zuhörer in die Winternacht.

Michael Vieth

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